Musikschule Schönaich Doppelspitze führt die Musikschule

Thomas Schnellbach und Agnes Feuersänger führen gemeinsam die Schönaicher Musikschule. Foto: /Stefanie Schlecht

Cello, Tuba oder Flöte: In der Schönaicher Musikschule können Kinder seit 40 Jahren ein Instrument lernen. Inzwischen werden dort auch Erwachsene unterrichtet. Überhaupt hat sich in der Institution einiges verändert, manches notgedrungen.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Mit elf hat Thomas Schnellbach zum ersten Mal eine Geige in der Hand gehalten. Die ersten zwei Jahre musste er zum Üben aufgefordert werden, dann war die Sache ein Selbstläufer. „Ich bin total gern in die Musikstunde gegangen“, erzählt der 61-Jährige. Und nach zwei Jahren Pause, in denen er seinen Zivildienst absolvierte, war ihm klar: Die Geige ist für ihn mehr als nur ein Hobby. Sechs Stunden am Tag übte er für die Aufnahmeprüfung an der Universität.

 

Noch während des Studiums fing Schnellbach an, an der Schönaicher Musikschule zu unterrichten. Johannes Bornmann, der damalige Musikschulleiter, heuerte ihn höchstpersönlich an. Inzwischen leitet er die Einrichtung, die diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert.

Seit 2010 nimmt die Musikschule auch Erwachsene auf

In diesen vier Jahrzehnten hat sich die Jugendmusikschule zur Musikschule für alle Altersklassen entwickelt und wird heute von 473 Schülerinnen und Schülern besucht. Neben Herausforderungen wie der Einführung von G8, hat Schönaich auch in der internen Organisation der Musikschule neue Wege eingeschlagen.

In ihren Anfangsjahren nahm die Schönaicher Musikschule ausschließlich Jugendliche auf. Erst seit 2010 können dort auch Erwachsene ein Musikinstrument lernen. Mittlerweile besuchen 75 Menschen über 18 den Unterricht. Doch nicht nur das Klientel der Musikschule hat sich über die Jahre verändert. Auch die Wahl der Instrumente hat sich einem Wandel unterzogen.

Während die Musikschule vor 15 Jahren händeringend nach Cello-Schülern suchte, spricht Thomas Schnellbach heute von einem regelrechten „Cello-Boom“. Warum das tiefe Streichinstrument momentan so beliebt ist, bleibt im Dunkeln. „Vielleicht ist die Welt stressiger geworden und wir brauchen die beruhigenden Töne“, sagt der Musikschulleiter und lacht.

Große Veränderungen brachte auch die Einführung von G8, also dem Abitur nach der zwölften Klasse, mit sich. Die Leistungsklassen seien eingebrochen. „Die Kinder haben einfach keine Zeit mehr, lange zu üben“, sagt Thomas Schnellbach. Das Niveau sei gesunken, die Lerneinheiten müssten in kleineren Happen vermittelt werden. Noten, die er früher im Unterricht benutzt habe, seien heute nicht mehr verwendbar, sagt der Musikschullehrer.

Das Smartphone lenkt ab

Diese Entwicklung bestätigt auch Ingo Sadewasser, Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen Baden-Württembergs. Der Wegfall eines Schülerjahrganges sei deutlich zu spüren. „Das Fehlen dieser besonders leistungsstarken Schüler am Ende der Schulzeit hat in vielen Ensembles dazu geführt, dass die Gesamtleistung merkbar abgefallen ist“, sagt der Landesvorsitzende der selbst Musikschulleiter in Tübingen ist. Trotzdem gebe es immer noch Schülerinnen und Schüler, die ein hohes musikalisches Niveau erreichen würden, sagt Thomas Schnellbach. Doch sie werden weniger.

Auch das Smartphone mache sich bei den Schülerinnen und Schülern beim Üben bemerkbar. Das kleine Gerät biete viel Raum für Ablenkung, sagt Thomas Schnellbach und ist damit nicht allein: „Auch wenn dieser Einschätzung keine wissenschaftlichen Belege zugrunde liegen, so sind die Erfahrungsberichte von Lehrkräften schon so, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder und Jugendlichen im Allgemeinen als deutlich kürzer erlebt wird“, sagt auch Ingo Sadewasser. Umso wichtiger sei es, ein Musikinstrument zu erlernen, weil man übe, sich auf eine Sache zu konzentrieren, sagt der Vorsitzende.

Die Leitung der Musikschule ist auf zwei Paar Schultern verteilt

Immer wieder musste die Musiklehrer in den letzten Jahren also neue Wege einschlagen. Doch nicht nur die Pädagogik unterliegt einem steten Wandel: Seit einigen Monaten ist auch die Leitung der Schönaicher Musikschule neu sortiert worden. Thomas Schnellbach hat die künstlerische Leitung inne, während Agnes Feuersänger die administrative Leitung übernommen hat. Zuvor war beides in Thomas Schnellbachs Hand gewesen. Doch die bürokratische Last sei über die Jahre gestiegen, sodass Unterstützung notwendig geworden sei.

Seit Juni kümmert sich deshalb Agnes Feuersänger um die Papierberge, die beim Betrieb der Musikschule entstehen. Thomas Schnellbach widmet sich seither ausschließlich um die Pädagogik. Seit einigen Jahren sind die Musikräume außerdem auf das Alte Schulhaus und das Bürgerhaus aufgeteilt. Es hat sein müssen: Weil der Brandschutz im Alten Schulhaus nicht mehr gewährleistet gewesen ist.

Mit Lehrenden sei die Schule gut aufgestellt, lediglich im Bereich des tiefen Blechs wie Posaune und Tuba sei die Musikschule auf der Suche. Der Landesverband sieht vor allem im Bereich der Elementaren Musikpädagogik Probleme: In den nächsten zehn Jahren würden dort rund 500 Stellen frei. Auch bei Blech- und Holzblasinstrumenten, ebenso wie Blockflöte und Gitarre gebe es einen gravierenden Fachkräftemangel, der sich auf immer mehr Instrumente ausdehne, weiß Ingo Sadewasser.

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