Musikschulkongress in Stuttgart Musikschulen setzen ein Signal

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Drei Tage lang geht es beim Musikschulkongress um die neuesten pädagogischen Trends, um Digitalisierung und darum, wie sich Musikschulen in der kommunalen Bildungslandschaft vernetzen können.An zwölf Orten gibt es für Musikfreunde was auf die Ohren.

Trmmelwirbel: Junge Talente der Stuttgarter Musikschule  zu Gast im Olgäle Foto: factum/Weise
Trmmelwirbel: Junge Talente der Stuttgarter Musikschule zu Gast im Olgäle Foto: factum/Weise

Stuttgart - Wie gelingt es, dass mehr Kinder als bisher den Zugang zur Musik finden, zu einem Instrument, und dabei neue Talente entdecken? Wie können sich Musikschulen in der kommunalen Bildungslandschaft vernetzen? Welche Rolle hat dabei die Digitalisierung? Und welche Forderungen gibt es an die Politik? Um solche Themen dreht sich der bundesweite Musikschulkongress vom 19. bis 21. Mai in Stuttgart. Erwartet werden Musikpädagogen aus 950 Musikschulen. Flankiert wird der Kongress von zahlreichen öffentlichen Konzerten.

Den Auftakt macht gleich am Freitag um 20 Uhr im Beethovensaal ein gemeinsames Konzert der Stuttgarter Philharmoniker mit jungen Solisten aus Musikschulen und dem Orchester der Stuttgarter Musikschule. Auf dem Programm stehen Mozart, Tschaikowsky und Rachmaninow.

Musikschulen als zentraler Integrationsfaktor

Das Motto des Kongresses heißt „Mensch.Netz.Musik – Musikschule mittendrin!“ Das passe bestens, meinte die Stuttgarter Kulturamtsleiterin Birgit Schneider-Bönninger bei der Vorstellung des Programms: „Musikschulen sind sehr vom digitalen Wandel betroffen.“ So seien Musik-Apps als Begleitmittel zum eigentlichen Musikunterricht hilfreich. Allerdings habe Musik in dieser technologischen Welt eine besondere Bedeutung, betonte sie. „Wir brauchen keine Roboter, die Trompete spielen, sondern Kinder, die ihre Talente entdecken.“ Und noch viel mehr. „Musikschulen sind in heutiger Zeit ein zentraler Integrationsfaktor“, sagte die Amtsleiterin – „und die soziokulturelle Hefe dieser Stadtgesellschaft“.

„Wir wollen, dass Musikschulen Lieblingsorte der Kinder und Jugendlichen sind“, ergänzte Ulrich Rademacher, der Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Musikschulen. Besonders groß ist der Zulauf in Baden-Württemberg. Mit fast 300 000 Schülern sei dies der größte Landesverband, sagte dessen Vorsitzender Matthias Hinderberger. Man kooperiere mit Schulen und Kitas, aber auch mit Seniorenheimen und arbeite auch in der Erwachsenenbildung.

Verbandsvorsitzender verlangt Entlastung der Eltern

Aber im Vordergrund stehen natürlich die Kinder. Und für deren Förderung müsse sich das Land stärker einsetzen, verlangt Hinderberger. „Wir fordern jetzt eine Erhöhung der Personalkostenzuschüsse von zehn auf 15 Prozent.“ Eigentlich strebe man eine Drittelung bei der Finanzierung an. Doch im Schnitt trügen die Eltern 50 bis 70 Prozent dieser Kosten. Das bedeute bis zu 1200 Euro im Jahr an reiner Unterrichtsgebühr für eine Dreiviertelstunde pro Woche – „die Eltern müssen entlastet werden“, fordert Hinderberger. In Stuttgart zahlten die Stadt 50, die Eltern 40 und das Land 10 Prozent. Doch längst nicht alle Kinder, die gern ein Instrument lernen wollen, kommen zum Zug. „Es gibt nahezu an allen Musikschulen Wartelisten“, so Rademacher. Es fehle aber nicht am Personal, sondern am Geld.

Auf Nachbesserung hofft Hinderberger auch bei der Honorierung der Musikpädagogen als außerschulische Partner in den Ganztagsschulen. „Das kann nicht die Aufgabe von Kommunen sein.“ Hinzu komme, dass an den Grundschulen qualifizierte Musiklehrer fehlten. Der Kongress wird versuchen, Signale zu setzen. Nicht nur politisch, sondern auch klanglich. „Wir versuchen, die Praxis erlebbar zu machen“, so der Stuttgarter Musikschulchef Friedrich-Koh Dolge.

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