Herr Ünal, haben Sie die erste Niederlage seit vergangenem September über Ostern gut verarbeitet?
Ja, natürlich. Es war seit langer Zeit mal wieder ein schlechtes Spiel von uns. Leider konnten wir den Matchplan an diesem Tag nicht so umsetzten, wie wir es uns vorgenommen haben, und ich denke, alle im Stadion sind von einem klaren Ergebnis ausgegangen und waren dann natürlich sehr enttäuscht. Wir haben im Nachgang wie immer eine umfassende Analyse gemacht und alles gemeinsam aufgearbeitet. Von daher: Keiner verliert gerne, aber vielleicht schärft dieses 0:1 gegen den FSV Hollenbach noch einmal die Sinne und erdet wieder alle. Das ist wichtig, um die anstehenden Aufgaben voll fokussiert anzugehen.
„Wir sind sehr gefestigt“
Bei den Blauen passierten schon die verrücktesten Dinge. Befürchten Sie, dass jetzt noch das große Zittern beginnt?
Wir nehmen nichts auf die leichte Schulter und sind weit davon entfernt, zu sicher oder gar überheblich zu sein. Wir sind vielmehr einsichtig und wissen, dass wir gegen Hollenbach einen schlechten Tag erwischten. Das steht der Mannschaft nach solch einer Serie aber auch mal zu, aber sie muss daraus lernen. Lernen, dass es wichtig ist, die Dinge genau so umzusetzen, wie sie besprochen wurden. Wir sind sehr gefestigt, haben einen Vorsprung von sieben Punkten und wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen, um unsere Saisonziele zu erreichen.
Wie wichtig ist eine Reaktion an diesem Freitag bei der Sport-Union Neckarsulm?
Es kommt die Endphase der Saison, da ist natürlich jeder Punkt wichtig. Wir wollen zeigen, dass die jüngste Niederlage ein Ausrutscher war. Wir wollen am Freitag, auf einem sicher schwer bespielbaren Platz, keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern acht Spiele vor Schluss möglichst eine neue Serie starten. Das ist unser Ziel.
Zumal Verfolger SG Sonnenhof Großaspach nicht lockerlässt.
Wir haben alles in der eigenen Hand, aber klar, auch die SG hat eine gierige Mannschaft mit guten Charakteren und spielt wie wir eine tolle Runde. Das zeigt allein schon ihr Vorsprung von 14 Punkten auf den dritten Platz.
Gegen Hollenbach wurde ein Stürmertyp wie David Braig vermisst. Wann kehrt er zurück?
Er trainiert nach seiner Schambeinentzündung wieder mit der Mannschaft mit. David ist auf dem Sprung in den Kader, und diese Alternative brauchen wir auch dringend. Solange man gewinnt, fällt es oft den meisten nicht auf, wenn wichtige Spieler fehlen. Wir sind als Trainerteam sehr glücklich, nun wieder alle Mann – bis auf Marian Riedinger – an Bord zu haben.
„Zaga will immer kicken“
Denis Zagaria gehörte vor der Winterpause als unumstrittene Stammkraft zum Prunkstück Innenverteidigung. Dann war er verletzt und spielte nach seiner Genesung nicht gleich wieder. Hat er die falsche Reaktion im Training gezeigt, oder warum kommt er nicht mehr rein?
Zaga ist ein emotionaler Typ, ein Fußballer mit Leib und Seele, der immer kicken will. Wenn das mal nicht der Fall ist, trifft das so einen Spieler besonders hart. Aber wir wissen, was wir an ihm haben.
Wie hat Ramon Castellucci reagiert, als Sie sich für Maximilian Otto zwischen den Pfosten entschieden haben?
Er hat nicht Hurra geschrien, aber er hat sachlich und professionell reagiert und gefragt, woran er arbeiten soll. Das zeigt, was für ein Sportsmann er ist.
Bleibt Otto bis Saisonende im Tor?
Ob er bis Saisonende im Tor bleibt, weiß ich nicht. Wir haben uns nicht auf eine klare Nummer eins festgelegt. Maxi hat eine tolle Vorbereitung gespielt, und als er die Chance bekommen hat, hat er seine Sache hervorragend gemacht. Eine einfache Entscheidung war das nicht, wir haben das im Trainerteam gründlich besprochen und uns dazu entschieden, dass Maxi Otto erst mal im Tor bleibt.
Etablierte Spieler auf der Bank oder der Tribüne – sorgt das nicht für Unruhe?
Nein, weil wir mit den Spielern sprechen und ihnen gegenüber ehrlich und direkt sind. Die Spieler wissen, woran sie sind, was notwendig ist und gemacht werden muss, um zu spielen. Und wir brauchen definitiv alle, um unser Ziel zu erreichen. Diesem Ziel ordnen sich alle unter.
Aus dem aktuellen Kader laufen am Saisonende die Verträge von Otto, Luigi Campagna und Ivo Colic aus. Wollen Sie alle halten?
Ich weiß, was diese Spieler für die Mannschaft leisten und wie wichtig sie auch für die Kabine sind, daher sind wir natürlich sehr froh, diese Jungs bei uns zu haben.
„Obi verbreitet nie schlechte Laune“
Ohne Einzelne aus der Mannschaft infrage zu stellen, müssen Sie doch aber auch Spieler abgeben, um Platz zu schaffen für Neuzugänge?
Das stimmt natürlich. Wir werden das in Ruhe mit den Beteiligten besprechen. Es kann ja auch sein, dass ein Spieler von sich aus weg will, da er nicht wie gewünscht zum Zug kommt oder eben ein Angebot aus höheren Ligen bekommt und dies machen möchte.
Wie sehen Sie die Zukunft von Markus Obernosterer, den immer wieder Verletzungen zurückwerfen, der aber noch einen Vertrag bis 2024 besitzt?
Wenn Obi fit ist, gibt er Gas im Training, er verbreitet auch nie schlechte Laune. Aber klar werden wir auch seine Situation intern besprechen.
Ein Stürmer, ein torgefährlicher und ein groß gewachsener Mittelfeldspieler sollen ganz oben auf der Wunschliste stehen. Können Sie das bestätigen?
Dass schon vor der laufenden Saison ein Ersatz von Mijo Tunjic ein Thema war, ist hinlänglich bekannt. Genauso, dass uns Körpergröße guttun würde, damit wir noch präsenter in diesem Bereich werden und noch mehr dagegenhalten können.
Nicht nur ein Spieler des SGV Freiberg wird in Degerloch gehandelt. Es heißt, Ruben Reisig, Christian Mauersberger und vor allem der Ex-VfB-II-Spieler David Tomic wären heiße Kandidaten.
Das sind alles interessante Spieler. Es gibt aber nicht nur in Freiberg interessante Spieler. Wir wollen uns punktuell verstärken, aber mit Sicherheit unser Grundgerüst behalten. Alles andere wäre kontraproduktiv.
Der Teilzeitlehrer
Karriere
Mustafa Ünal wurde am 7. September 1983 in Laichingen geboren und wuchs in Wiesensteig (Kreis Göppingen) auf. Er spielte beim TSV Bad Boll und beim TSV Obere Fils und war dort auch Jugendtrainer. Von 2013 bis 2017 trainierte er Nachwuchsteams beim SSV Ulm 1846, ehe er ins Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Kickers wechselte. Dort führte er in der Saison 2020/21 die U 19 in die Bundesliga. Seit dem 27. September 2021 trainiert er als Chefcoach die Oberliga-Mannschaft. Sein Vertrag läuft bis 2025.
Persönliches
Ünal ist Lehrer an der Körschtalschule Plieningen für die Fächer Informatik, Wirtschaftslehre, Sport und Technik. Er unterrichtet an dieser Gemeinschaftsschule an dreieinhalb Tagen 16 Stunden in der Woche. Er wohnt mit seiner Familie in Birkach, ist verheiratet mit Esra. Das Paar hat zwei Söhne – Ömer (drei Jahre) und Mert (ein Jahr). (jüf)