Nach Absage in Marbach „An den Kindern wird gespart“ – Bürger wollen Fasching retten

Die Marbacher Stadthalle soll weiter am Faschingsdienstag ein Ort munterer Farbenfröhlichkeit bleiben. Foto: Werner Kuhnle

Harsche Kritik erntet die Stadtverwaltung in Marbach (Kreis Ludwigsburg) für die Absage des Kinderfaschings. Bürger werden aktiv – können sie das beliebte Event retten?

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Die Absage des Marbacher Kinderfaschings schlägt in der Stadt hohe Wellen. Was zunächst wie eine notwendige Entscheidung der Stadtverwaltung wirkte, entwickelt sich nun zu einer Debatte über Kommunikation, Verantwortung und den Gemeinschaftsgeist in Marbach. Die Frage steht im Raum: Ist der Kinderfasching noch zu retten?

 

Die Empörung über die gestrichene Sause in der Stadthalle mit Sachkosten von 3500 Euro war in Marbach groß – und äußerte sich in sozialen Medien. Hintergrund ist die Kürzung des Kulturetats. Der wurde bereits Ende vergangenen Jahres von der Verwaltung um die Hälfte auf 22.500 Euro heruntergeschraubt. Es müsse dringend gespart werden, erklärte Bürgermeister Jan Trost diesen Schritt.

Susanne Wichmann ist Vorsitzende der Grünen im Marbacher Gemeinderat und kritisiert die Kommunikation des Bürgermeisters Jan Trost. Foto: privat

Aus dem Frust wurde jetzt aber Engagement. Die Drähte liefen in den vergangenen Tagen heiß – in einer WhatsApp-Gruppe organisierten sich Mitglieder der neu gebildeten Bürgerinitiative „Wir sind Marbach“ sowie Stadträte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Es gab auch ein persönliches Treffen.

Das Ziel ist formuliert: Es soll einen Rathaussturm mit den Kindern in einem etwas kleineren Maßstab als bisher in der Stadthalle geben. Das Geschehen in der Fußgängerzone könne mit weniger Aufwand und weniger Kosten gestemmt werden, so der Tenor. Trotzdem sei man auf ein reges Spendenaufkommen angewiesen.

Zuvor war Kritik laut geworden. Besonderen Unmut hatte bei der Grünen-Stadträtin Susanne Wichmann geäußert – weniger wegen der Absage an sich, sondern wegen des Wegs dorthin. Dass die Stadtverwaltung die Entscheidung öffentlich machte, ohne zuvor das Gespräch mit den Räten zu suchen, stößt ihr sauer auf. „Jeder Stadtrat ist gut vernetzt. Man hätte mitteilen können, dass es eine Aufgabe ist, die gelöst werden muss“, betont Wichmann.

Starkes Echo in den sozialen Medien nach der Absage

Ein solches Problem tauche nicht überraschend auf, sagt die Grünen-Fraktionschefin. „So etwas weiß man doch schon vor vier Wochen.“ Gleichzeitig zeigt sie Verständnis für die Enttäuschung vieler Familien und nennt die Bürgerinitiative „Wir sind Marbach“ einen wichtigen Impuls. Es sei erfreulich, dass sich mit der BI eine Gruppe gebildet habe, die Verantwortung übernehmen will.

Ob diese Initiative den Kinderfasching tatsächlich noch retten kann, fragt sich auch Kai Münch. Der Marbacher ist Administrator einer Facebook-Gruppe für Marbacher und hat dort unmittelbar nach dem Presseartikel zur Absage ein starkes Echo wahrgenommen. Viele Mitglieder äußerten ihr Unverständnis: Wie könne man ausgerechnet an Kindern sparen? Es hagelte Kritik: „Man merkt, dass das den Marbachern nicht gefallen hat.“

Aus Münchs Sicht fügt sich die Absage in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Immer mehr Kulturveranstaltungen würden in Marbach wegfallen, und selbst der Schlosskeller als beliebter Eventort könne nur noch durch einen Verein am Leben gehalten werden. „Die Absage des Kinderfaschings hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Münch. Was ihm besonders fehlt, sei der Gemeinschaftsgeist, den er früher in der Stadt stärker wahrgenommen habe.

Kai Münch zog am vergangenen Wochenende Konsequenzen: Gemeinsam mit weiteren engagierten Bürgern aus der Facebook-Gruppe gründete er die Bürgerinitiative „Wir sind Marbach“. Ihr erstes und derzeit einziges Ziel ist klar formuliert – die Rettung des Kinderfaschings.

Hoffnung macht der Gruppe die finanzielle Unterstützung aus der Bürgerschaft. „Jemand hat gesagt, er spendet 1000 Euro“, berichtet Münch. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Kliniken in Ludwigsburg hofft nun, dass Firmen ebenfalls in die Bresche springen.

Bürgerinitiative will anpacken

Dabei betont Münch ausdrücklich, dass es der Initiative nicht um politische Auseinandersetzungen gehe. „Wir sind nicht politisch und wollten nicht mit einem Presseartikel gegen die Stadt arbeiten“, stellt er klar. Stattdessen habe man den Bürgermeister direkt angeschrieben und konkret gefragt, was es brauche, damit der Kinderfasching, der bereits am Dienstag stattfinden soll, doch noch über die Bühne gehen kann.

Der Bürgermeister Jan Trost beobachtet eine „sehr positive Dynamik“ in den vergangenen Tagen. „Ich bin optimistisch, dass es mit Unterstützung aus der Bürgerschaft eine Veranstaltung geben wird, was sehr positiv ist.“ Trost zieht Vergleiche mit der Rettung der Marbacher Tafel vor wenigen Wochen.

Zur Kritik von Susanne Wichmann an fehlender Kommunikation erklärt Jan Trost: Mit dem Gemeinderat habe er sich über den Kinderfasching nicht abgestimmt, weil es keine „dauerhafte“ Absage gewesen sei: „Der Kinderfasching hätte 2026 ausgesetzt, 2027 wäre er wieder oben auf der Prioritätenliste gestanden.“

Trotz des erfreulichen Bürgerengagements will Jan Trost den unangenehmen Teil der Wahrheit nicht verschweigen. „Der wirtschaftliche Abschwung bleibt weiter groß, und es werden auch 2027 weitere Sparrunden folgen, die immer mehr im Stadtgeschehen sichtbar werden – das sind für Bürgerinnen und Bürger, Gemeinderat und Verwaltung sehr belastende Zeiten.“

Weitere Themen