Musiknacht in Ditzingen Schwärmende Nachtschwärmer

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Das Musikfest fand am Samstag zum siebten Mal statt. Mit Shuttlebussen pendelten insgesamt 700 Besucher zwischen zwölf Locations hin und her. Am Ende aber trieb es die meisten Musik-Fans in die berüchtigen Wagenhallen.

„Second Sun“ heizt den Besuchern in den Wagenhallen als erstes ein. Foto: factum/Bach
„Second Sun“ heizt den Besuchern in den Wagenhallen als erstes ein. Foto: factum/Bach

Ditzingen - Fünf Restaurants, drei Kneipen, ein Café, das Jugendhaus, die Stadtbibliothek und der Bauhof – insgesamt zwölf Locations haben in diesem Jahr beim Musikfest Unplugged mitgemacht, 13 Bands sind aufgetreten und zwei Shuttlebusse haben die Besucher von Konzert zu Konzert gebracht. Was macht das Ditzinger Festival aus? Eine Reise durch die Musiknacht mit einigen Eindrücken.

Die Vorbereitungen

Die ersten Saitenklänge der Gitarre hallen eine Stunde vor Beginn von Unplugged durch die Straße. Im Kelterfürst haben „Old Friends Blues Band“ ihr Equipment auf der Bühne aufgebaut, Frank Huber, mindestens 1,90m groß, tiefe Stimme und lange Haare, steht am Kontrabass und zupft die Saiten zu den Klängen der Gitarre seines Musikerkollegen Armin Lonsinger. Zusammen mit dem Keyboarder Matthias Ostertag und Ralf Broghammer am Cajon spielen sie – wie ihr Bandname verrät – Blues. „Wir waren schon vergangenes Jahr im Kelterfürst. Da lief es richtig gut“, sagt Huber, „Wir hoffen, dass es dieses Mal wieder so wird.“

Die Wagenhallen

Die ersten Konzerte beginnen um 20.30 Uhr. In den Wagenhallen, am Rande der Stadt, schmettert die Soul-Band „Second Sun“ erst um 21 Uhr los – insgesamt elf Musiker stehen in der großen, schmuddeligen Halle auf der Bühne. Die ersten Gäste tanzen bereits, aber so richtig voll ist es hier noch nicht. Viele kämen erst nach Mitternacht, sagt Roland Reuter, der hinter der Bierbank-Theke Getränke ausschenkt. Wenn alle anderen Locations Schluss machen, wird im Bauhof noch bis um 3 Uhr morgens weiter gefeiert. „Ob ich aber so lange durchhalte, weiß ich nicht“, sagt der 65-Jährige.

Der Organisator

Dann taucht ein Mann auf, der eine Jeansjacke trägt, die Baskenmütze sitzt verkehrt herum auf dem Kopf, mehrere Ringe schmücken seine Finger. „Unplugged ist gar nicht unplugged“, sagt Roger König, der die Veranstaltung seit vier Jahren organisiert, „Ohne Verstärker geht es nicht mehr, aber wir wollten den Namen deshalb nicht ändern.“ Er schaut ein wenig besorgt in den Himmel. „Hoffentlich hält das Wetter.“ Wenn es nicht regne, kämen mehr Leute. 300 Karten seien im Vorverkauf weggekommen. Dieses Jahr kosten die Tickets an der Abendkasse zehn statt acht Euro. „Die Gagen der Bands werden immer höher“, erklärt König. Man habe die Ticketpreise anpassen müssen. Trotzdem: Der Verkauf sei gut gelaufen. Bevor der Stadtjugendpfleger weiter muss, empfiehlt er das Café Maute. „Da geht schon die Post ab.“

Im Café Maute

Normalerweise gibt es hier Kaffee und Kuchen in gemütlicher Atmosphäre. An diesem Abend aber rockt im Café Maute die Band namens „Gom“, was die Abkürzung für Good Old Music ist, also gute alte Musik – von den Eagles etwa, oder den Beach Boys. Die Stimmung brodelt. Einer der Gitarristen schlägt im Nebenraum die Saiten, ein weiterer sitzt zwischen den Gästen und klatscht in die Hände, bis alle im Raum mitmachen. Viele, die draußen von der dröhnenden Musik angelockt werden, finden keinen Platz mehr, anderen ist es dann doch zu wild, sie ziehen weiter.

In der Stadtbibliothek

Kerzenschein, Snacks auf den Tischen, Liegestühle und tiefe Ledersofas – die Stadtbibliothek ist der Ruhepol des Abends. Stefanie Schütte, seit Oktober 2016 die Leiterin des Hauses, und ihr Team haben die vielen Bücherregale bei Seite geschoben und eine kleine Bühne aufgebaut. Am Unplugged-Abend wirkt die Bücherei ein wenig wie ein Jazzclub aus den US-amerikanischen Südstaaten. Auf der Bühne steht „Mareeya“ mit ihrer Band. Rund 50 Besucher sitzen hier um die Jazz-Musikerin und lassen sich von ihrer Stimme und den weichen Posaunentönen berieseln.

Im Shuttlebus

Eigentlich würde er ja laufen, aber weil es nieselt, sitzt Achim Haustein mit seiner Ehefrau Elke im Shuttlebus, der die Unplugged-Besucher von Location zu Location kutschiert. Für eine Runde braucht der Bus ungefähr 20 Minuten. „Wir waren gerade in der Bibliothek und ziehen jetzt weiter zu Cozy’s“, sagt er. Dort spielen „Matze and Friends“. Der Stuttgarter ist zum zweiten Mal bei Unplugged dabei. In diesem Jahr will der 48-jährige Blues-Fan versuchen, alle Konzerte zu besuchen. Seine Frau ist da eher skeptisch: „Mal schauen, ob es zeitlich reicht“, sagt sie. Letztes Jahr hätten sie das auch vorgehabt, dann seien sie aber doch an einer Location, in der Blues gespielt wurde, hängen geblieben. „Endstation sind aber in jedem Fall die Wagenhallen. Da geht später ja gefühlt jeder hin, sagt Achim Haustein.




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