Nabu-Aktion für Kröten in Berglen Schutzzäune gegen den Straßentod

Von Annette Clauß 

Noch sitzen sie in Erdlöchern, doch sobald die Temperaturen steigen, machen die Kröten sich auf Wanderschaft zu ihren Laichplätzen. Die Naturschützer in Berglen sind für den Fall vorbereitet.

Die Helfer beim Zaunaufbau an der Straße nach Hößlinswart Foto: Gottfried Stoppel
Die Helfer beim Zaunaufbau an der Straße nach Hößlinswart Foto: Gottfried Stoppel

Berglen - Nieselregen und um die 8 Grad Celsius – bei dieser Witterung zieht es Mensch nicht unbedingt vor die Haustür. Die Erdkröte ist da anders strukturiert: Sie hält das für ein ideales Ausflugswetter, kriecht aus ihrem Winterquartier im Boden, und wandert los zu jenem Gewässer, in dem sie zur Welt gekommen ist. Dort legt sie ihren Nachwuchs ab. In den Berglen ist zum Beispiel ein Fischteich an der Straße von Steinach nach Hößlinswart so ein beliebter Laichplatz, aber auch in Kottweil und Lehnenberg gibt es Kröten-Kreißsäle, in denen im Frühjahr Abertausende von Kaulquappen aus den im Wasser platzierten Eiern schlüpfen.

In vier, fünf Nächten herrscht Hochbetrieb

Um ihre Laichschnüre ablegen zu können, müssen die etwa zehn Zentimeter großen Kröten allerdings zunächst sicher an Ort und Stelle kommen. Weil so mancher Krötenwanderweg eine vielbefahrene Straße kreuzt, ist am Samstagvormittag ein gutes Dutzend freiwilliger Helfer der Nabu-Ortsgruppe Winnenden losgezogen, um entlang der Fahrbahn Schutzzäune als Sicherheitsbarriere für die Amphibien aufzustellen. Die säßen momentan zwar noch in Erdlöchern im Wald, sagt Reinhard Bretträger – aber sobald das Wetter passe, machten sie sich auf Wanderschaft. „Wenn die Bedingungen optimal sind, ziehen in vier, fünf Nächten etwa 80 bis 90 Prozent der Kröten los“, erklärt Bretträger. Der Rest folge dann nach und nach. Sicherheitshalber lassen die Naturschützer daher die Zäune bis Ende April stehen.

Mehrere hundert Meter grüne Plastikplane laden die Helfer an diesem trüben Samstag von einem Anhänger ab, außerdem einen ganzen Stapel Baustahlstangen.Die 22-jährige Sarah ist Nabu-Mitglied und zum ersten Mal mit dabei beim Aufbau der Zäune. „Ich erinnere mich, dass wir in der Grundschule mal über das Thema geredet haben. Selbst mitmachen ist cool und man merkt auch, wie viel Arbeit dahinter steckt.“ Die etwa einen Meter langen Stäbe rammen die Ehrenamtlichen erst von Hand, dann mit dem Hammer ins Erdreich und befestigen daran die Plane, so dass eine etwa 50 Zentimeter hohe Barriere entlang des Straßenrands entsteht. Sie stoppt die unzähligen Kröten und einige Molche vor der Fahrbahn.

Abendliche Sammelaktion am Zaun

Jeden Abend sammeln dann Mitglieder des Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund) die Gestrandeten ein. „Wenn gegen 20 Uhr viele am Zaun sind, kommen wir um 23 Uhr nochmal“, sagt Gerd Mergenthaler. Zusammen mit seiner Frau spielt er alle Jahre wieder an einem festgelegten Wochentag das Eimer-Taxi für die Kröten und trägt die Tiere über die Straße in Richtung Teich – „bis fast vor die Haustür“. Trotzdem sei das ganze Spektakel für die weiblichen Kröten sehr anstrengend. „Die Sterberate ist hoch, viele Weibchen überleben nicht“, sagt Reinhard Bretträger. Denn die Männchen lassen sich gerne huckepack zum Ort des Geschehens tragen und sind deutlich in der Überzahl. Der Naturschützer hat schon bedauernswerte Krötendamen erlebt, die bis zu acht Kröteriche auf einmal durch die Gegend schleppten. Dennoch muss man sich laut Reinhard Bretträger derzeit um die Krötenpopulation in Berglen keine Sorgen machen: „Wir führen seit den 1990er-Jahren Statistik. Es gibt zwar immer wieder Schwankungen, aber momentan nimmt der Bestand leicht zu.“

Bis zu 8000 Eier kann eine Krötendame produzieren. Daher sei jedes überfahrene Tier ein großer Verlust, sagt Gerd Mergenthaler, der sich schon bereit hält für den ersten Krötentransport im Jahr 2018.




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