Nach Befreiung aus verdreckter Wohnung Gerettete Tiere sind wohlauf

Die Hunde, die die Polizei aus einer Wohnung in Stuttgart-Hausen geholt hat, haben durch lautes Bellen auf sich aufmerksam gemacht. Foto: Polizei Stuttgart

Vier Hunde, die über Tage allein in einer Wohnung im Weilimdorfer Stadtteil Hausen um die Wette bellten, befinden sich mittlerweile im Tierheim Stuttgart. Ihr Halter könnte sie sich wieder zurückholen, leicht wird ihm dieser Schritt aber nicht gemacht.

Hunde, die bellen, wenn sie in einer Wohnung alleine sind, können Nachbarn den letzten Nerv rauben. Selbst Gerichte haben sich schon mit der Ruhestörung, die von Hundegebell ausgehen kann, beschäftigt. Vier Vierbeiner im Weilimdorfer Stadtteil Hausen haben jedoch alles richtig gemacht, als sie lautstark auf sich aufmerksam gemacht haben. Sie saßen mehrere Tage allein in einer verschmutzten Wohnung fest, ehe sie von der Feuerwehr befreit wurden.

 

Der Fall ereignete sich bereits am 24. Juli. Ein Anwohner wunderte sich, dass die Tiere kontinuierlich bellten und alarmierte schließlich die Polizei. Hinzugezogene Einsatzkräfte der Feuerwehr brachen wenig später die Tür zur Wohnung auf. Der Gestank, der ihnen aus den stark verdreckten Räumen entgegenkam, verschlug ihnen den Atem. In der Wohnung lebten neben den Hunden noch eine Katze und Fische. Vom Halter, der sich offenbar nicht ausreichend um sie gekümmert hat, fehlte zunächst jede Spur.

„Auf unser Schreiben hin, hat er sich jedoch zeitnah auf dem Revier gemeldet,“ sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Und auch eine Begründung geliefert, warum er die Tiere allein gelassen hat. „Er gab an, auswärts übernachtet zu haben.“ Weitere Details zu dem Mann, beispielsweise das Alter, gab sie jedoch nicht preis, um keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Sie bestätigte jedoch, dass er angezeigt worden ist. „Gegen ihn wird wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt.“

Die Wohnung war voller Tierkot

Sowohl die Vierbeiner als auch die Fische wurden vom städtischen Tiernotdienst ins Tierheim Stuttgart nach Botnang gebracht. Die gute Nachricht: „Sie sind wohl auf“, sagte Petra Veiel, Sprecherin der Einrichtung, am Dienstag. Obwohl die Wohnung vollgepinkelt und voller Tierkot gewesen war, seien sie in einem relativ guten Zustand bei ihnen angekommen. In Futternot waren sie offenbar auch nicht. „Zum Ernährungszustand kann ich nichts Negatives berichten.“ Eine Hündin sei ein American Stafford, ob es sich um einen reinrassigen Kampfhund oder um einen Mischling handelt, sei jedoch unklar. „Wir gehen zudem davon aus, dass zwei junge Rüden ihre Söhne sind.“ Der vierte Hund kann nicht näher bestimmt werden.

Und wie geht’s jetzt weiter? „Die Tiere werden vorerst bei uns verwahrt“, sagt Veiel. „Es bleibt abzuwarten, ob er sich bei uns meldet.“ Selbst wenn die Vierbeiner und die Fische in absehbarer Zeit vermittelt werden, könnte der Halter sie innerhalb von einer festgelegten Frist zurückholen.

„Allerdings müsste er die Kosten für die medizinische Versorgung und die Unterbringung bezahlen.“ Letztere belaufen sich bei einem Hund auf 25 Euro und bei einer Katze auf 15 Euro pro Tag. Dies sei oft schon ein K.-o.-Kriterium für gewisse Besitzer. Darüber hinaus müsse er der städtischen Tierschutzbehörde nachweisen, dass die Tiere künftig nicht mehr unter prekären Bedingungen leben müssen.

Hauskatzen zieht es ins Freie

Dass Halter nicht für Kosten aufkommen wollen, erlebt die Tierheimsprecherin zurzeit vermehrt auch bei Wohnungskatzen, die es wegen des schönen Sommerwetters und der vielen Vögel, die sie beobachten können, nach draußen zieht. „Sie stürzen aus Fenstern oder springen vom Balkon und verletzen sich dabei.“ Sobald der Tiernotdienst die angeschlagenen Freigänger eingesammelt und in eine Tiernotklinik gebracht hat, beginnt die eigentliche Misere. Die Besitzer können die Rechnung nicht bezahlen. „Mit Röntgen und Operation kommt schnell eine vierstellige Summe zusammen, das muss man sich leisten können“, sagt Petra Veiel, die betont, dass es ein Luxus sei, Tiere zu halten. „Das muss man sich vor der Anschaffung gut überlegen.“ Ein Schritt, den nicht jeder macht: Im Tierheim Stuttgart sind derzeit so viele Katzen untergebracht, dass vorübergehend sogar ein Aufnahmestopp gilt.

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