Nach Bluttat in Hochdorf Kundgebung gegen Gewalt und Hetze

In der Hochdorfer Ortsmitte haben viele Menschen Flagge gegen Rechts gezeigt und ihre Trauer für das Opfer geteilt. Foto: Roberto Bulgrin

In Hochdorf haben sich rund 400 Menschen getroffen, um gemeinsam an den gewaltsamen Tod eines Mitbürgers zu erinnern und für ein friedliches Zusammenleben zu werben. Die Mahnwache der AFD am Tatort wurde als fremdenfeindliche Hetze kritisiert.

Region: Corinna Meinke (com)

Eine schreckliche Bluttat, bei der am 15. November ein 56-jähriger Hochdorfer wohl von einem 24-jährigen Mann mit afghanischem Pass mittags in der Kirchheimer Straße tödlich verletzt wurde, zeitigt Folgen. Während die Menschen im Ort unter Schock stehen und um den Getöteten trauern, versucht die AfD, das furchtbare Geschehen für ihre Zwecke mit einer Kranzniederlegung am Tatort zu instrumentalisieren. 400 Menschen unterschiedlicher Gruppierungen aus Hochdorf und Umgebung wie „Omas gegen Rechts“ haben mit einer Kundgebung und Musik dagegengehalten.

 

An diesem Sonntag hatten sich die Menschen in der Ortsmitte versammelt. „Wir wollen zeigen, dass wir in diesen Zeiten nicht alleine sind“, erklärte der Hochdorfer Martin Abel, der als Ordner im Einsatz war. „Gewalt hat keinen Platz in unserer Gemeinschaft“, erklärte Karsten Rößler vonseiten der Veranstalter, einem breiten Bündnis von TV Hochdorf, CVJM, evangelischer Kirchengemeinde, SPD, Grünen und den Vereinen Landleben und Linie 79. Das Mitgefühl gelte der Ehefrau des Opfers und deren Freunden. Alle seien tief betroffen von dem schrecklichen Gewaltverbrechen, und er sei froh, dass der mutmaßliche Täter schnell gefasst wurde und seine Strafe bekommen werde.

Die Kundgebung in der Ortsmitte war gut besucht. Foto: Roberto Bulgrin

Mit Blick auf die zeitgleich verlaufende benachbarte Mahnwache der AfD am Hochdorfer Tatort, zu der vor allem AfD-Anhänger aus Kirchheim und dem Kreis Göppingen aufgerufen hatten, erklärte Rößler, die AfD missbrauche die furchtbare Tat für ihre fremdenfeindlichen Zwecke: „Sie versucht, unsere Trauer für ihre Hetze zu instrumentalisieren“. Bei der von Rößler mitinitiierten Kundgebung gehe es um das Gedenken an das Opfer, und gleichzeitig wolle man ein Zeichen setzen gegen Hass, Hetze und gegen eine Spaltung der Hochdorfer Bürgerschaft. Wichtig seien jetzt gegenseitiger Respekt und das friedliche Miteinander im Ort.Bürgermeister Gerhard Kuttler erklärte: „Unsere Gedanken sind beim Opfer, bei den Passanten und Helfern. Das schlimme Ereignis kann uns nicht auseinanderdividieren, sondern wird uns noch fester zusammenbringen. Eine politische Instrumentalisierung dieses Todesfalles lehnen wir ab.“

„Wir wollen nicht einstimmen in die Lieder der Vereinfacher und Hetzer“, sagte der evangelische Pfarrer Gerald Holzer unter Beifall. Nun müsse man Antworten suchen, die tragen. In Hochdorf gebe es ein gutes Miteinander, und er sei dagegen, Gut und Böse nach Nationalitäten aufzuteilen. Während am Ortsrand rund 30 Mitglieder der Antifa OST Filstal lautstark gegen rechte Parolen skandierten, prangerte der Bundestagsabgeordnete Volker Münz (AfD) das Fernbleiben von Politikern wie Innenminister Strobel am Tatort an, und der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Goßner kritisierte die geringe Abschiebungsquote von straffälligen Geflüchteten im Kreis.

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