Nach Debatte um Kostensteigerung Pofalla gibt bei Stuttgart 21 Entwarnung

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Laut Deutscher Bahn werde es keine weitere Kostensteigerung bei Stuttgart 21 geben. Auch sei die Digitalisierung des Bahnknotens zu 100 Prozent gesichert.

Für S 21 wird in Stuttgart noch sieben Jahre gebaut werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Für S 21 wird in Stuttgart noch sieben Jahre gebaut werden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart/Berlin - Die Deutsche Bahn AG bestreitet, dass Stuttgart 21 Ende 2025 womöglich mit veralteter Sicherungstechnik in Betrieb gehen könnte. Das sei „komplett falsch“, sagte DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei der Bilanz-Pressekonferenz der Bahn in Berlin. Die Digitalisierung des Bahnknotens Stuttgart sei „zu hundert Prozent gesichert“. Der Eckwertebeschluss der Koalition zum Haushalt aus der vorigen Woche sehe insgesamt 570 Millionen Euro für die Digitalisierung des Bahnnetzes zwischen 2020 und 2023 vor, und das reiche komplett auch für Stuttgart 21 aus, betonte Pofalla. Zuvor hatte die Landesregierung in einem Brief an das Bundesfinanzministerium gewarnt, dass weit höhere Summen nötig seien. Experten gehen vom Dreifachen aus.

Digitalisierungsprogramm wird von Bundesregierung unterstützt

Pofalla erklärte, hier gebe es ein „Missverständnis“. Bisher fehlten fertige Produkte für das geplante europäische Zugsteuerungssystem ETCS, das auch bei S 21 die Kapazität verbessern soll. Deshalb genüge parallel zur Entwicklung der benötigten Technik das „Hochlaufen“ der Investitionen bis zur Fertigstellung. Die Bundesregierung unterstütze das von der Bahn vorgelegte bundesweite Digitalisierungsprogramm „in allen drei Punkten“.

„Puffer haben bisher völlig ausgereicht“

Zu Kostenrisiken bei Stuttgart 21 erklärte der DB-Vorstand, diese seien Spekulation. Nach Pofallas Angaben spürt die Bahn bei der Auftragsvergabe zwar, dass die Baupreise deutlich steigen. „Aber die vorhandenen Puffer haben bisher völlig ausgereicht, um diesen Baupreisanstieg abzufangen.“ Der genehmigte Umfang von 7,7 Milliarden Euro werde nach wie vor eingehalten. Hinzu komme ein Risikopuffer von 495 Millionen Euro. Diesen hatte der Konzern Anfang 2018 grundsätzlich bereitgestellt. Auf das Geld hat die Projektgesellschaft für Stuttgart 21 aber erst nach einer Freigabe durch den Aufsichtsrat Zugriff. rund einer halben Milliarde Euro.

Die Kosten von S 21 haben sich seit dem Start 2010 von 4,5 auf 7,7 Milliarden Euro erhöht. Der Konzern muss mehr als vier Milliarden selbst bezahlen. Er hat daher die Partner auf Mitzahlung verklagt. Die Kosten liegen laut DB-Chef Richard Lutz um mehr als 2,2 Milliarden Euro über dem erwarteten Nutzen für das Unternehmen.

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