Nach dem Abgang von Alfons Hörmann Der deutsche Sport sucht einen neuen Steuermann

Alfons Hörmann gibt künftig beim DOSB nicht mehr die Richtung vor. Foto: imago/Political-Moments

Alfons Hörmann, der mächtigste Mann im deutschen Sport, kündigt nach heftigen Querelen seinen Rückzug an. Offen ist, wer auf den langjährigen DOSB-Präsidenten folgen wird.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Frankfurt/Stuttgart - Nein, Spaß gemacht hat Alfons Hörmann sein Job in den vergangenen Wochen nicht mehr. Zu schwer wogen die in einem anonymen Brief im Namen vieler DOSB-Mitarbeiter erhobenen Vorwürfe an seinem Führungsstil, seinem Auftreten, seinem Charakter. Und trotzdem gab es ein paar wenige Momente, in denen der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes die Probleme vergaß, kurz auf andere Gedanken kam, auch mal wieder gute Laune verbreitete – und zwar immer dann, wenn er direkten Kontakt zu Athletinnen und Athleten hatte. Zum Beispiel zuletzt in Berlin, bei einem der Termine, an denen die Klamotten für die Sommerspiele in Japan ausgegeben werden.

 

Der Truck mit der Aufschrift „Team Deutschland auf dem Weg nach Tokio“ parkte direkt vor dem Brandenburger Tor, genau eine Woche ist das nun her. Hörmann (60) war der Stress zwar deutlich anzusehen, dennoch gab er sich in den Gesprächen mit den Sportlern locker und unbeschwert. Für die Fotografen setzte er sich sogar hinters Lenkrad des auf Hochglanz polierten weißen Trucks, ließ sich in Trainingsjacke und mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht ablichten. Entstanden sind die Motive, die seit Mittwochabend immer wieder zu sehen sind, weil sie perfekt ins Bild passen. Denn es ist bald nicht mehr Alfons Hörmann, der die Richtung im deutschen Sport vorgibt. Der DOSB sucht einen neuen Steuermann.

Hörmann stellt sich nicht zur Wahl

Bisher war Aufgeben ein Fremdwort für Hörmann. Der Mann aus dem Oberallgäu trat stets als Kämpfer auf, dem Kritik nicht viel anhaben kam. Doch diesmal gingen die Anschuldigen tiefer, sie waren persönlich. Erst in dem anonymen Brief, laut dem im DOSB, ausgelöst durch die negative Führungskultur, ein „Klima der Angst“ herrsche. Danach entlastete die DOSB-Ethikkommission Hörmann zwar in vielen Details, aber auch sie kam zur Erkenntnis: „So kann es nicht weitergehen.“ Anschließend sah es so aus, als werde versucht, die Handlungsempfehlungen der Ethikkommission zu umgehen, mittlerweile ist klar: Statt sich einer Vertrauensfrage zu stellen, wird das DOSB-Präsidium im Dezember 2021 neu gewählt. Ohne Alfons Hörmann.

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„Mein Antrieb im ehrenamtlichen Engagement war und ist es, die gesellschaftliche Kraft des Sports zu stärken, optimale Bedingungen für alle Athleten zu schaffen und die Werte des Sports aktiv zu vertreten und zu leben: Fairness, Respekt und Leistung“, erklärte Hörmann, der seit Dezember 2013 im Amt ist, seinen Rückzug, „jetzt geht es darum, einen geordneten Übergang zu organisieren, der Stabilität für den DOSB und seine Mitgliedsorganisationen sicherstellt.“ Anders ausgedrückt: Der mächtigste Mann im deutschen Sport lässt sich nicht abwählen, er bestimmt selbst, wann er den Weg für einen Neuanfang frei macht. Die Reaktionen darauf fielen höchst unterschiedlich aus.

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„Das kam schon ein bisschen überraschend“, sagte Siegfried Kaidel, der Präsident des Deutschen Ruderverbandes, „die Zukunft muss nun sein, aus Spitzen- und Breitensport eine breite Spitze machen.“ Jörg Ammon begrüßte die Entscheidung Hörmanns. „Die Entwicklung ist bedauerlich, aber es ist der einzig konsequente Schritt“, meinte der Chef des Bayerischen Landessportverbandes, „wir benötigen für unsere Arbeit einen starken DOSB.“ Deutliche Kritik an Hörmann übte Thomas Weikert – der Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF wird als möglicher Nachfolger gehandelt. „Wenn man sich in Ungereimtheiten verstrickt hat und das Verhältnis zum IOC zerrüttet ist, dann ist es nur konsequent, nicht mehr anzutreten“, sagte er. „Das Grundvertrauen in den Präsidenten war erschüttert.“

Sportpolitiker sind sich nicht einig

Frank Steffel sieht Hörmann dagegen als Opfer einer Kampagne. „Durch gezielte Indiskretionen und Unwahrheiten wurden das gesamte Präsidium und der Vorstand des DOSB nachhaltig beschädigt“, sagte der Sportexperte der CDU, „spätestens jetzt müssen die politisch motivierten und vielfach anonymen Auseinandersetzungen im Interesse aller Athleten und der 27 Millionen Mitglieder beendet werden.“ Dagmar Freitag (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, erklärte zeitgleich, dass der Abschied von Hörmann „richtig und überfällig“ sei: „Der mittlerweile täglich zunehmende Vertrauensverlust in die Art und Weise, wie er seine Amtsführung verstanden hat, war mit Händen greifbar. Dass es erst der Eskalation der letzten Wochen bedurfte, wirft kein gutes Licht auf die Selbstwahrnehmung des DOSB-Präsidenten und seiner Vertrauten. Es ist nun die Aufgabe, ein Team zusammenzustellen, das dem deutschen Sport ein neues Gesicht gibt.“

Wer zu dieser neuen Führungscrew gehören wird, ist völlig offen. Sicher ist lediglich, dass Dagmar Freitag (68), die nur noch bis zur Bundestagswahl im September im Parlament sitzt, keine Ambitionen hegt. Auf die Frage, ob sie Spaß am Job der DOSB-Chefin hätte, antwortete die Politikerin: „Nein! Meine Lebensplanung ist eine andere.“

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