Mythos Weltreise Das Ich und die Welt

Von großen Aufbrüchen zu lesen weckt Lust, sich selbst auf den Weg zu machen. Foto: fotolia
Von großen Aufbrüchen zu lesen weckt Lust, sich selbst auf den Weg zu machen. Foto: fotolia

Einmal um die Erde zu fahren hieß einst, das Unbekannte zu erobern: als Kolonialherr, Freibeuter, Forscher oder Dichter. Von Aufbrüchen in die Ferne zu lesen, weckt bis heute die Lust, sich selbst auf den Weg zu machen, hat die StZ-Autorin Barbara Schaefer festgestellt.

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Stuttgart - Antonio Pigafetta war der Erste. Antonio wer? Den Namen Magellan kennt die Welt, als deren erster Umsegler er oft genannt wird, und mit ihm fuhren Schiffskoch und Steuermann, Matrosen und einer, der Schreiben konnte. All ihre Namen sind vergessen, Antonio Pigafetta aber schrieb ein Buch: „Die erste Reise um die Erde“, ein Augenzeugenbericht von Magellans Weltumsegelung .

Ferdinand Magellan, eigentlich Fernão de Magalhães, hatte König Karl V. von Spanien versprochen, den Portugiesen die Molukken, die Gewürzinseln, abspenstig zu machen. Allerdings schaffte es nur sein Schiff 1519 bis 1522 als erstes um die Erde. Er selbst beendete die Reise auf halber Strecke; nach der Durchfahrt der Magellanstraße, der Meerenge am südlichsten Ende Südamerikas, wollte er mit Missionierung weitere Ehre einfahren. Die Einwohner der philippinischen Inseln vergolten ihm die Mühe nicht; er fiel im Kampf. Da die Einheimischen sich weigerten, seine Leiche herauszugeben, konnte er nicht mal in einer Kiste die Welt umrunden.

Ein anderer Kapitän, Juan Sebastián Elcano, führte Magellans Schiff zurück ins Mittelmeer. Er bekam ein prunkvolles Wappen verliehen, das als Helm eine Weltkugel mit der Inschrift trägt: Primus Circumdedisti Me („Als Erster hast du mich umfahren“). Aber – Undank ist der Welt Lohn – der Baske Elcano ist noch weniger bekannt als der Italiener Pigafetta. Immerhin trägt ein baskischer Weißwein die Ehre und den Namen: Ameztoi Getariako Txakolina Primus Circumdedisti Me.

Wenn am Ende ein ganzer Tag fehlt

Erstaunt stellte Pigafetta am Ende der Reise fest, dass sein Tagebuch nicht mehr stimmte, obwohl er seine Einträge täglich führte. Das sei wohl passiert, „weil wir die Erde dem Lauf der Sonne folgend ganz umschifft und daher den Wechsel von Tag und Nacht im Ganzen einmal weniger gehabt hatten“. Und damit kommen wir zu Phileas Fogg. – Mister Fogg, haben Sie denn nie in den Bibliotheken in Ihrem Londoner Reform-Club geschmökert? Dort müsste doch ein Exemplar des Pigafetta gestanden haben. Wie konnte es ausgerechnet Ihnen geschehen, die Reise um die Erde in achtzig Tagen fast nicht zu schaffen?

Foggs Erfinder Jules Vernes gleicht diesen Beinahe-Lapsus aus, indem er die Leser des vergnüglichen Romans informiert, wie wenig Gepäck man für eine Weltreise braucht: „Eine Tasche für Nachtzeug, das ist alles. Hinein kommen: zwei wollene Hemden, drei Paar Strümpfe. Was wir sonst brauchen, kaufen wir unterwegs.“ Dann weist er seinen Diener an, er möge ihm den Mackintosh bringen. Kein Laptop – ein Regenumhang. Ins Gepäck kommt noch der „Continental railway steam transit and general guide“, der „Lonely Planet“ seiner Zeit sozusagen, sowie 20 000 englische Pfund. Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld.




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