Mysteriöse Großveranstaltung in Ludwigsburg Skandal um 90er-Party weitet sich aus

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Stars wie Caught in the Act oder 2 Unlimited sollten Tausende in die Ludwigsburger Arena locken – doch die Künstler distanzieren sich, eine Agentur spricht von Betrug. Die Kartenbesitzer wissen nicht, ob sie ihr Geld zurück bekommen.

Älter geworden, aber immer noch erfolgreich: Caught in the Act im Jahr 2017. Foto: dpa
Älter geworden, aber immer noch erfolgreich: Caught in the Act im Jahr 2017. Foto: dpa

Ludwigsburg - Sollte die Party überhaupt über die Bühne gehen? Wussten die Künstler, darunter international bekannte Gruppen wie Caught in the Act oder 2 Unlimited, dass sie am Samstag in der Ludwigsburger MHP-Arena auftreten sollten? Wissen sie, dass der Veranstalter noch immer Karten verkauft für eine weitere Riesenfete im Dezember, die ebenfalls nicht stattfinden wird? Es ist nicht einfach, diese Fragen zu beantworten. Und vielleicht ist es bald die Aufgabe einer Staatsanwaltschaft, die richtigen Antworten zu finden. Im Internet machen bereits Dutzende Kartenbesitzer ihrem Unmut Luft und drohen, den Veranstalter des groß angekündigten 90-Jahre-Revivals, das Unternehmen Mama Concerts aus Bochum, anzuzeigen. Auch Mario Kreh, als Chef der städtischen Eventgesellschaft zuständig für die Arena, sagt: „Wir prüfen rechtliche Schritte.“

Ob das stimmt oder nicht: Es gibt Anhaltspunkte, die stutzig machen. Die Webseite von Mama Concerts vermittelt zwar einen seriösen Eindruck, die Verlinkungen auf die Facebook- und Twitter-Plattformen der Firma laufen jedoch ins Leere. Merkwürdig ist auch, dass für den 8. Dezember zwei weitere Großpartys angekündigt werden: In Hamburg und Ludwigsburg, mit teilweise denselben Künstlern. Sie hätten also von Nord- nach Süddeutschland und von einer Bühne auf die andere jetten müssen – an nur einem Abend.

Der dubiose Veranstalter verkauft Tickets für weitere Großevents

Wobei inzwischen längst klar ist, dass auch diese Fete in Ludwigsburg nicht stattfinden wird. Mama Concerts habe für den Termin lediglich eine Voranfrage gestellt, es sei aber nie ein Vertrag unterzeichnet worden, berichtet Mario Kreh. Was das Unternehmen nicht zu stören scheint, denn auf der Webseite werden immer noch Karten für das Event angeboten. Das müsse unverzüglich gestoppt werden, betont Kreh. „Das zeigt ein äußerst zweifelhaftes Geschäftsgebaren.“ Absehbar sei das nicht gewesen. Wie in solchen Fällen üblich, habe man vorab eine Kreditauskunft eingeholt und sich über den Veranstalter informiert: Ohne negative Rückmeldungen.

Das jedoch geschah bereits im vorigen Sommer, und zu dieser Zeit funktionierte das Geschäftsmodell mit den 90er-Feiern augenscheinlich noch. Im Internet zeigt Mama Concerts Videos von Konzerten, ausverkauften Hallen, glücklichen Zuschauern. Seit einigen Wochen aber hinterlässt das Unternehmen in Deutschland eine Spur der Enttäuschung. Auch in Bielefeld wurde unlängst eine Party abgesagt, auch dort wurden bis zuletzt Tickets verkauft, obwohl die Halle nicht gebucht war. In Aspach im Rems-Murr-Kreis zog der Betreiber der Halle die Reißleine, weil Mama Concerts vertragliche Verpflichtungen nicht eingehalten habe. Mehrere andere Partys, etwa in Köln oder Villingen-Schwenningen, wurden kurzfristig verlegt.

Die Polizei ermittelt erst, wenn die Betroffenen Anzeige erstatten

Für Ludwigsburg und die städtische Arena ist der Schaden überschaubar. Weil so schnell kein Ersatz gefunden werden konnte, fehlen nun die Mieteinnahmen für den Samstag. Dass es in der Veranstaltungsbranche Schwarze Schafe gibt, ist durchaus bekannt. So sollte Ende Januar in der Stuttgarter Liederhalle ein Ball der Nationen gefeiert werden, und der Ablauf erinnert fatal an die aktuellen Ereignisse in Ludwigsburg. Der Veranstalter verkaufte Karten, hatte aber weder Künstler noch Saal gebucht. Die Sache hat ein juristisches Nachspiel. Mehrere Ehepaare, die Karten gekauft und ihr Geld nicht zurückbekommen hatten, haben Anzeige erstattet.

Das ist notwendig, denn von selbst wird die Polizei in solchen Angelegenheiten nicht aktiv. Zunächst müsse ein Verdacht vorliegen, dass jemand durch eine strafbare Handlung zu Schaden gekommen ist, erklärt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn. Bislang liege wegen der absagten 90er-Party keine Anzeige vor, und aus diesem Grund gebe es auch keine Ermittlungen.




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