Nach dem Bundesliga-Regenspiel beim 1. FC Nürnberg Die größten Wasserschlachten des Fußballs

Von Marco Seliger 

Wasser marsch! Das Montagsspiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen erhitzte aufgrund der miserablen Platzverhältnisse die Gemüter. Wir bieten die größten Fußball-Wasserschlachten im Überblick.

Die Spritzigkeit fehlte dieses Mal eher nicht: Zweikampf zwischen Nürnbergs Tim Leibold und Lars Bender Foto:  
Die Spritzigkeit fehlte dieses Mal eher nicht: Zweikampf zwischen Nürnbergs Tim Leibold und Lars Bender Foto:  

Stuttgart - Rudi Völler stand da wie ein begossener Pudel, für ihn war der Fall klar. „Ich hätte das Spiel nicht angepfiffen“, sagte der Manager von Bayer Leverkusen nach dem 1:1 am Montagabend in der Bundesliga beim 1. FC Nürnberg. Stundenlanger Dauerregen hatte den Platz im Max-Morlock-Stadion in ein schweres und nasses Geläuf verwandelt. Mehrmals blieb der Ball in Pfützen stecken. Da der Regen nicht aufhörte, war in der zweiten Hälfte kein vernünftiges Spiel mehr möglich. „Die Zeiten, um auf Schnee oder bei solchen Bedingungen zu spielen, sollten eigentlich vorbei sein“, sagte Rudi Völler: „In der zweiten Hälfte war es kein Fußballspiel mehr. Die Leute haben etwas Besseres verdient.“

Ärger und Aufruhr um den Regen, Debatten um Sinn und Unsinn eines Spiels, das auf einem Pfützenplatz eigentlich gar keins mehr ist – all das gab es am Montag nicht zum ersten Mal. Wir bieten die größten Wasserschlachten in der Geschichte des Fußballs im Überblick.

Deutschland-Polen, WM 1974: Nie zuvor und nie wieder danach hat es bei einem großen Turnier wohl so irreguläre Verhältnisse aufgrund von Regenfällen gegeben. Die „Wasserschlacht von Frankfurt“, so wurde jene Partie vom 3. Juli 1974 hinterher genannt, in der Deutschland und Polen um den Finaleinzug der WM spielten. 14 Liter Regen pro Quadratmeter gingen in einer guten halben Stunde kurz vor Spielbeginn auf den Platz nieder. Riesige Pfützen standen auf dem Rasen. Die wackeren Helfer versuchten, mit Walzen das Wasser vom Grün herunterzubekommen. Erst als die Frankfurter Feuerwehr anrückte, um das Wasser mit Schläuchen abzusaugen, erklärte der österreichische Schiedsrichter Erich Linemayr den Rasen für bespielbar. Was, wenn man das Spiel sah, eher ein schlechter Witz war. Der Ball blieb immer wieder in Wasserlachen liegen, kein Flachpass ging weiter als über drei, vier Meter, bevor er gestoppt wurde. Am Ende siegte Deutschland 1:0 – und machte im trockenen Endspiel von München später die Niederländer nass.

FC Liverpool -Borussia Mönchengladbach, Uefa-Pokal 1973: Bereits ein Jahr vor der Mutter aller Wasserschlachten in Frankfurt gab es Tumulte rund um den Regen. Rückblick: Am 9. Mai 1973 steigt das Final-Hinspiel des Uefa-Pokals in Liverpool. Doch mit Anpfiff setzt Starkregen ein. Nach 20 Minuten bricht Schiedsrichter Erich Linemayr (ja, dieser Linemayr von Frankfurt 1974!) die Partie ab. Das pralle Haupthaar Günter Netzers trieft, der Gladbacher Superstar sagt: „Der Platz glich eher einer finnischen Seenplatte.“ Einen Tag später steigt das Nachholspiel – und Gladbach verliert mit 0:3.

Hamburger SV- FC St. Pauli, Bundesliga, 2011: Das große Derby, einfach abgesagt! Am Vorabend des 6. Februar 2011 meint Schiedsrichter Günter Perl nach der Platzbegehung: Hier geht nix! Zuvor hatte es zwei Tage in einer Intensität geregnet, die selbst für die Hansestadt außergewöhnlich war. Und dennoch sorgte die Spielabsage für Wirbel. Denn Pauli-Verantwortliche warfen dem Bundesliga-Dino vor, sich nicht ausreichend um den Rasen gekümmert zu haben. Der damalige HSV-Coach, ein gewisser Armin Veh, giftete zurück. „Sie bekommen es selbst nicht fertig, in ihrem Stadion einen vernünftigen Rasen anzubieten“, sagte der ehemalige Coach des VfB Stuttgart: „Wenn sie keine Ahnung haben, dann sollen sie die Klappe halten.“ Die Kiez-Kicker übrigens gaben die Antwort auf dem Platz. Sie rächten sich auf ihre Art und gewannen zehn Tage später das Nachholspiel sensationell mit 1:0.

1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg, Bundesliga 2008: Ja, in Nürnberg kennen sie sich gut aus mit Wasserschlachten. Zehn Jahre vor dem Regentanz gegen Bayer Leverkusen plätscherte schon einmal ein Spiel mit Club-Beteiligung im wahrsten Sinne des Wortes dahin. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga wird ein Spiel wegen Regens abgebrochen. Am 11. April 2008 bleiben die Nürnberger und der VfL Wolfsburg zur Halbzeit in der Kabine, es geht nicht weiter, zum ersten Mal in der Bundesliga wegen Regens. Schiedsrichter Jochen Drees sagt: „Der reguläre Ablauf des Spiels und die Gesundheit der Spieler waren nicht mehr gewährleistet.“ Die Partie wird neun Tage später wiederholt – und zwar über 90 Minuten. Beim Club herrscht danach eitel Sonnenschein: Nürnberg gewinnt mit 1:0.