Nach Chaos bei AC/DC-Konzert in Stuttgart Sind Konzerte mit so vielen Menschen auch in Zukunft möglich?

Glückliche Fans beim Mammutevent mit AC/DC auf dem Cannstatter Wasen – manche hatten danach schlechte Laune. Foto: Lichtgut

Die Stadt hat eine klare Position zu Veranstaltungen im Mammutformat, wie das Konzert von AC/DC. Viele Fans beschweren sich über Chaos am Ende des Abends. Aber es gibt auch andere Erfahrungen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Der letzte Akkord ist verklungen, der Ärger aber noch nicht verraucht bei den Betroffenen: Noch immer melden sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher bei unserer Redaktion, die entsetzt sind, wie chaotisch es in einzelnen Bereichen auf dem Cannstatter Wasen zuging, als das Konzert der Gruppe AC/DC am Mittwoch vorbei war. „Es war ganz kurz vor einer Massenpanik“, sagt ein 67-jähriger Fan mit jahrzehntelanger Konzerterfahrung. „So etwas habe ich noch nie erlebt, nicht einmal in den 70ern.“

 

Mit den Beschwerden kam eine Frage auf, die sich auf den gemeldeten Besucherrekord bezieht: Das Konzert der australischen Gruppe ist das größte je in Stuttgart gespielte gewesen, mit rund 90 000 Gästen auf dem Festgelände am Neckar. Kann man also folglich keine derart großen Menschenmengen mehr zulassen?

Anzeige auf den Bildschirmen war der Fehler

Doch, kann man, befindet man bei der Stadt Stuttgart als zuständiger Ordnungsbehörde. „Natürlich sind auch Großveranstaltungen dieses Ausmaßes künftig vorstellbar“, teilt der Pressesprecher Sven Matis mit. „Das Sicherheitskonzept war tragfähig und die Koordinierungsrunde hat nach dem Fehler umgehend reagiert.“

Der Fehler, das war die Anzeige auf den Bildschirmen, man solle auch die Notausgänge nutzen. Diese sind, blickt man von der Bühne Richtung Stadion, an der linken Seite des Geländes. Nach der Katastrophe bei der Love-Parade in Duisburg wurden sie eingerichtet. Metalltreppen führen die Böschung hinauf. Dort muss man dann die Stadtbahngleise überqueren und Richtung Mercedesstraße gehen.

Dass die Schrift erschien, sei ein Bedienungsfehler gewesen, räumte der Veranstalter SKS Russ ein. Man habe den Hinweis auf die Notausgänge dann schnell abgeschaltet und die Menschen mit Lautsprecherdurchsagen auf die regulären Ausgänge hingewiesen, am hinteren Ende des Geländes Richtung Parkplätze. Dadurch kam es dann zu Gedränge. 17 Personen wurden verletzt, als sie versuchten, Zäune zu überklettern. An einer Stelle wurde ein Metallzaun geöffnet, um den Druck aus der Menge zu nehmen. Das war etwa dort, wo in Volksfestzeiten die Fruchtsäule steht. Die Polizei unterstützte den Sicherheitsdienst bei dieser Aktion.

Manche Fans bekommen von den beklemmenden Szenen nichts mit

Es gibt aber auch Fans, die das Konzertende und den Heimweg ganz anders erlebt haben. Heidi Krause aus Weil der Stadt berichtet, sie sei „ganz entspannt vom Gelände gegangen.“ Das Auto habe sie schon am Morgen im Parkhaus P1 abgestellt und sei dann mit der Bahn nach Cannstatt gefahren. Beim Konzert habe sie mit ihrem Mann „mittendrin“ gestanden, es seien „wahrscheinlich 40 000 vor und 50 000 hinter mir“ gewesen, schätzt die 49-Jährige. Sie habe die Stimmung beim Verlassen als „ganz besonders harmonisch“ empfunden. Dazu habe sicher beigetragen, dass es eine Art Familientreffen auf dem Wasen war: Manche waren mit drei Generationen vertreten, Großeltern, Eltern und Kinder. Und noch etwas kam hinzu: „Ich glaube, uns hat die Freude geeint, dass wir AC/DC noch mal live sehen durften – sicher das letzte Mal“, fügt Heidi Krause hinzu. „Ich habe das auch schon ganz anders erlebt. Aber das Publikum ist mit der Band gealtert. Vor acht Jahren in Hockenheim war es noch viel stressiger.“ Beobachtet habe sie aber auch, dass viele Menschen aufgrund der falschen Anzeige am Anfang in Richtung der Notausgänge gegangen seien. „Aber davon haben wir uns nicht beirren lassen und sind weiter, wir wussten ja, wo unser Auto steht.“

Nur eine halbe Stunde habe sie nach Konzertende zu ihrem Wagen gebraucht. Aber dann steckte auch sie fest: „Bis Mitternacht war die Straße gesperrt und wir steckten im Parkhaus fest. Das Hupkonzert war unerträglich. Ich wundere mich, dass da niemand ausgerastet ist“, sagt Heidi Krause und fügt hinzu: „Das hätte man uns ja morgens sagen können, als wir bezahlt haben. Oder man hätte die Autos in die andere Richtung ausleiten können.“

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