Muslime in Stuttgart Auf der Suche nach einem Gebetsraum in der City

Der Andachtsraum am Flughafen Stuttgart steht für Angehörige aller Konfessionen offen. Foto: Michael Steinert
Der Andachtsraum am Flughafen Stuttgart steht für Angehörige aller Konfessionen offen. Foto: Michael Steinert

Erstmals wollen sich mehrere Moscheegemeinden, die sonst getrennt voneinander agieren, für ein Gemeinschaftsprojekt in der Innenstadt zusammentun. Auf der Suche nach einem geeigneten Gebetsraum für Muslime offenbaren sich die Probleme des Vorhabens.

Lokales: Mathias Bury (ury)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Etwa zehn Prozent der Einwohner Stuttgarts sind Muslime. Wer von diesen seinen Glauben tagtäglich praktizieren will, ist in einer nicht ganz einfachen Lage. Die meisten Moscheegemeinden liegen eher an der Peripherie, in der Innenstadt finden sich keine angemessenen Räume, um Gebete zu verrichten. Deshalb wollen sich mehrere Gemeinden zusammentun, um hier Abhilfe zu schaffen. Ein nicht ganz einfaches Vorhaben.

Rund 60 000 bekennende Muslime aus mehr als 50 Ländern leben in der Landeshauptstadt, das hat das Statistische Amt der Stadt im Jahr 2009 ermittelt. Etwa die Hälfte von diesen ist türkischer Herkunft, gefolgt von Menschen aus Bosnien, aus arabischen Ländern und aus Afrika. Und es gibt rund 30 Moscheegemeinden und Gebetsgruppen, in denen die Stuttgarter Muslime ihren Glauben praktizieren.

Gebetsräume bisher eher an der Peripherie

Nur liegen diese meist wenig repräsentativen Einrichtungen, die sich zumeist nach den Herkunftsländern der Mitglieder gliedern, eher in den Außenbezirken der Stadt. In der City aber, wo viele Muslime arbeiten, studieren oder einfach einkaufen und mit Behördengängen beschäftigt sind, gibt es keine Möglichkeit, in einem passenden Rahmen die Gebete zu sprechen, zu denen Muslime nach dem Koran fünfmal am Tag angehalten sind.

Um hier eine Verbesserung zu erreichen, ist in dem von der städtischen Integrationsabteilung moderierten Arbeitskreis Muslime und Integration, an dem acht größere Moscheegemeinden teilnehmen, die Idee aufgekommen, einen gemeinsamen Gebetsraum in der City zu schaffen.

Muslime sehen großen Bedarf

„Der Bedarf ist riesig“, sagt Enes Begovic von der bosnischen Moscheegemeinde in Wangen, der in dem Arbeitskreis vertreten ist. Wer etwa das wichtige Mittagsgebet vollziehen wolle, müsse sich in der City heute irgendeine dunkle Ecke suchen, oder er störe andere damit vielleicht, weil er für diese sichtbar sei. Die Gläubigen aber wollten nicht auffallen und suchten Ruhe.

Am Stuttgarter Flughafen gibt es einen solchen Andachtsraum für Passagiere oder Mitarbeiter bereits, allerdings nicht nur für Muslime, sondern für Vertreter aller Konfessionen. In der Innenstadt ist die Lage freilich etwas anders. Dort finden Menschen christlichen Glaubens mehrere Kirchen zur inneren Einkehr, Muslime aber keine vergleichbare Einrichtung.

Konkretere Planungen im Herbst

Enes Begovic ist zuversichtlich, dass aus dem Projekt etwas wird. Zusammen mit Elvir Ibrahimovic, der ebenfalls zur Moscheegemeinde in Wangen gehört, hat der 52 Jahre alte Bauingenieur von dem Arbeitskreis den Auftrag erhalten, mit den Moscheegemeinden nochmals genau den Bedarf und die Rahmenbedingungen für das Projekt zu klären. Im Herbst sollen dann zusammen mit der Stadt die weiteren Schritte besprochen werden.

Klar ist aber jetzt schon, dass es nicht ganz einfach werden und Ausdauer benötigen wird, in der City geeignete Räume zu finden. Nach einer Anfrage beim Liegenschaftsamt der Stadt sei man im ersten Suchlauf „noch nicht fündig geworden“, sagt Levent Günes von der Integrationsabteilung der Stadt, der den Arbeitskreis der Moscheegemeinden begleitet. Günes geht davon aus, dass eine Fläche von 200 bis 300 Quadratmetern nötig sein wird, um einen nach Geschlechtern getrennten Gebetsbereich mit einem Raum für die rituellen Waschungen einrichten zu können.

Wichtiges Signal der Anerkennung

Die beteiligten Moscheegemeinden hoffen, dass sie ans Ziel gelangen, wenn sie dabei von der Stadt unterstützt werden, womit keine finanzielle Hilfe gemeint ist. Das Besondere an dem Projekt ist, dass sich mehrere Gemeinden, die sonst stets getrennt nach ethnisch-religiösen Gesichtspunkten handeln, für das Vorhaben zusammentun wollen. Wenn dies gelingt, sagt Enes Begovic, wäre dies gerade für die jüngere Generation von Muslimen ein wichtiges Signal gesellschaftlicher Anerkennung.




Unsere Empfehlung für Sie