Nach dem Abi ins Ausland Eine Frage der Organisation

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Wer sich nach dem Abi im Ausland engagieren will, muss sich erst durch einen Dschungel an Angeboten kämpfen. Die Freiwilligen, die sich jetzt bei „Weltwärts“ in Stuttgart treffen, haben auf das Entwicklungsministerium gesetzt.

Zu den typischen Aufträgen für Freiwillige im Ausland gehört der Unterricht an kleinen Dorfschulen – wie hier in Ecuador. Foto: Privat
Zu den typischen Aufträgen für Freiwillige im Ausland gehört der Unterricht an kleinen Dorfschulen – wie hier in Ecuador. Foto: Privat

Stuttgart - Freiwillige vor: offenbar wollen immer mehr Abiturienten als ehrenamtliche Helfer ins Ausland. Die Freiwilligendienste freuen sich jedenfalls über einen großen Andrang. Aktuell sind mit den von Ministerien geförderten Entsendeorganisationen „Weltwärts“, „Kulturweit“ und dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst“ (IJFD) insgesamt mehr als 6000 Freiwillige rund um den Globus im Einsatz. Nimmt man diejenigen jungen Erwachsenen hinzu, die auf eigene Faust ins Ausland gehen, liegt die Zahl deutlich höher: Allein die australische Botschaft stellt jedes Jahr 12 000 Work-and-Travel-Visa aus.

„Auslandserfahrung gehört heute einfach dazu“, sagt Gitte Richter von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Prinzipiell empfiehlt die Expertin daher jedem, Erfahrungen außerhalb Deutschlands zu sammeln; zugleich betont sie aber auch: „Man muss sich selbst befragen, ob man wirklich ins Ausland will und sich das auch zutraut. Keinesfalls sollte man nur aus Gruppendruck gehen, eben weil alle Freunde das tun.“ Möglichkeiten, Zeit im Ausland zu verbringen, gibt es mehr als genug: So kann man jobben – als Animateur, in einem Workcamp oder als Au-pair. Viele absolvieren nach dem Abitur ein Praktikum bei einem Unternehmen im Ausland oder engagieren sich in einem Projekt in der Entwicklungsarbeit.

Letzteres ermöglichen zahlreichen Organisationen. Wie viele es genau sind, lässt sich kaum überblicken. Wer den Satz „Freiwilligendienst im Ausland“ in eine Internetsuchmaschine eintippt, landet zahllose Treffer. Wie also die richtige Organisation und das richtige Projekt finden? „Man sollte über eine Entsendeorganisation gehen, die von einem Ministerium gefördert wird“, empfiehlt Gitte Richter. So könne man sichergehen, bei einem seriösen Projekt zu landen.

Entwicklungsminister Niebel würdigt Freiwilligen-Engagement

Die jungen Menschen, die sich am Donnerstag und Freitag in Stuttgart treffen, haben sich daran gehalten: Sie kommen bei der Konferenz als ehemalige Freiwillige von „Weltwärts“ zusammen. Auch der Entwicklungsminister Dirk Niebel nimmt daran teil, um das Engagement der Rückkehrer zu würdigen. Der Dachverband „Weltwärts“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde 2007 ins Leben gerufen. Etwa 3000 Freiwillige sind derzeit über eine von „Weltwärts“ zertifizierte Entsendeorganisation, von denen es Dutzende gibt, im Ausland.

„Weltwärts“ versteht sich nach eigenen Angaben „als Lerndienst, der jungen Menschen einen interkulturellen Austausch in Entwicklungsländern ermöglicht“; auf diese Weise solle „das Engagement für die eine Welt nachhaltig“ gefördert werden. Der Verband übernimmt 75 Prozent der Kosten, die für den Auslandsaufenthalt anfallen, den Rest trägt die jeweilige Entsendeorganisation. Vielfach bauen die Freiwilligen einen Spendenkreis auf, bitten Verwandte, Bekannte und in ihren Gemeinden um kleinere oder größere Geldbeträge und finanzieren so einen Teil der Kosten mit. Die Spendenerträge seien allerdings keine Zugangsvoraussetzung, betont das Entwicklungsministerium.

Was man beim Freiwilligendienst konkret tut, unterscheidet sich je nach Organisation. Als Einsatzbereiche hat „Weltwärts“ alle entwicklungspolitischen Arbeitsfelder im Angebot – von der Armutsbekämpfung bis zum Umweltschutz. Beim Freiwilligendienst „Kulturweit“ dagegen, den das Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit der deutschen Unesco-Kommission 2009 eingerichtet hat, sind die Teilnehmer im Bereich der Kultur- und Bildungspolitik tätig: Sie unterstützen etwa die Organisation von kulturellen Events oder geben Deutschunterricht. Auch dieser Dienst entsendet seine Freiwilligen nur in sogenannte Oda-Länder, die öffentliche Entwicklungshilfe erhalten – das heißt Staaten in Afrika, Lateinamerika, Asien sowie Mittel- und Osteuropa. Ziel sei die „Steigerung der interkulturellen Kompetenz junger Erwachsener und der Weltoffenheit unserer Gesellschaft“, so das Selbstverständnis der Dienstes.




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