Ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands war erst 2014 gescheitert, damals votierten 55 Prozent der Wähler gegen eine Abspaltung vom Vereinten Königreich. Doch nun werden die Stimmen laut, einen zweiten Anlauf zu starten. Bereits vor der Brexit-Abstimmung brachte die Erste Ministerin Sturgeon ein neues Unabhängigkeitsreferendum ins Gespräch, sollte sich Großbritannien für den für den Austritt aus der EU entscheiden. Jetzt legte sie nach: „Die Abstimmung macht deutlich, dass die Menschen in Schottland ihre Zukunft in der EU sehen“, sagte sie.

Alle fünf im Parlament von Edinburgh vertretenen Parteien haben für einen Verbleib in der EU geworben. Auch konnte das Pro-EU-Lager alle schottischen Wahlkreise für sich gewinnen: 62 Prozent der Wähler votierten für einen Verbleib in der EU. Die Brexit-Debatte hat auch in Nordirland die Abspaltungsidee wieder aufleben lassen. Die britische Regierung habe nach dem Brexit-Entscheid die demokratische Pflicht, ein Referendum über eine Vereinigung Nordirlands mit Irland anzusetzen, sagte Martin McGuinness, stellvertretender Erste Minister Nordirlands, am Freitag. Sinn Fein, die überwiegend von katholischen Nationalisten unterstützte Partei, teilte mit, dass der Brexit eine Abstimmung über eine Abspaltung Nordirlands vom Königreich noch dringlicher mache.