Stuttgart - Offiziell ist die Ursache des Busdepot-Brands völlig ungeklärt. Und tatsächlich hat die Polizei den fraglichen Elektrobus noch nicht einmal in Augenschein nehmen können. Doch das Unternehmen Daimler Buses ist bereits vielfältig dabei, verunsicherten Verkehrsbetrieben eine Entwarnung zukommen zu lassen. Deren Elektrobusse seien nicht betroffen, heißt es – und liefert bemerkenswerte Begründungen.
Das Großfeuer im Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) an der Ulmer Straße im Stadtteil Gaisburg am 30. September hatte die Abstellhalle sowie 25 Busse zerstört und einen Millionenschaden angerichtet. Nach der Auswertung der Daten aus der Brandmeldeanlage führte der Ursprung des Feuers zu einem ausgebrannten Elektrobus dem Vernehmen nach zu einem e-Citaro der Daimler-Tochter Evobus mit Festkörperbatterien.
Bus-Brand im Februar im Fokus
Interessant dabei: Ein solcher E-Bus hatte schon einmal gebrannt – am 4. Februar bei der Produktion in Mannheim. Offenbar waren Lithium-Metall-Polymer-Akkus eines französischen Herstellers fehlerhaft. 30 solcher Busse, unter anderem in Stuttgart und Wiesbaden, wurden zurückgerufen. Im April wurde das Problem für bereinigt erklärt.
Offenbar steht dieser Zwischenfall nun aber wieder im Fokus. Dies ergibt sich aus einer Mitteilung von Daimler Buses an die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV), die ihre beiden e-Citaro mit Festkörperakkus als Vorsichtsmaßnahme aus dem Verkehr gezogen hatte – und damit dem Beispiel der Münchner Verkehrsgesellschaft folgte.
Geprüft werden nur Dokumente
Nun haben die Reutlinger eine Entwarnung bekommen: „Der Hersteller hat uns mitgeteilt, dass unsere Busse nicht betroffen sind und eingesetzt werden können“, sagt RSV-Sprecher Bernd Kugel. Dabei hatte Daimler die Fahrzeuge aber nicht etwa unter die Lupe genommen. Vielmehr seien diese „dokumentativ überprüft“ worden, so Kugel über die verwendete Formulierung. Der Hersteller habe in den Papieren festgestellt, dass die Reutlinger Busse nicht von dem damaligen Rückruf im Februar betroffen seien und somit regulär eingesetzt werden könnten. „Ja“, sagt Kugel, „im Februar hatten wir die Busse noch nicht.“
Doch was macht Daimler so sicher, dass der Februar-Zwischenfall ein Ausschlusskriterium liefert – und auf dieser Basis eine Unbedenklichkeitserklärung erstellt werden kann? Auf Anfrage unserer Zeitung, ob man inzwischen in der Lage ist, Fahrzeuge auszuschließen, und ob man bestimmte Chargen der Feststoffakkus im Auge habe, antwortet Daimler Buses am Montag lediglich, warum es Anfang 2021 zur Rückrufaktion gekommen war: „In der Produktion einer Charge von Batterien konnte nicht ausgeschlossen werden, dass es durch manuelle Nacharbeit zu Isolationsfehlern kommen könnte“, so ein Sprecher. Der Fehler habe nicht zwangsläufig vorliegen müssen, aus Gründen der Sicherheit habe sich Evobus aber zum Rückruf entschieden.
Wiesbaden setzt auf Brandschutz
Eine Unbedenklichkeitserklärung gibt es auch für die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft, obwohl die massiv vom Februar-Fall betroffen war. 20 Busse außer Gefecht. Nach einem Gespräch mit Daimler Buses will man dennoch auf die e-Citaro vertrauen. „Wir bauen auf unser Brandschutzkonzept“, sagt Christian Giesen, Sprecher der ESWE Verkehr. Dazu gehörten eine Brandmeldeanlage und Brandschutzvorhänge. Am 8. November sei der Magistrat zu einer Ortsbegehung eingeladen. Freilich: In Wiesbaden ist es kein Geheimnis, dass der Fahrplan ohne die E-Busse von Daimler nicht ordentlich bedient werden könnte.