Musikverein Friolzheim Vom Fanfarenzug zum Blasorchester

Von Kathrin Klette 

Der Musikverein feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert am Wochenende.

Von der Flöte bis zum Saxophon: Der Musikverein Friolzheim hat sich ganz der Blasmusik verschrieben. Foto: privat
Von der Flöte bis zum Saxophon: Der Musikverein Friolzheim hat sich ganz der Blasmusik verschrieben. Foto: privat

Friolzheim - Seit 2012 existiert der Musikverein Friolzheim. Ein bisschen jung für eine große Jubiläumsfeier, oder? Eben nicht. Tatsächlich existiert der Verein schon sehr viel länger, genauer: 50 Jahre. Nur trug er über die Jahre unterschiedliche Namen, die Benennung in Musikverein Friolzheim erfolgte vor sechs Jahren. Auch die Zusammensetzung und das Repertoire haben sich seit den Anfängen stark gewandelt. Eines aber ist geblieben: Die Freude am Musizieren. Am Samstag zelebrieren die Musiker ihr großes Jubiläum mit einem Konzert in der Festhalle.

Einer, der von Anfang an dabei ist, ist der Vorsitzende Rudi Hettich. Damals war er 14 Jahre alt. „Die Gründung kam ursprünglich über den damaligen Bürgermeister Walter Rehm zustande“, erinnert er sich. Denn zwar gab es im Ort schon den Liederkranz, bei mehreren bestand jedoch der Wunsch nach einem instrumentalen Verein. „Der Bürgermeister hat deshalb alle Beteiligten an einen Tisch geholt und das angeleiert.“ So entstand 1968 schließlich der Fanfarenzug Friolzheim mit 14 Gründungsmitgliedern.

Seit den Siebzigern sind auch Mädchen dabei

Die Zahlen schossen bald ziemlich in die Höhe. „1971 hatten wir ein erstes Fanfarentreffen, um neue Mitglieder zu gewinnen“, erzählt Hettich. Es ging nicht nur darum, fertige Musiker zu finden, sondern auch junge Menschen, die die Instrumente erst noch erlernen wollten. Das hat der Verein bis heute beibehalten und unterrichtet weiterhin vielerlei Blasinstrumente. „Wir hatten nach dem Treffen einen Zuwachs auf 57 Aktive.“ Aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar: Als sich auf den Aufruf hin auch 15 Mädchen meldeten, die mitmachen wollten, musste das erst im Vorstand ausführlich diskutiert werden. Vorher war es nämlich nicht üblich, dass Frauen zum Fanfarenzug gehörten. „Das war eben eine andere Zeit.“ Diskussionsbedarf bestand vor allem bei den älteren Mitgliedern, erinnert sich Hettich. Für ihn als damals 16-jährigen war das schon kein Thema mehr.

Am Ende durften die jungen Damen mit einsteigen. „Und das hat gut funktioniert.“ Doch das war nicht die einzige Veränderung, die der Fanfarenzug in den Siebzigern erlebte. 1975 erfolgte die Umbenennung in Fanfarencorps. Um die gleiche Zeit kamen auch immer mehr modernere Instrumente hinzu. Ein klassischer Fanfarenzug besteht nämlich aus einer sehr eingeschränkten Auswahl an Instrumenten wie beispielsweise den langen schmalen Naturtrompeten ohne Ventile. Der Bedarf bestand aber nach vielseitigeren Blasinstrumenten. Irgendwann verschwand die „Fanfare“ dann sogar aus dem Titel. 1986 wurde aus dem Fanfarencorps der Musikcorps – und aus dem 2012 schließlich der Musikverein. Das hatte schlicht praktikable Gründe, da mit dem Begriff „Corps“ die Menschen nicht mehr viel anfangen können, so Hettich.

Nachwuchssuche ist nicht einfach

Heute zählt der Verein 20 Mitglieder. Mit der Schwierigkeit, Nachwuchs zu finden, ist der Musikverein nicht allein. „Wir versuchen immer, neue Wege zu ergründen, um neue Leute für uns zu gewinnen.“ Die Kooperation mit der Schule habe bislang leider nicht den erhofften Erfolg gebracht. „Aber wir werfen die Flinte nicht ins Korn und bleiben dran“, sagt Rudi Hettich. Immerhin sei es nicht nur die musikalische Seite, die das Leben im Verein so schön und auch wichtig macht, sondern ebenso die soziale Komponente.

Unvergessliche Erlebnisse inklusive: Die Feste zum 25- und 40-jährigen Bestehen gehören zu Rudi Hettichs persönlichen Höhepunkten. Etwas ganz Besonderes ist für ihn außerdem das Bockbierfest des Musikvereins. Denn das blickt noch nicht auf eine lange Tradition zurück, sondern entstand auf die Initiative einiger jüngerer Mitglieder hin erst 2011. „Aber das hat so richtig eingeschlagen, es ist nach dem Jahreswechsel das erste große Fest in Friolzheim.“

Etwas länger zurück liegt eines der größten Highlights, an die sich Rudi Hettich erinnern kann. 1976 machte sich der Verein auf zu einer Konzertreise in die USA, zur 200-Jahr-Feier: Zwei Wochen auf Tour mit Teilnahme an Auftritten, Umzügen und Paraden. „Das war ein einmaliges Erlebnis für alle Beteiligten.“

Termin
Der Musikverein Friolzheim lädt für Samstag, 10. November, um 19.30 Uhr in die Festhalle Friolzheim zu seinem Jubiläumskonzert ein. „Einladen“ ist dabei wörtlich zu nehmen, denn der Eintritt ist frei.

Programm
Die Musiker haben einen Mix aus bekannten und neuen Stücken vorbereitet. Der erste Teil des Abends gehört der Vergangenheit. Das Blasorchester wirft einen Blick zurück und begibt sich auf eine musikalische Reise durch 50 Jahre Vereinsgeschichte. Alle Stücke werden mit historischen Bildern des Vereins hinterlegt, und es erklingen sogar Stücke in traditioneller Fanfaren-Besetzung. Im zweiten Teil des Abends werden die Friolzheimer zusammen mit ihren Tiefenbronner Musikfreunden die modernen Musikstücke vortragen und ebenso einige Solo-Einlagen präsentieren.