Musikverein Baltmannsweiler in Corona-Zeiten „Es liegt alles brach“ – Pandemie setzt dem Musikverein schwer zu

Die jungen Blasmusikerinnen Louisa Wolf, Julia Roith, Elisabeth Kotzam und Dirigentin Susanne Scherhaufer (von links) haben einen großen Wunsch: Rasch wieder gemeinsam musizieren. Foto: Thomas Krytzner

Im vergangenen Jahr haben der Musikverein Baltmannsweiler und das Jugendorchester noch ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Doch mit dem Lockdown wurde es still in der Schurwaldgemeinde.

Baltmannsweiler - Vor einem Jahr feierten der Musikverein und das Jugendorchester den Festakt zum 100-jährigen Bestehen ihres Vereins. Danach kam der Lockdown und es wurde still in der Schurwaldgemeinde. Für sämtliche Vereine ist das runtergefahrene Leben im Dorf ein Problem. Dies zeigt sich besonders an den schwindenden Mitgliederzahlen. „Vor dem Lockdown hatten wir noch 80 Musikschüler in unseren Reihen, jetzt sind es gerade mal noch 40“, bedauert Herbert Schrag, Finanzchef des Musikvereins Baltmannsweiler. „Gerade die jungen Blasmusiker brauchen den Zusammenhalt und das gemeinsame Musizieren.“ Den Nachwuchs in den Vereinen treffen die Kontaktbeschränkungen besonders, wie Musikschülerin Louisa Wolf berichtet: „Uns wurde die Jugendprobe verboten, das heißt, wir durften unsere Kameraden nicht mehr treffen.“

 

Luisa spielt Saxofon. Das gemeinsame Spiel im Jugendorchester macht ihr Spaß. „Jetzt fühle ich mich allein, es ist eine seltsame Zeit“, sagt sie. Derzeit übt sie noch mit ihrem Saxofon, weil es einmal pro Woche digitalen Einzelunterricht gibt. Aber dieser läuft eher schlecht als recht. „Das Saxofon ist ein lautes Instrument und wenn ich vor dem Bildschirm spiele und der Musiklehrer was sagt, höre ich das über die Bildschirme kaum.“ Sie übt weniger seit Corona, weil einfach die Lust fehle, wenn man ständig allein spielen muss. Luisa Wolfs Wunsch ist, rasch wieder gemeinsam üben zu können und vor allem die Vereinskameraden wieder live zu sehen.

Saxofonistin vergeht die Lust am Üben

Julia Roith spielt ebenfalls Saxofon im Jugendorchester. Vom Onlineunterricht ist sie genervt. „Am Anfang stürzte das System oft ab und man hört einfach den Lehrer nicht, wenn dieser was zu bemängeln hat oder loben will.“ Die Lust am Üben ist der jungen Blasmusikerin gehörig vergangen. Sie braucht die Bühne: „Man weiß gar nicht mehr, wofür man übt, wenn es ja keine Auftritte mehr gibt.“ Julia vermisst vor allem das Vereinsleben.

Für die Leiterin des Jugendorchesters, Elisabeth Kotzam, stand mit Beginn des ersten Lockdowns die Zeit still. „Bei uns herrscht Stillstand. Das Planen drumherum fiel komplett weg, es gab keine gemeinsame Probewochenenden mehr und das jährliche Musikfest fiel aus. Seit Corona liegt alles brach.“

Vor allem mit der Planungsunsicherheit hatte Elisabeth Kotzam zu kämpfen, doch „wir haben die stille Zeit als Verein genutzt, um neue Ideen zu sammeln.“ Sie betont, dass Corona das ganze Leben bestimmt. „Diese Machtlosigkeit macht mürbe. Man hat keine Optionen und viele eigene Entscheidungen im Leben fallen weg.“ Sie wünscht sich, dass im Dorf bald wieder Blasmusik ertönt und sich die Menschen wieder bei fröhlichen Festen treffen können.

Online-Unterricht ist schwierig

Keinen optimalen Start ins Musikjahr erlebte die Dirigentin des Jugendorchesters, Susanne Scherhaufer. „Im Februar 2020 übernahm ich die musikalische Leitung der Jungmusiker und war beim letzten Konzert vor dem Lockdown im März 2020 dabei.“ Danach war erst mal Schluss. „Als erste Lockerungen kamen und sich Kleingruppen zum Musizieren treffen durften, haben wir in gemischten Fünfergruppen leichte Stück geprobt – draußen und mit zwei Metern Abstand.“ Zu der Zeit lag die Hoffnung der Jungmusiker noch auf dem ersten gemeinsamen Konzert im Dezember des vergangenen Jahres, aber auch dieses musste ausfallen. „Wir konnten zwar bis Oktober 2020 in diesen kleinen Gruppen proben, aber uns war schnell klar, dass es viel zu wenig war.“

Online-Unterricht in Gruppen ist aus technischen Gründen, beispielsweise wegen der Verzögerung bei der Übertragung, kaum möglich. „Im Blasmusikverband Baden-Württemberg wird aber an einer Online-Lösung gearbeitet“, sagt Susanne Scherhaufer. Vor allem soll Theorieunterricht als Prüfungsvorbereitung für die Musikschüler angeboten werden. Die Dirigentin befürchtet aber, dass es für die Blasmusiker nicht so leicht wird, das Niveau zu erhalten. Auch der Mitgliederschwund bereitet ihr Sorgen: „Wir können den Schülern ja momentan nichts bieten, um sie für ein Instrument zu begeistern.“ Wenn der persönliche Einzelunterricht wieder gestattet wird, hat sie ein Rezept: „Einfach mal spielen lassen.“ Indes hofft sie auf Perspektiven oder besser gesagt auf einen Neuanfang im Musikerleben: „Egal was, aber dass eben wieder was stattfinden kann.“

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