Nach dem Bombenfehlalarm an der A 81 Blindgänger erinnern an Zerstörungen

Mit einem solchen Metallzylinder (Bildmitte) arbeiten sich die Bombenentschärfer an der A81 in die Tiefe. Foto: Stadt Sindelfingen

Der Zweite Weltkrieg war diese Woche im Kreis Böblingen sehr präsent – zumal ein Jahrestag anstand. Dass die Böblinger Partnerstadt-Olympiade wieder aufleben soll, ist ein Lichtblick. Ein Kommentar.

Böblingen: Robert Krülle (rok)

Die Anspannung der Verantwortlichen war spürbar. Am Vormittag vor der möglichen Bombenentschärfung an der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen erläuterte der Krisenstab gegenüber der Presse noch einmal haarklein, wie vorgegangen werden sollte. Das Team, angeführt vom Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und Rainer Just als Leiter des Amts für Feuerwehr und Bevölkerungsschutz, hatte die Aktion gut vorbereitet, der Kampfmittelbeseitigungsdienst saß in den Startlöchern. Am Dienstagabend wollten sich die Spezialisten zu dem verdächtigen Metallteil im Untergrund vorgraben und im Fall eines tatsächlichen Bombenfunds den Sprengkörper in der Nacht entschärfen, die Sperrung der Autobahn war angeordnet und umfangreich kommuniziert worden. Neben Bewohnern einer Unterkunft auf Sindelfinger Seite war auch der Zirkus Barelli darauf vorbereitet, seinen Standort vorübergehend zu verlassen.

 

Doch bereits gegen 19 Uhr gab es Entwarnung. Je näher sich die Spezialisten an die vermeintliche Bombe herangruben, desto deutlicher zeigten die technischen Gerätschaften an, dass sich da im Erdreich nichts Gefährliches befand. „Metallführende Schichten“ hatten die Kampfmittelbeseitiger bei den Voruntersuchungen ausgetrickst. Viel Lärm also um nichts? Nicht ganz.

Es liegen noch viele Bomben im Boden

Denn die Vorsicht der Verantwortlichen war berechtigt. Dass etliche Weltkriegsbomben noch zwischen Böblingen und Sindelfingen im Untergrund liegen, ist bekannt. Eine Bombenentschärfung bleibt ein großes Risiko, insbesondere für die Spezialisten, die sie letztlich durchführen. Den verdächtigen Strukturen im Boden nicht nachzugehen, wäre fahrlässig gewesen. Die Verantwortlichen jedenfalls waren am Abend erleichtert, dass es sich – in diesem Fall – um einen Fehlalarm gehandelt hatte.

Der einmal mehr an dunkle Zeiten erinnert hat. Ob Bombennacht im Oktober 1943, Angriff auf den Böblinger Flughafen im Juli 1944 oder Attacke auf das Sindelfinger Daimler-Werk samt Umgebung im September 1944 – wie so viele deutsche Regionen hatte der Kreis Böblingen in den letzten Kriegsjahren unter den Luftangriffen der Alliierten zu leiden. Diese schweren Stunden werden mit jedem Blindgänger-Fund in Erinnerung gerufen, der bei Bauarbeiten zutage tritt und den Kampfmittelbeseitigungsdienst regelmäßig beschäftigt. Auch wenn die Bombenattacken weit weg scheinen, sind sie so doch immer wieder präsent.

Partnerstadt-Olympiade als Lichtblick

Zumal der Bombenalarm diese Woche ausgerechnet auf einen Jahrestag fiel. Am 21. und 22. April vor 80 Jahren hatten die französischen Truppen den Kreis Böblingen erreicht und schnell die Macht übernommen. In Böblingen und Sindelfingen wurde kein Widerstand geleistet, was wohl weiteres Blutvergießen verhinderte. Der Zweite Weltkrieg war so gut wie beendet, doch die Bevölkerung zahlte einen hohen Preis. Es kam zu Plünderungen und zahlreichen Vergewaltigungen. Es gibt jedoch auch Erzählungen von französischen Fremdarbeitern in Böblingen, die sich für die Familien einsetzen, bei denen sie lebten.

Was lässt sich ableiten rund 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs? In Zeiten, in denen im Osten Europas auch heute wieder ein Krieg tobt, der viel Leid bringt und der die Weltpolitik vor große Herausforderungen stellt? Unter anderem vielleicht, dass ein möglichst reger Austausch unter den Nationen und gegenseitige Besuche eine Grundlage für Frieden bedeuten können – gerade bei Jugendlichen. So wie es bei der Böblinger Partnerstadt-Olympiade seit 1978 gepflegt wird. Nach der Corona-Pause soll das Jugendsportfest jetzt wieder aufleben, wie zuletzt bekannt wurde: 2027 im schottischen Glenrothes. Ein kleiner Lichtblick.

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