Stuttgart - Paukenschlag an der Uniklinik Heidelberg: Als Folge der Affäre um einen verfrüht angekündigten Bluttest auf Brustkrebs treten die beiden Chefinnen zurück. Die Vorstandsvorsitzende Annette Grüters-Kieslich und die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan erklärten dies jetzt nach Klinikangaben gegenüber dem Aufsichtsrat. Damit machten sie den Weg für einen „Generationswechsel“ frei. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer lobte den Schritt, der den „notwendigen Neuanfang“ ermögliche.
Die aus Berlin gekommene Leitende Ärztliche Direktorin Grüters-Kieslich gibt nach nur gut zwei Jahren an der Klinikspitze vorzeitig auf. „Wir haben als Vorstand besonders in der Krise nicht konzertiert genug agiert“, ließ sie sich zitieren. Ein „Weiter so“ könne es für das Klinikum nicht geben, man brauche Strukturreformen; das sei die wichtigste Aufgabe des neuen Leitungsgremiums. Sie werde sich „mit aller Kraft dafür einsetzen, dass ein konstruktiver Übergang gelingt“, sagte Grüters-Kieslich.
Neue Strukturen und Prozesse nötig
Während die Klinikchefin Ende Oktober abtritt, verabschiedet sich die seit 16 Jahren amtierende Kaufmännische Direktorin bereits Ende Juli. Gürkan betonte, Strukturen und Prozesse der Uniklinik müssten „deutlicher definiert werden“, vor allem im Blick auf Töchter und Ausgründungen. Für eine konstruktive Aufarbeitung der Bluttest-Affäre sei eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat nötig. „Diese ist nicht mehr möglich“, fügte sie hinzu.
Erst vor wenigen Tagen war der Dekan der Medizinischen Fakultät, Andreas Draguhn, mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Sein Handeln sei „zum Gegenstand offizieller Untersuchungen geworden und wird in Teilen der Öffentlichkeit anhaltend kritisch diskutiert“, begründete er seinen Entschluss. Dafür wolle er die Verantwortung übernehmen.
Appelle an den Chef der Frauenklinik
Mit den Rücktritten wächst der Druck auf den Chef der Frauenklinik, Christof Sohn; er war für den Bluttest und dessen vorzeitige Präsentation mit einer PR-Kampagne zuständig. Ohne seinen Namen zu nennen betonte der Aufsichtsrat, die Hauptverantwortung liege „bei demjenigen Wissenschaftler, der ohne entsprechende Grundlage durch eine Medienkampagne haltlose Versprechungen verbreitet hat“. Ähnlich äußerte sich Ministerin Bauer: was den Verantwortlichen für das Heiscreen genannte Projekt angehe, liege es an der Leitung von Uni und Klinikum, „die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“. Sohn hatte auf eine Anfrage unserer Zeitung zuletzt mitgeteilt, er dürfe sich als Beamter nicht äußern.
Auch eine externe Kommission zur Aufklärung der Affäre hatte vor allem den Chef der Frauenklinik ins Visier genommen. In einer Mitte Juli vorgestellten Zwischenbilanz übte sie in mehreren Punkten massive Kritik. Der Bluttest sei zu früh und ohne ausreichende Grundlage vorgestellt worden; auch die geplante Markteinführung noch 2019 sei „nicht realistisch“ gewesen. Zudem monierten die Experten, dass die erste Projektleiterin hinausgedrängt worden sei und mit dem Unternehmer Jürgen Harder ein branchenfremder Investor zum Zuge gekommen sei. Eine Personalberatung soll die Klinik nun bei der Suche nach neuen Chefs unterstützen.