Nach dem Busunglück in Eberbach Gutachter prüft Unfallbus

Mit mehr als 40 Fahrgästen ist der  Bus gegen die Wand gekracht. Foto: dpa
Mit mehr als 40 Fahrgästen ist der Bus gegen die Wand gekracht. Foto: dpa

Nach dem Unfall in Eberbach bei Heidelberg suchen die Ermittler nach der Unglücksursache. Experten debattieren die Frage, ob eine Anschnallpflicht in Linienbussen sinnvoll wäre.

Seite 3: Christine Keck (kek)
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Eberbach - Nach dem Busunfall mit acht Schwerverletzten am Dienstagmorgen in Eberbach bei Heidelberg versucht die Polizei herauszufinden, wie es zu dem Unglück kam. „Es laufen Befragungen, aber das ist angesichts der hohen Zahl an Zeugen sehr langwierig“, sagt der Polizeisprecher Christoph Kunkel. Auch der schwer verletzte 55-jährige Fahrer des Linienbusses soll so bald wie möglich vernommen werden.

Noch sei unklar, warum der Bus, der mit 37 Schulkindern und fünf weiteren Fahrgästen voll besetzt war, frontal gegen eine Hauswand prallte, sagt der Polizeisprecher. Das Fahrzeug ist in einer leichten Linkskurve von der regennassen Straße abgekommen. Ein Sachverständige erstelle zurzeit ein technisches Gutachten. Das Verkehrskommissariat Heidelberg ist mit den Untersuchungen beauftragt. Ausgewertet wird auch die Tachoscheibe des Fahrzeugs, das sich in einer Tempo-30-Zone befand.

Ob nun ein Fahrfehler, eine Unachtsamkeit des 55-jährigen Fahrers oder ein technischer Defekt zu dem Unglück geführt hat, wird so schnell nicht aufzuklären sein. „Wir ermitteln ergebnisoffen in alle Richtungen“, sagt der Polizeisprecher. Die Mehrzahl der Kinder, die bei dem Unfall in Zentrum von Eberbach im Bus saßen, sind mittlerweile wieder zu Hause. Sechs Kinder, der Vater eines Kindes und der Busfahrer liegen allerdings noch mit schweren Verletzungen in Kliniken. Bei einem Kind besteht weiterhin Lebensgefahr.

2016 waren Busse an insgesamt 5732 Unfällen mit Personenschaden beteiligt

Angesicht des schweren Unfalls werden erste Stimmen laut, die eine Anschnallpflicht in Linienbussen im öffentlichen Nahverkehr fordern. Ein Vorschlag, den Lars Wagner, der Pressesprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) für „absolut unverhältnismäßig“ hält. „Wir haben in Deutschland vier Millionen Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr pro Jahr und im Verhältnis dazu nur sehr wenige Unfälle.“ Im Jahr 2016 waren Busse an 5732 Unfällen beteiligt, bei denen Menschen verletzt wurden. Das waren 0,5 Prozent weniger als im Jahr davor, so die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Bei diesen Unfällen verunglückten 5532 Insassen von Bussen, 9,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Rückläufig ist auch die Zahl der Leichtverletzten, und zwar um 9,4 Prozent auf 5 141 Personen, die Zahl der Schwerverletzten um 9,8 Prozent auf 387 Personen. Die Zahl der Todesopfer hat sich von fünf auf vier im Jahr 2016 verringert.

Noch interessanter ist die längerfristige Entwicklung. Seit 1992 hat die Zahl der Busunfälle mit Personenschaden um 1,3 Prozent abgenommen. Die Statistiken zeigten, dass die Busse ein relativ sicheres Verkehrsmittel seien, betont der Pressereferent Wagner. Er sieht vor allem Nachteile, die die Einführung einer gesetzlichen Anschnallpflicht seiner Ansicht nach hätte. Sie würde sämtliche Fahrpläne durcheinanderwirbeln, weil das An- und Abschnallen sehr viel Zeit in Anspruch nähme. Die Stehplätze müssten vermutlich wegfallen, was die Kosten nach oben treiben würde. Gleichzeitig würden die Busse mit jeder neuen Fahrzeuggeneration nicht nur komfortabler, sondern auch immer sicherer.

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