Musiktradition in Renningen „Ich bin dabei geblieben“ – wie Klaus Marohn den Harmonika-Club prägt

Klaus Marohn hat den Vorsitz des Harmonika-Clubs Renningen abgegeben. Als Spieler bleibt er dem Verein treu. Foto: Simon Granville

Klaus Marohn übergibt den Vorsitz des Renninger Harmonika-Clubs nach drei Jahrzehnten an ein junges Frauenteam. Musikalisch bleibt er dem Verein treu.

Es ist ein ziemlich schweres Instrument, das Klaus Marohn schon fast sein ganzes Leben lang spielt. Sein Akkordeon wiegt an die 15 Kilogramm. Und trotz dieses Gewichts spielen es mehr Frauen als Männer, hat der Hobbymusiker beobachtet. Er weiß, wovon er spricht, war er doch 30 Jahre lang Vorsitzender des Harmonika-Clubs Renningen, davor sieben Jahre Vizevorsitzender.

 

Zwar wohnt Klaus Marohn seit einigen Jahren in Heimsheim, ist aber in Renningen aufgewachsen und unverändert eng mit seiner Heimatstadt verbunden. Zu dem im Volksmund auch Schifferklavier oder Ziehharmonika genannten Musikinstrument ist er bereits als Neunjähriger gekommen. Sein Vater hatte viele Jahre Harmonika gespielt, der Onkel auch, und die Cousine ist zur gleichen Zeit in den schon 1932 gegründeten Club eingestiegen wie Klaus Marohn. So war es für den Bub damals selbstverständlich, dort auch mitzumachen. „Ich habe meine Karriere als Akkordeonspieler in Renningen begonnen und bin dabei geblieben“, erzählt er. Bei der Hauptversammlung des Vereins Ende April wurde er für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Als Kind musste Klaus Marohn nicht gleich das Gewicht des großen Akkordeons stemmen, das mit seinen schwarz-weißen Tasten aussieht wie ein tragbares Klavier und auch eine ähnliche Tonfolge hat. Er bekam ein kleineres und leichteres Leihinstrument mit weniger Tasten. „Erst Jahre später, als Jugendlicher, steigt man dann auf das große Gerät um“, erzählt er. Was macht für Jugendliche den Reiz dieses Instruments aus, das mancher mit Musik aus den Bergen oder vom Meer verbindet? „Tatsächlich spielt man meistens Titel, die für Orchester geschrieben sind, und das in mehreren Stimmen“, erzählt Klaus Marohn. Er selbst spielt die dritte Stimme. Der Dirigent, aktuell ist es Viktor Oswald, lege großen Wert darauf, das gesamte musikalische Spektrum abzubilden, bis hin zu klassischer Musik. „Es war selbstverständlich, dass man das spielt, was der Dirigent vorgibt“, erinnert er sich.

Ein Preis beim Bundeswettbewerb begeistert noch immer

Und dann gab es auch verschiedene Wettbewerbe, die gerade für junge Orchester-Musikerinnen und -Musiker ein großer Ansporn waren, dabei zu bleiben. „Das hat großen Spaß gemacht, weil gerade die Renninger ziemlich gut waren“, sagt Marohn. „Wir waren in den 1970er Jahren mal in Bonn beim Bundeswettbewerb und haben den 2. Preis geholt“, erzählt Klaus Marohn mit Begeisterung. Noch immer habe die Akkordeon-Musik viele begeisterte Anhänger.

Die Hohner Morino von Klaus Marohn hat 41 Tasten und 120 Knöpfe. Foto: Simon Granville

Im März fand das Frühjahrskonzert der Orchester des Harmonika-Clubs unter dem Motto „Meer und Mehr“ in der Stegwiesenhalle statt. Auf dem Programm stand unter anderem Musik aus den Filmen „Das Boot“ und „Pirates of the Caribbean“. Klaus Marohn: „Der Besucherandrang war so groß, dass wir nachbestuhlen mussten.“

Die musikalische Gemeinschaft ist das Besondere in Renningen

Wenn Klaus Marohn zurückblickt auf seinen Harmonika-Club, dann ist es die musikalische Gemeinschaft mit vielen anderen Akkordeonspielern, die den Reiz ausmache. „Ich habe nie gedacht, dass ich gerne mal etwas anderes machen möchte“, antwortet er auf eine entsprechende Frage. Akkordeon ist und bleibe sein Instrument. Mit seiner Hohner Morino, die 41 Tasten und 120 Knöpfe hat, will er dem Verein musikalisch treu bleiben.

Was er jetzt aber nicht mehr macht, ist die Arbeit im Vorstand. „Nach 30 Jahren war mir ein Generationenwechsel wichtig.“ Er selbst wurde 1996 vom damaligen Vereinsvorsitzenden Alfred Schaible – der im Ort bekannte Kommunalpolitiker hatte 36 Jahre den Verein geleitet – vorgeschlagen. „Wir sind mit dem Kultur- und Sportamt der Stadt Renningen als unser Ansprechpartner immer gut zurechtgekommen“, sagt Marohn. Als Vorsitzender müsse man sich im Ort bekanntmachen, damit der Verein nicht übersehen werde.

Der Wechsel im Vorstandsteam wurde lange vorbereitet

Klaus Marohn und seine Vorstandskolleginnen und -kollegen haben den Wechsel an der Spitze des 92 Mitglieder zählenden Vereins intensiv vorbereitet. „Wir haben alle Aufgaben beleuchtet und überlegt, wie sie eventuell neu verteilt werden können“, erzählt er. Zur Vorsitzenden wählten die Mitglieder Nadja Zenner-Gunst, zweite Vorsitzende bleibt Daniela Elter. Als Team wollen sie den Harmonika-Club in die Zukunft führen.

Eine feste Größe im Verein ist auch der langjährige Dirigent Viktor Oswald. Er leitet nicht nur das Jugendorchester und das 1. Orchester, sondern bildet auch die Vereinsjugendlichen aus und unterrichtet zudem die Spielgruppe der Renninger Grundschule im Rahmen der Kooperation Schule-Verein. In der Melodica-AG lernen die Kinder nach dem Schulunterricht das Spielen auf diesem Blasinstrument, das Tasten wie ein Akkordeon hat. „Das ist für Kinder ein niederschwelliger Einstieg auch in das Akkordeon“, sagt Klaus Marohn, und so manches neue Vereinsmitglied könne auf diese Weise gewonnen werden. Rund ein Drittel der Vereinsmitglieder sind Kinder und Jugendliche.

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