Nach Bränden im Lager Moria Hunderte demonstrieren in Stuttgart für Aufnahme von Flüchtlingen

Von Christoph Kutzer 

Die Brände und Zustände im Flüchtlingslager Moria lösen Entsetzen aus. Auf einer Kundgebung in Stuttgart fordern mehrere hundert Menschen die Auflösung von Flüchtlingslagern und die Aufnahme der Hilfsbedürftigen.

Hunderte Menschen protestierten in Stuttgart: Anlass sind die Brände im Flüchtlingslager Moria. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 9 Bilder
Hunderte Menschen protestierten in Stuttgart: Anlass sind die Brände im Flüchtlingslager Moria. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Kreidepfeile auf dem Pflaster vor dem Kubus weisen den Weg zur Kundgebung der Stuttgarter Seebrücke und des Offenen Treffens gegen Krieg und Militarisierung (OTKM). Anlass sind die Brände im Flüchtlingslager Moria.

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Den ursprünglichen Veranstaltungsort vor der Commerzbank belegt um 18 Uhr noch die MLPD, die sich dem gleichen Thema widmet: Rasch füllt sich der Kleine Schlossplatz. Mehrere hundert Teilnehmer sind dem Aufruf gefolgt, unter dem Motto „Wir haben Platz. Evakuiert die Lager“ gegen die Europäische Flüchtlingspolitik im allgemeinen und deutsche Positionen im Speziellen zu demonstrieren, die auf Lesbos zu inhumanen Zuständen geführt haben. Zuletzt lebten im Lager, das auf 2800 Flüchtlinge ausgelegt war, 13.000 Menschen. „Jetzt profilieren sich plötzlich Politiker als Retter“, sagt ein Herr. „Vorher haben sie weggesehen“.

Spontaner Demonstrationszug zum Landtag

Immer wieder verweisen auch die Redner darauf, dass die Lage der Geflohenen in Moria vor dem Brand unzumutbar gewesen sei. Wasserversorgung und hygienische Bedingungen seien katastrophal gewesen, streicht eine Aktivistin der Seebrücke heraus. Scharf kritisiert sie die Reaktionen auf den ersten auftretenden Corona-Fall: Es wurde mit dem Bau eines neuen Zauns begonnen. „Wir haben Platz“ skandiert eine junge Frau gemeinsam mit der Menge. „Es wird Zeit, dass die Politik aufhört, sich herauszureden“, stellt sie fest. Katja Walterscheid vom Verein Just Human nimmt die Haltung von OB Fritz Kuhn aufs Korn. Zu sagen, man sei bereit, Menschen aufzunehmen, wenn es der Bund erlaube, sei zu wenig. „Das ist enttäuschend“, resümiert sie. „Wie lange wollen wir noch warten?“

Im Anschluss an die Kundgebung formiert sich spontan ein Demonstrationszug, der über den Schlossplatz und am Kunstgebäude vorbei Kurs auf den Landtag nimmt, wo sich die Versammlung schließlich friedlich zerstreut.




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