„Nabucco“ in Heidenheim Oper als Sommernachtstraum

Von Susanne Benda 

Auf Burg Hellenstein in Heidenheim ist Verdis „Nabucco“ Open Air zu erleben.

Szene aus der diesjährigen Open-Air-Produktion der Opernfestspiele Heidenheim Foto: Oliver Vogel
Szene aus der diesjährigen Open-Air-Produktion der Opernfestspiele Heidenheim Foto: Oliver Vogel

Heidenheim - Der Held des Abends tritt von links hinten auf, leuchtet orangegelb und ist unglaublich rund. Die Opernfestspiele Heidenheim haben begonnen, über dem Rittersaal der Burg Hellenstein prangt der Vollmond, und auf der Bühne vor den Ruinen wird von Gedanken gesungen, die auf goldenen Flügeln schweben. Als Frischluft-Oper feiert Giuseppe Verdis „Nabucco“ Premiere, und wieder sitzen die Stuttgarter Philharmoniker im Graben. Unter der Leitung des Festspielleiters Marcus Bosch meistert das Orchester glänzend die ungewohnte Rolle als Stütze, Initiator und Begleiter der Szene – mit straff genommenen Tempi, was manche schnelle Begleitfigur zu einer (exzellent gemeisterten!) virtuosen Herausforderung werden lässt, und mit vielen sehr schönen Solo-Aktionen der Bläser.

Der Rest ist gemischt. Als Regisseurin hat Helen Malkovsky (zu?) Vieles an-, das meiste aber nicht zu Ende gedacht. Auf drei Leinwänden im Hintergrund bieten Videos sowohl eine Art mediale Aufbereitung des Geschehens (mitsamt Nachrichtensprecher) als auch eine Art ironischen Kommentar auf trivialen Showbizz und Promi-Talk – mit einem Moderator im Glitzerglimmerhemd, der auf der Bühne auch den Hohepriester des Baal gibt. Tragische Fallhöhe haben die singenden Figuren dort nicht. Sogar Abigaille, die schillerndste Person des Stücks, bleibt blass und flach. Nabucco kommt im Rollstuhl auf die Szene, wirkt dann aber – abgesehen von seinem eher reduzierten Gestenarsenal – erstaunlich agil; seine Hybris tritt sehr unvermittelt auf und erscheint dann eher verwunderlich denn bedrohlich.

Unter den Sängern ist das Kollektiv am überzeugendsten: Der Tschechische Philharmonische Chor Brünn gestaltet nicht nur das berühmte „Va, pensiero“, bei dem er wie ein Geisterchor kaum sichtbar auf verhängten Gerüsten links und rechts der Bühne steht, mit großer Präsenz und ausgesprochen klarer Artikulation. Antonio Yang gibt die Titelpartie mit begrenztem Tonumfang, manchem gestemmten Forte, ansonsten aber unfallfrei. Ira Bertman (Abigaille) fehlt es oft an präziser Tonvorstellung, manchmal in der Höhe an Potenz und Strahlkraft, zuweilen auch an Geradheit. Neben ihr fällt es Katerina Hebelkova als Fenena nicht schwer, sich zu profilieren.

Der Rest ist Atmosphäre. Sie vor allem lohnt einen Besuch auf der Ostalb. Oben liegt der Mondschein über Ruinen, und unten spielt die Musik. „Lass diesen wunderschönen Traum weitergehen“, singt der Chor, „die ganze Nacht hindurch.“ Ach ja.

Termine Am 6., 7., 13., 14., 18., 21., 26. und 27. Juli