Nabu gegen Baugebiet in Öschelbronn Zankapfel Streuobstwiese

Der Nabu will den Lehengarten als Streuobstwiese erhalten. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Bürke

Der Gäufeldener Bürgermeister Benjamin Schmid will den Lehengarten bebauen lassen. Der Naturschutzbund (Nabu) hat dort aber geschützte Tiere entdeckt.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Gäufelden - Ein wenig wundert es den Gäufeldener Bürgermeister Benjamin Schmid schon, dass die Kommune nicht zum Ortstermin des Naturschutzbundes im Gewann Lehengarten/Hailfinger Weg eingeladen worden ist. Denn dann hätte er schon am Dienstag seine Stellungnahme zu dem in Streuobstwiesen geplanten drei Hektar großen Wohnbaugebiet im Ortsteil Öschelbronn abgeben können. „Das hat für mich mit Fairness und der Art des Umgangs miteinander zu tun“, sagte er am Donnerstag.

 

Der Nabu hatte an diesem Tag bekannt gegeben, dass er möglicherweise gegen das Baugebiet klagen wird, weil seiner Ansicht nach die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes vor allem den Paragrafen 13 b des Baugesetzbuches falsch anwenden würde. Er hatte auch über seine eigene Naturschutzprüfung berichtet: Insbesondere seien in den Streuobstwiesen dort der Steinkauz nachgewiesen, etwa sieben Fledermausarten und der Große Rosenkäfer, allesamt geschützte Tiere.

Vom Vorgänger übernommen

Benjamin Schmid hat die Baumaßnahme von seinem Vorgänger übernommen. Allerdings sei das letzte Neubaugebiet im Ort in den 90er Jahren ausgewiesen worden, und damit sei beinahe einer ganzen Generation der Wunsch nach den eigenen vier Wänden verwehrt gewesen. Dabei sei es beileibe nicht so, dass im Lehengarten eine Art Villengegend entstehen werde. Die Einfamilienhäuser stünden auf relativ kleine Grundstücken, dazu gebe es Reihenhäuser und Geschosswohnbau. „Wir gehen also auch nachhaltig mit den Flächen um“, sagt Benjamin Schmid. Es seien außer einem Kindergarten keine kommunalen Flächen geplant, angedacht war ursprünglich, hier auch ein Gebäude für die Stadtverwaltung zu errichten. Er will nicht auf Konfrontation: „Wir strecken beide Arme in Richtung des Nabu aus, und würden die Maßnahme gerne mit den Naturschützern zusammen umsetzen, einfach, damit das Ganze aus einem Guss ist.“

Vermutlich ein Jahr Wartezeit

Was das Vorgehen des Nabu voraussichtlich schon jetzt bewirkt hat: Das Baugebiet wird sich um ein Jahr verzögern. Denn um Rechtssicherheit zu schaffen und damit einer Klage des Nabu zuvor zu kommen, will die Gemeinde jetzt in eine genauere naturschutzrechtliche Prüfung gehen: Untersucht werden soll der Radius des Steinkauzes im Gebiet, und untersucht werden soll die Gefahr für die sieben verschiedenen Arten der Fledermäuse.

Doch ist dem Bürgermeister klar, dass im Fall des Lehengarten ein Zielkonflikt vorliegt: Der Nabu möchte, dass das Baugebiet fallen gelassen wird, die Kommune möchte bauen und den Eingriff in die Natur mit Ausgleichsmaßnahmen kompensieren.

Denn fallen lassen will Benjamin Schmid das Baugebiet nicht ohne Not, und er zeigt sich hier auch hartnäckig: „Ich setze alles dran, um es umzusetzen“, verspricht er den Bauwilligen dort, die jetzt ein weiteres Jahr auf ihr Wohneigentum warten müssen.

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