Sofie spielt gerne, kann interagieren und sucht Kontakt zu anderen. Foto: privat
Die fünfjährige Sofie lebt seit vier Jahren in einer Wohngruppe der Diakonie Stetten. Das Mädchen ist schwer mehrfach behindert. Doch dank intensiver Förderung macht sie trotzdem immer mehr Fortschritte und konnte jetzt sogar umziehen.
Ihr Start war alles andere als leicht – Sofie, deren Nachname nicht in der Zeitung stehen soll, kam als Frühchen zu Welt. Und auch danach war für das Mädchen schnell klar, dass es zeitlebens wird kämpfen müssen. Und das tat Sofie auch, und zwar mit großem Erfolg: Seit mittlerweile vier Jahren lebt das schwer mehrfach behinderte Kind in einer Wohngruppe der Diakonie Stetten.
Die Fünfjährige ließ sich dabei von den Widrigkeiten des Lebens nicht ausbremsen, sondern sagte ihnen den Kampf an und machte dank intensiver Förderung große Fortschritte in ihrer Entwicklung. So große, dass sie nun von der Kindergruppe im Wildermuthhaus (KiWi) in eine Wohngruppe des Kinder- und Jugendbereichs umziehen konnte. „Sie macht sehr viel im Bereich Ergo- und Physiotherapie, und es ist unglaublich, was sie trotz ihres schweren Schicksals schon alles erreicht hat“, sagt Hannah Kaltarar, stellvertretende Pressesprecherin der Diakonie Stetten.
Die „KiWi“-Gruppe ist für Kinder, die vollständig auf Hilfe angewiesen sind
Die „KiWi“-Gruppe, in der Sofie lebt, ist für Kinder, die vollständig auf Hilfe angewiesen sind. Dort erhalten Kinder und Jugendliche mit schweren und mehrfachen Behinderungen einen geschützten Raum, persönliche Pflegekräfte als feste Bezugspersonen, eine Tagesstruktur und gezielte Förderungen sowie eine 24-Stunden-Versorgung und Betreuung. Die Mitarbeitenden sind für die derzeit zehn Kinder Pflegekraft, Therapeut und Familie in einem, heißt es auf der Homepage der Diakonie Stetten. Diese gehöre zu den wenigen Trägern in der Region, die Kinder und Jugendliche mit mehrfachen Behinderungen in Vollzeit aufnimmt.
Sofie empfängt Besucher im Rollstuhl
Wer Sofie in der Wohngruppe des Kinder- und Jugendbereichs besucht, der wird von einem Mädchen im Rollstuhl in Empfang genommen. Mit diesem fährt sie selbstständig in der Wohnung umher und spricht einzelne Wörter. Mit einem etwas unklaren, aber unüberhörbaren „Hallo“ grüßt die fünfjährige Sofie, die mit Mitarbeiterin Tessa Klündergerade im großen Wohn- und Essbereich spielt. Das Mädchen mit den glänzenden hellbraunen Augen und bunten Clips in den braunen Haaren robbt von Spielzeug zu Spielzeug und schaut sich jedes einzelne interessiert an.
Sofie kam zu früh zur Welt, mit Wasser im Gehirn und einer starken Fußfehlstellung. Mehrmals wurde sie operiert, wochenlang war sie eingegipst und konnte sich kaum bewegen. Drehen, Greifen, Krabbeln musste sie mühsam lernen. Lange konnte sie nicht schlucken und wurde ausschließlich über eine Magensonde ernährt. Sie hat schwere körperliche und geistige Einschränkungen, doch sie kann und versteht mehr, als sich wohl auf den ersten Moment erahnen lässt. „Sofie hat eine beeindruckende Entwicklung gemacht. Sie fährt mit ihrem Rollstuhl inzwischen in der Wohnung herum, spricht Wörter und nimmt Kontakt zu den anderen Bewohnern auf. Sie hat Gebärden im Kindergarten gelernt“, sagt die Heilerziehungspflegerin Tessa Klünder.
Sofie besucht den Kindergarten
Morgens besucht Sofie den Kindergarten der Bergschule auf dem Gelände der Diakonie Stetten. Dort übt sie täglich mithilfe eines speziellen Trainingsgeräts das Stehen, lernt Gebärden und nimmt am Unterricht teil. „Sofie schaukelt gerne, und im Kindergarten fädelt sie inzwischen Perlen auf. Es ist schön, mit ihr Zeit zu verbringen, denn sie interagiert immer mehr“, sagt Tessa Klünder. Die Pflege des Mädchens nimmt viel Zeit in Anspruch, da sie über eine Sonde ernährt wird. Daneben bekommt Sofie regelmäßig pürierte Nahrung. Pudding, Apfelmus und Co. löffelt Sofie ohne fremde Hilfe.
Sofie kämpft sich tapfer durch. Foto: privat
Und auch auf die Frage, ob sie ihr Zimmer zeigen will, macht sie sich sogleich bereit und schaut in Richtung ihres Raumes auf der rechten Seite des langen Ganges. Sofie kann sich dort auch mal eine Weile selbst beschäftigen. Sie spielt oft mit Bausteinen, und abends hört sie gerne Musik. Die Entspannung braucht sie wohl auch, denn der Alltag besteht für die Fünfjährige aus vielen Therapieeinheiten: Dreimal pro Woche geht sie zur Physiotherapie. Daneben macht Sofie Ergotherapie und die verschiedenen Facharzttermine, zu denen das Mädchen regelmäßig muss, nehmen einige Zeit in Anspruch. Die intensiven Fördermaßnahmen würden einen großen Teil dazu beitragen, dass Sofie sich so gut entwickle. Zudem war das Mädchen, als es noch in der Kindergruppe im Wildermuthhaus gelebt hat, reiten, was über Spenden finanziert wurde. Seit sie im Kinder- und Jugendbereich wohnt, war dies aber nicht mehr möglich, da die Spenden gruppengebunden waren und das Reiten nicht anders finanziert werden kann. Es habe ihr immer viel Spaß gemacht, und auch ihre Physiotherapeutin betone, dass es wichtig für ihre weitere Entwicklung wäre.
Sofie braucht viel Nähe und fordert diese auch ein
„Sofie nimmt gerne Kontakt zu den anderen Bewohnern auf. Hier versuchen wir gerade, die Kinder etwas mehr miteinander in Kontakt zu bringen“, sagt Tessa Klünder. Die Mitarbeiterin weiß, dass das Mädchen Nähe brauche und noch viel schaffen könne.„Sofie hat schon viel erreicht, obwohl sie entwicklungsverzögert ist. Aus meiner Sicht kann sie noch mehr Fortschritte machen und dadurch mehr Eigenständigkeit erreichen, wenn sie weiterhin entsprechend gefördert wird.“
Spenden für die „KiWi-Gruppe“ der Diakonie Stetten
Info Auf der Homepage www.stetten-helfen.de können Interessierte unter dem Kennwort „Kinder- und Jugendbereich Kinderreiten“ für das Reiten spenden. Zudem ist die Kindergruppe Wildermuthhaus (KiWi) in Kernen eine der wenigen Einrichtungen in der Region, die Kindern wie Sofie ein familiäres und zugleich pflegerisch-qualifiziertes Umfeld bieten kann. Dazu ist sie jedoch auf Spendengelder angewiesen. Aktuell leben in der KiWi zehn Kinder und Jugendliche mit schwersten Behinderungen. Die Betreuerinnen und Betreuer sind ihre engsten Bezugspersonen. Um die Kindergruppe Wildermuthhaus (KiWi) in der jetzigen Form zu erhalten, bittet die Diakonie Stetten um Hilfe. Nähere Infos und die Möglichkeit, zu spenden, finden Interessierte auf der Homepage der Diakonie Stetten unter https://www.diakonie-stetten.de