In der Küche hängt noch immer ein beißender Geruch. Die Decke, die Wände, die Schränke und Geräte – alles schwarz vom Ruß. 9000 Euro hatte Luigi Ruffo für sie bezahlt, jetzt ist sie kaputt. Der 78 Jahre alte Mann sitzt an seinem Wohnzimmertisch, neben ihm stapeln sich mehrere Umzugskartons, die er in seine neue Wohnung schaffen muss – wenn sie dort denn Platz hätten.
Doch das ist nicht seine einzigen Probleme. Seit dem 7. August ist sein Leben vollkommen anders. Und Luigi Ruffo weiß momentan nicht, wie er es meistern soll.
Der Brandstifter verursacht einen hohen Schaden
In jener Augustnacht brannte sein langjähriges Zuhause. Ein zunächst unbekannter Täter hatte ein Auto vor dem Haus in der Robert-Bosch-Straße angezündet. Die Flammen griffen auf weitere Autos über – und auf das Gebäude. Der Schaden wird auf 400 000 Euro geschätzt. Im Haus sind seither Türen eingeschlagen, vom Feuerwehreinsatz, und anstelle von Fenstern prangen Holzplatten in der Fassade in Richtung Straße.
27 Personen wurden von der Feuerwehr gerettet, unverletzt zum Glück. Doch seither hat Luigi Ruffo das Gefühl, vom Glück verlassen zu sein. Für drei Jahrzehnte war das Gebäude im Schönaicher Gewerbegebiet sein Zuhause und das seiner Frau Lina Mingrone. Wie soll es nun weiter gehen? Sein Auto ist nur noch ein ausgebrannter Blechhaufen. Seine Erledigungen kann er jetzt nur noch schwer machen. Seine Frau kann ihn nicht unterstützen, sie ist krank. „30 Jahre Arbeit – und alles, was ich erarbeitet habe, ist weg“, sagt der ältere Mann, der kaum noch schläft und an fast nichts anderes denken kann.
Die Notunterkunft ist viel teuer als die alte Wohnung
In der Feuernacht war das Ehepaar im Hotel Pfeffermühle untergekommen. Seither leben die beiden in einer so genannten Notunterkunft der Gemeinde. Natürlich ist Luigi Ruffo froh, dass er in Sicherheit ist und ein Dach über dem Kopf hat. Aber er ist auch wütend. Wegen der Konditionen in der Notunterkunft. Er meint damit vor allem den aus seiner Sicht viel zu hohen Mietpreis.
Für die 53 Quadratmeter in der Notunterkunft muss das Ehepaar der Gemeinde 954 Euro zahlen – pro Monat. Luigi Ruffo, weiß noch nicht genau, wie die Angelegenheit mit der Versicherung geregelt wird. Aber er fragt sich, wie das sein kann. In seiner bisherigen Wohnung betrug die Miete für 85 Quadratmeter lediglich 650 Euro.
Ordnungsamt äußert sich zur Kritik
„Das ist die Miete, die jeder, der dort einzieht, zahlen muss“, sagt Astrid Bertsch, die Leiterin des Schönaicher Ordnungsamts. Wobei korrekterweise von Nutzungsgebühren zu sprechen sei, statt von Miete. Und die Gebühren für diese Räumlichkeiten würden sich nicht am freien Markt orientieren, sondern vom Gebäudemanagement festgelegt.
Astrid Bertsch reagiert kurz angebunden auf die Kritik am hohen Preis für den Platz in der Notunterkunft, die sie auch lieber als Wohnung bezeichnet. „Wir haben die Wohnung zur Verfügung gestellt. Jeder hat die Möglichkeit, selbst etwas zu suchen“, sagt die Ordnungsamtsleiterin zur aus ihrer Sicht somit getanen Pflicht der Gemeinde.
Luigi Ruffo hofft, dass er schnellstmöglich wieder in sein bisheriges Zuhause ziehen kann. Doch das dauert. Einer der Miteigentümer versprach im Gespräch mit unserer Zeitung bereits, dass der linke Flügel, also der Gebäudeteil, in dem Luigi Ruffo mit seiner Frau viele Jahre lebte, repariert wird. Doch bis die Arbeiten abgeschlossen sind, werde es Oktober oder November werden, schätzt er.
Überraschung bei den Behörden
Ruffo und seine Frau waren die einzigen Bewohner des Hauses in der Robert-Bosch-Straße, die ihre Wohnung direkt bei den Hauseigentümern gemietet hatten, die dort auch Räume an die DB Bahnbau Gruppe vermieten. Bei den anderen Bewohnern handelte es sich nach Informationen unserer Zeitung um Arbeiter, die für Firmen im Umkreis tätig waren und über ein Untermietverhältnis in dem Gebäude wohnten. Sie waren stets nur wenige Wochen dort, ehe neue einzogen.
Erst infolge des Brands in der Nacht auf den 7. August hatte die Polizei erfahren, dass von den 27 geretteten Personen lediglich fünf gemeldet waren. Ob es sich bei den nicht dort gemeldeten Personen ausschließlich um Arbeiter handelt, ob sie mittlerweile gemeldet sind oder das Land wieder verlassen haben – das lässt Astrid Bertsch offen. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt die Leiterin des Ordnungsamts dazu.
Der mutmaßliche Brandstifter hingegen ist ermittelt. Er sitzt in Untersuchungshaft.
Verdächtiger hinter Gittern
Zugriff
Bereits einen Tag nach dem Feuer hat die Polizei einen 32-Jährigen festgenommen. Auf die Spur des Tatverdächtigen waren die Ermittler durch einen Zeugenhinweis gekommen.
Vorwürfe
Der Mann soll am 12. Juli dieses Jahres schon einmal versucht zu haben, den Wagen anzuzünden, der im jüngsten Fall tatsächlich in Flammen aufging. Außerdem soll er im Januar 2023 einen in der Benzstraße in Schönaich geparkten Opel in Brand gesetzt haben.