Nach dem Anschlag in Halle: Mahnwache in Esslingen „Wir werden unser Judentum nicht verstecken“

Von Jan Sellner 

Solidarität mit der jüdischen Gemeinde: Vor der ältesten Synagoge Württembergs in Esslingen haben Bürger am Donnerstagabend ein Zeichen gesetzt.

Rund 300 Menschen sind dem Aufruf zur Mahnwache gefolgt. Foto: SDMG/Kohls
Rund 300 Menschen sind dem Aufruf zur Mahnwache gefolgt. Foto: SDMG/Kohls

Esslingen - Gedenken, Gesänge und Gedanken: Auf Initiative des Esslinger Dekans Bernd Weißenborn sind am Donnerstagabend rund 300 Menschen vor der ältesten Synagoge Württembergs in der Esslinger Altstadt zu einer Solidaritätsaktion zusammengekommen, darunter auch muslimische Vertreter und Landtagsabgeordnete wie die Grünen-Abgeordnete Andrea Lindlohr.

Weißenborn und die Stuttgarter evangelische Regionalbischöfin Gabriele Arnold äußerten ihre Betroffenheit über den Anschlag in Halle: „Jede Form des Antisemitismus ist Gotteslästerung.“ An die jüdische Gemeinde gewandt betonten sie: „Wir stehen an ihrer Seite.“ Der Rabbiner für Stuttgart und Esslingen, Jehuda Puschkin, bedankte sich für das Zeichen der Solidarität. Er sagte: „Wir sind bestürzt, aber wir haben keine Angst. Wir haben unseren Platz in dieser Gesellschaft und werden unser Judentum nicht verstecken.“ Der SPD-Politiker Wolfgang Drexler nannte den Anschlag „die Spitze einer Entwicklung, die mit den Morden der rechtsextremen Terrorzelle NSU begonnen hat“. Vor allem die Mitte der Gesellschaft sei jetzt gefordert dem entgegenzutreten, „sonst gehen wir in eine falschen Richtung“.

Kerzen leuchten vor der Synagoge

Esslingens Finanzbürgermeister Ingo Rust nannte die Solidaritätsaktion ein „starkes Zeichen der Stadt“. Er rief die Bevölkerung dazu auf, sich an den Veranstaltungen zum 200-Jahr-Jubiläum der Synagoge zu beteiligen, um die jüdische Gemeinde „in die Mitte zu nehmen“. Zum Abschluss stimmte die Menge jüdische Lieder an. Vor der Synagoge wurden Kerzen entzündet.