Kolumnist KNITZ über ein fast vergessenes Medium, dessen Wiederentdeckung so manche Erkenntnis zu Tage fördert.

KNITZ besitzt einen kompakten Wagen, den man mit etwas gutem Willen und nicht allzu hohen Platzansprüchen als Familienauto bezeichnen könnte. Das Fahrzeug hat schon eine Viertel Million Kilometer auf dem Tacho und 25 Jahre auf dem Buckel. Angesichts dieser stattlichen Lebensleistung, findet KNITZ, verrichtet der Wagen noch passabel seinen Dienst.

 

Im Lauf der Jahre wurde so manches Teil ausgetauscht. Nur der Fahrer ist noch der Alte – und ein am Armaturenbrett eingelassenes Gerät ist ebenfalls nicht tot zu kriegen. Es läuft und läuft und läuft, wenn auch manchmal leicht unrund. Die Rede ist von einem Radio-Kassettenrekorder.

Der Radio-Kassettenrekorder fügt sich schon ein

Im Kofferraum liegt längst ein modernes Billigradio, mit dem man Digitalsender empfangen kann. Aber noch konnte KNITZ sich nicht zum Umbau durchringen, was auch damit zu tun hat, dass der alte, ab Werk installierte Radio-Kassettenrekorder sich schön ins Armaturenbrett einfügt.

Vielleicht sollte KNITZ noch erwähnen, dass der Hörfunkempfang schwächelt, sodass er gezwungen ist, zum Zwecke der Unterhaltung eine Kassette ins Fach zu schieben. An Tonträgern mangelt es ihm nicht. In einem Karton im Keller entdeckte er vor einiger Zeit einen Karton mit an die 200 Musikkassetten.

Die Magnetbänder haben sich gut gehalten

Die meisten Bänder hat KNITZ selbst aufgenommen, entweder aus dem Radio, leicht zu erkennen an Moderatorenstimmen, die in die Songs reinquatschen, was KNITZ früher geärgert hat, er heute allerdings als Gewinn empfindet. Die anderen Musiktitel wurden von Schallplatten überspielt. Erste verblüffende Erkenntnis: Die Magnetbänder haben nach all den Jahrzehnten einen erstaunlich guten Klang.

Wenn er sich die Songs, meist Material aus den Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhundert, reinzieht, tritt ein ähnlicher Effekt ein wie beim Anschauen alter TV-Serien oder Kinofilme. Manches ist heute kaum noch zu ertragen und man wundert sich, warum man das Zeug jemals aufgenommen hat. Aber Vorspulen der Kassette ist verboten. Da muss KNITZ durch.

Etlichen Kassetten sind mit Maxi-Singles bespielt

Andere Songs scheinen keine Patina angesetzt zu haben. Sie klingen unglaublich frisch und regen auch heute noch den Bewegungsapparat von KNITZ an. Eine Gefühlsregung, der er beim Autofahren besser keinen freien Lauf lässt.

Etlichen Kassetten hat KNITZ mit sogenannten Maxi-Singles bespielt. Dabei handelte es sich um einschlägige Hits, die für den Einsatz auf der Tanzfläche mit Beats unterlegt und in die Länge gezogen wurden. Bei nicht wenigen dieser Produktionen hat KNITZ den Eindruck, dass weniger mehr gewesen wäre. Aber bei einigen ist er fast traurig, wenn er vor dem Ablaufen des Songs am Ziel angekommen ist. Aber was hindert ihn daran, hinterm Lenkrad sitzend mit wippendem Kopf das Lied zu Ende zu hören?

Genug Material für eine Erdumrundung

KNITZ setzt sich jetzt für zwei Wochen nach Südfrankreich ab. Als Beförderungsmittel hat man sich für ein deutlich jüngeres und wohl auch spritsparendes Fahrzeug entschieden. Was KNITZ fast ein bissle schade findet. Denn in der Kiste aus dem Keller lagert noch jede Menge hochinteressantes Kassettenmaterial, das glatt für eine Erdumrundung reichen würde.