Der Landkreis modernisiert seine Infrastruktur. In der Tiefgarage und bei der Kfz-Zulassung kann nur noch mit Karte oder Smartphone bezahlt werden. Kommt da jeder Bürger mit?
Anstehen, Nummernschilder holen, abstempeln – und dann das Kleingeld zählen? Das war einmal. Ab dem 3. November bezahlen Bürgerinnen und Bürger in der Kfz-Zulassungsstelle Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) nur noch bargeldlos. Die Umstellung auf EC-Karte, Kreditkarte oder Smartphone-Zahlung ist laut dem Landratsamt des Rems-Murr-Kreises ein Schritt in Richtung Vereinfachung.
„Schneller, moderner, effizienter“ – mit diesen Schlagworten begründet der Kreis den Abschied vom Bargeld. Die Maßnahme solle Bürokratie abbauen, Verwaltungsabläufe verschlanken und zugleich die Sicherheit erhöhen. Ein Hintergrund ist auch die Haushaltskonsolidierung: Bargeldabwicklung sei aufwendig und teuer, betont das Amt.
Digitaler Service trifft auf analoge Gewohnheiten
Was für viele längst Alltag ist – das schnelle Bezahlen per Karte oder Smartphone – stellt für andere allerdings womöglich eine Hürde dar. Nicht jeder Bürger ist mit digitalen Bezahlsystemen vertraut, gerade ältere oder technikferne Menschen müssen sich umstellen.
Zwar bleibt die Barzahlung in der Waiblinger Zulassungsstelle weiterhin möglich, wer allerdings in Schorndorf zur Zulassung will, sollte künftig eine Karte dabei haben. In Backnang wurde der bargeldlose Betrieb bereits im Frühjahr eingeführt. Der Weg des Landkreises ist also klar: digital, konsequent, kreisweit.
Auch Parken wird kontaktlos – und voll automatisiert
Parallel zum neuen Bezahlmodell im Amt setzt der Kreis auch beim Parken auf Digitalisierung. Die neue Tiefgarage am Landratsamt in Waiblingen ist ein Pilotprojekt moderner Infrastruktur: Kennzeichenerkennung ersetzt Schranken, Ladepunkte für E-Autos ersetzen Tankstellen, WLAN inklusive. Bezahlt wird auch hier ausschließlich bargeldlos.
Laut dem Landrat Richard Sigel ist das Freeflow-System ein „Riesenbeitrag zur modernen Infrastruktur“. Nutzerinnen und Nutzer sparen sich Tickets, das System rechnet automatisch ab. Und wer vergisst zu zahlen, hat 48 Stunden Zeit. Danach wird’s allerdings teuer: 35 Euro Mahngebühr werden fällig.
Zwischen Fortschritt und Umgewöhnung
Der Rems-Murr-Kreis will moderner werden – und setzt dabei auf digitale Prozesse, wo immer es möglich ist. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist das ein Gewinn an Komfort. Für andere bedeutet es, sich mit neuen Abläufen vertraut zu machen.
Die Verwaltung geht diesen Wandel bewusst an – auch mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Dennoch bleibt die Aufgabe, bei aller Digitalisierung die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen im Blick zu behalten. Fortschritt funktioniert am besten, wenn er möglichst viele mitnimmt.