Nach Brandstiftung in Schorndorf So geht es der Opferfamilie Xylouri ein Jahr nach der Brandkatastrophe

, aktualisiert am 16.01.2026 - 13:24 Uhr
Dieser Anblick (links) bot sich Sassa Xylouri und ihrer Familie nach dem Brand – inzwischen haben sie ein neues Zuhause. Foto: Weingand

Vor fast genau einem Jahr wurde die Wohnung einer Schorndorferin nach einer Brandstiftung unbewohnbar. Wir haben sie erneut getroffen – wie geht es ihr heute?

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Vor fast genau einem Jahr spielten sich in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) dramatische Szenen ab: Nach einer Explosion in einem Wohn- und Geschäftshaus kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen, sieben Menschen wurden verletzt, teilweise liefen sie den Einsatzkräften bereits entgegen. Eine riesige Rauchsäule hing über der Stadt. Eine Praxis, ein Verein, ein Café und andere Betriebe sowie Bewohner mussten sich eine neue Bleibe suchen.

 

Unter den Betroffenen war damals auch Sassa Xylouri. Die heute 48-Jährige und ihre beiden Kinder im Teenageralter hatten eine Wohnung im selben Komplex, schräg gegenüber des Brandherds, bewohnt. Ihr Zuhause wurde durch das Feuer, vor allem durch den potenziell gesundheitsschädlichen Brandgeruch an der kompletten Einrichtung, unbewohnbar. Jetzt, ein Jahr nach dem Feuer, haben wir uns erneut mit ihr getroffen – wie geht es ihr heute?

Für Sassa Xylouri und ihre Familie war die Zeit nach dem Brand hart. „Vor allem für meine Tochter, sie wollte danach gar nicht mehr in die Wohnung“, sagt die 48-Jährige. Nicht nur wegen des Brandgeruchs, der in den Wänden und den Möbeln hing, sondern auch wegen der Erinnerungen. An jenem Sonntagmorgen wurden sie aus dem Schlaf gerissen, retteten sich zunächst nur mit Schlafanzügen unter den Jacken ins Freie. Auch die Behörden stuften die Wohnung als nicht mehr bewohnbar ein – das Trio musste sich eine neue Bleibe suchen.

Nach Großbrand: Inzwischen hat die Familie eine neue Wohnung gefunden

Im Januar 2025 wütete ein Feuer in Schorndorf. Foto: Archiv (Weingand)

Bald nach dem Feuer hatte sich damals herausgestellt: Die Ursache war Brandstiftung. Die Polizei suchte nach Zeugen, bat um die Zusendung von Video- und Bildmaterial. Ins Visier der Ermittlungen geriet bald ein 57 Jahre alter Bewohner des Gebäudes. Vor dem Landgericht hatte er eingeräumt, den Brand absichtlich gelegt zu haben, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

Der Prozess im Herbst offenbarte, wie er zunächst Benzin im Raum verteilt hatte, dann die Ventile zweier Gasflaschen aufdrehte und schließlich alles anzündete – es kam zu einer großen Explosion, dann zu dem Brand. Im Oktober schickten die Richter den Mann wegen versuchten Mordes, Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, schwerer Brandstiftung, versuchter Brandstiftung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Wegen der schweren Depressionen, unter denen der Mann litt, ging das Gericht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.

Sassa Xylouri hat den Prozess nur durch die Medien verfolgt. „Die Kripo hatte mich zwar angerufen und ein paar Fragen gestellt, als Zeugin aussagen musste ich aber nicht“, erzählt sie. Der Mann, der die Explosion verursacht hatte, sei ihr noch als netter Kerl in Erinnerung. „Er war eigentlich immer freundlich zu allen.“ Das Feuer, mit dem er seinem Leben ein Ende setzen wollte, hatte jedoch gravierende Folgen für andere Menschen: sechs von ihnen wurden verletzt, zudem erlitt er selbst schwere Brandwunden. Und dann sind da noch die psychischen Folgen für die Betroffenen.

Brandstiftung in Schorndorf – „enttäuscht bin ich schon“.

Trotz alldem betont die 48-Jährige, sie hege keinen Groll gegen den Brandstifter. „Zornig sein – das kann ich als Mensch eigentlich gar nicht. Aber enttäuscht bin ich schon darüber, dass jemand keine andere Lösung sieht, als so etwas zu tun.“ Es gebe immer einen anderen Weg – davon sei sie überzeugt. Die Erfahrung habe sie aber im Umgang mit anderen Menschen vorsichtiger gemacht.

Inzwischen, ein knappes Jahr nach dem Brand, geht es der kleinen Familie wieder deutlich besser. Die Versicherung hat die professionelle Reinigung der völlig verrauchten Möbel bezahlt. Und rund ein Vierteljahr nach dem Feuer war auch eine neue Wohnung gefunden.

Damals hatte die Familie mehrere Hilfsangebote bekommen, schlussendlich führten aber private Connections zu dem neuen Obdach. „So langsam fühlt es sich auch wie ein Zuhause an“, sagt Sassa Xylouri und lächelt. Von der Entfernung zur Schule und ihrem Arbeitsort sei jetzt sogar alles geschickter – „man muss immer das Positive sehen, so sind wir eben“, sagt sie und lächelt.

Sie haben suizidale Gedanken? Hier wird Ihnen geholfen 

Wenn Sie selbst unter Depressionen leiden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge. Auch wenn eine nahestehende Person betroffen ist, zögern Sie nicht, die Telefonseelsorge zu kontaktieren. Telefonnummer: 0800 1110 111

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Es ist wichtig, dass Eltern, Verwandte und Freunde besonders aufmerksam sind, wenn bei Kindern oder Jugendlichen Anzeichen von Depressionen oder Suizidgefahr auftreten. Im Jahr 2023 war Suizid die häufigste Todesursache bei jungen Menschen im Alter von 10 bis 25 Jahren.

Auch hier gibt professionelle Hilfe:

www.deutsche-depressionshilfe.de

Info-Telefon Depression für Betroffene und Angehörige: 0800 33 44 5 33

E-Mail-Beratung für Betroffene und Angehörige: bravetogether@deutsche-depressionshilfe.de

Kinder und Jugendtelefon: 116 111 (Montag bis samstags 14 bis 20 Uhr)

Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

  

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