Ein Megabeben könnte Nepal noch bevorstehen. Fachleute fordern deshalb verschärfte Bauvorschriften für die dicht besiedelte Region, in der vor allem die traditionellen Häzhäuser zusammengebrochen sind.

Stuttgart - Steht dem gebeutelten Nepal das Schlimmste erst noch bevor? Fachleute warnen, das wirklich große Megabeben werde erst noch kommen und das jüngste der Stärke 7,8 an Zerstörungskraft um ein Vielfaches übertreffen. „Wir erwarten ein Beben der Stärke 8 entlang der Himalajas”, sagt Hari Kumar vom GeoHazards International. „Der Druck, der sich westlich dieses Bebens aufgebaut hat, ist noch nicht entwichen.”

Andere Spezialisten pflichten bei. Es könnte eine Serie von Beben mit einer Stärke von über 8 auf der Richterskala geben, fürchtet Harsh Gupta, ehemaliger Direktor des indischen geophysikalischen Untersuchungsinstituts. Andere halten sogar Beben der Stärke 9 für möglich. Das jüngste Beben der Stärke 7,8 hatte eine Zerstörungskraft von 100 Millionen Tonnen Sprengstoff. Bei stärkeren Beben potenziert sich das. So hätte ein Beben der Stärke 9 eine Zerstörungskraft, die 32-mal höher wäre als ein Beben der Stärke 8. Auch in anderen Himalaja-Staaten könnte dies verheerende Folgen haben.

Die Experten sehen in der Zerstörung auch eine Chance

Das liegt nicht nur an den oft billig gebauten Häusern Südasiens, die kaum einem Erdstoß standhalten. Vor allem die hohe Bevölkerungsdichte macht die Region so verwundbar. Fast nirgendwo leben so viele Menschen so eng zusammen wie in den heillos überbevölkerten Staaten und Städten Asiens. Deshalb wirken sich Beben rund um den Globus völlig anders aus. Während ein stärkeres Beben in Kalifornien 10 bis 30 Tote pro 100 000 Einwohner fordern würde, wären es in Nepal schon 1000 Tote auf 100 000 Einwohner. Und in Teilen Pakistans, Indiens, Chinas und Irans sogar bis zu 10 000, sagt David Wald vom US Geological Survey.

Das eigentliche Problem in Asien sei, dass sich Menschen an gefährlichen Plätzen konzentrieren – und das in oft instabilen, baufälligen Gebäuden, sagt James Jackson von der Universität of Cambridge. Seit Jahren schlagen Experten Alarm und mahnen Nepal, die Bauvorschriften zu verschärfen. Die Experten sehen aber in all der Zerstörung auch eine Chance. Nepal habe nun die Möglichkeit, die Gebäude sicherer wieder aufzubauen. Und sich damit vielleicht noch rechtzeitig für das große Beben zu rüsten, das früher oder später kommen werde. „So tragisch diese Tage sind, dies ist die Zeit für eine Wende”, hofft Hari Kumar.

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