Nach Bluttat in Eislingen womöglich auch Schuss in Donzdorf Wird die Region etwa zum Wilden Westen?

Der Tatort in Eislingen – mit den Spuren Nummer 1 und 2. Foto: dpa/Kohls

Ein beunruhigender Trend: Die Schüsse auf eine 21-Jährige in Eislingen im Kreis Göppingen sind nicht die einzigen in den vergangenen Monaten in der Region. Und es gibt möglicherweise einen weiteren Vorfall in Donzdorf.

Die Schüsse auf eine junge Frau auf offener Straße sorgen nicht nur in Eislingen (Kreis Göppingen) für Aufregung. Die Zwischenfälle mit scharfen Schusswaffen in der Region häufen sich – als Folge von Auseinandersetzungen unter rivalisierenden Gruppen oder Beziehungstaten. In welche Kategorie der Anschlag auf eine 21-Jährige zählt, das soll nun eine Sonderkommission ermitteln.

 

Die Schüsse aus einem Auto fielen vor einer Shisha-Bar an der Ecke Stuttgarter und Frauenstraße. Die junge Frau wurde gegen 2 Uhr von einer Kugel ins Bein getroffen. Sie kam schwer verletzt in ein Krankenhaus. „Nachts ist dort eigentlich wenig los“, sagt einer, der sich dort kurze Zeit zuvor noch in der Gegend aufhielt, „um 23 Uhr sind da die Gehwege hochgeklappt.“ Auch Autos seien des Nachts eher selten unterwegs, der Durchgangsverkehr wählt eher die Umfahrung der B 10.

Nur Projektile nach Schießerei in Ostfildern

Die Soko kümmert sich um das Umfeld der Schwerverletzten, die nicht aus Eislingen stammt. Ob den Schüssen ein Streit vorausging, darüber hält sich die Polizei bedeckt. Auch über den Zeugen und das, was er von der Bluttat mitbekommen hatte, wollten die Ermittler bis zum Freitagnachmittag nichts verlauten lassen.

Dafür gab es am Abend eine neue Entwicklung. Denn offenbar hat gegen 3 Uhr ein Zeuge im rund zehn Kilometer entfernten Donzdorf ein Geräusch gehört, dass sich für ihn wie ein Schuss anhörte. Die Polizei prüft nun, was dahintersteckt und ob ein Zusammenhang mit der Tat in Eislingen besteht.

Wird die Region etwa zu einem Wilden Westen? Auch die Esslinger Kripo steht derzeit in Kontakt mit der Soko, um mögliche Zusammenhänge mit Schüssen in der vergangenen Woche in Ostfildern-Parksiedlung zu überprüfen. Am 15. Februar hatten Anwohner einen Schusswechsel zwischen mehreren Personen am Herzog-Philipp-Platz gemeldet. Die Polizei fand mehrere Projektile – die Beteiligten aber waren spurlos verschwunden. „Der zeitliche Zusammenhang ist auffällig“, sagt Polizeisprecher Lutz Jaksche, „allerdings gibt es noch keine konkreten Hinweise, dass das zusammengehören könnte.“

Drei Vorfälle in Zuffenhausen sind ungeklärt

Die Esslinger haben vor allem im Stadtteil Mettingen mit Schüssen aus scharfen Waffen zu tun. Im September 2022 waren zwei Gruppen aneinandergeraten. Mit der Polizei wollten aber weder Opfer noch Täter zu tun haben. Letztlich konnten aber vier Tatverdächtige im Alter von 21 bis 34 Jahren in Haft genommen werden. Bei einem Streit einen Monat später gerieten ein 30-Jähriger und ein 43-Jähriger aneinander. Der Jüngere feuerte mehrfach mit einer Schreckschusswaffe auf den Wagen des Widersachers, der ihn nach einer Provokation beinahe umgefahren hätte.

Keine heiße Spur hat dagegen die Stuttgarter Kripo nach einer Serie von Schüssen in Zuffenhausen, mit drei Vorfällen, der letzte am 4. Dezember 2022. Am frühen Morgen fielen vor einer Discothek mehrere Schüsse, verletzten einen 23-Jährigen. Die Polizei musste ihn erst einmal suchen – und fand ihn am Hauptbahnhof.

Lokalverbot, dann Schüsse auf junge Frau in Backnang

In Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) feuerte wenige Tage später eine Gruppe mit einer Schreckschusswaffe. Der Eislinger Fall erinnert vor allem aber auch an Schüsse in Backnang (Rems-Murr-Kreis) im Mai 2022. Ein Mann schoss mit einem Gasdruckrevolver auf eine 21-Jährige vor einem Tanzlokal, verletzte sie am Hals und an der Hüfte. Der 36-Jährige hatte die Frau zuvor belästigt und hatte deshalb das Lokal verlassen müssen. Dann wartete er draußen.

Bei der Stadt Eislingen ist man über die jüngste Tat erschüttert. Oberbürgermeister Klaus Heininger zeigt sich betroffen, „dass eine Schusswaffe derart missbräuchlich verwendet wurde. Wir sind erleichtert, dass die junge Frau nicht lebensgefährlich verletzt wurde. Wir hoffen, dass die polizeilichen Ermittlungen die Hintergründe der Tat schnell aufklären werden.“ Die Polizei habe eng mit dem städtischen Betriebshof zusammengearbeitet, der am frühen Morgen wegen des abgesperrten Tatorts eine Umleitung eingerichtet habe. Die sei gegen 12 Uhr wieder aufgehoben worden. 

Weil die Hintergründe der Tat bisher unklar sind, wird die Polizei in den nächsten Tagen und Wochen ihre Präsenz in Göppingen verstärken. „Das wird für die Menschen dort auch wahrnehmbar sein“, heißt es beim Polizeipräsidium Ulm. Es wird dabei vom Polizeipräsidium Einsatz unterstützt. Wer Hinweise zu den Schüssen in Eislingen oder dem möglichen Schuss in Donzdorf geben kann, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 07 31 / 18 80 bei der Kriminalpolizei zu melden.

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