Nach dem Fischsterben in Stuttgart Max-Eyth-See wird zum Politikum

Von Jan Sellner 

Der Max-Eyth-See ist gekippt, Zehntausende Fische sind verendet: die Kritik an der Stadtverwaltung wird lauter.

Toter Fisch im toten See. Foto: dpa
Toter Fisch im toten See. Foto: dpa

Stuttgart - Die Fragen rund um das massenhafte Fischsterben im Max-Eyth-See werden drängender und politischer: Nach den Grünen und der FDP meldete sich am Montag die aus Linke, SÖS, Piraten und Tierschutzpartei bestehende Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat mit einem Antrag zu Wort, in dem sie die Stadtverwaltung auffordert, in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Klima und Umwelt Stellung zur „Umweltkatastrophe im Max-Eyth-See“ zu nehmen. Die Fraktion will unter anderem wissen: „Wie konnte es zu der Umweltkrise kommen, die sich bereits seit Jahren abzeichnet? Welche Maßnahmen müssen nun ergriffen werden, um solch einen Ökozid zukünftig auszuschließen? Welche Kosten würden im Hinblick auf den kommenden Haushalt bei einer Sanierung des Sees anfallen?“

CDU in Mühlhausen: Stadtverwaltung darf nicht länger kneifen

Zuvor hatten die Grünen ein „Frühwarnsystem“ für den Max-Eyth-See gefordert. Die FDP regte eine Verbindung zum Neckar an. Die Stadtverwaltung äußerte sich am Montag nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung nach einer Sanierung des beliebten Sees. Das Technische Hilfswerk beendete am Samstag seine Bemühungen um eine Frischwasserzufuhr. Schätzungen des Württembergischen Anglervereins zufolge sind in den vergangenen Tagen bis zu 50 000 Fische im Max-Eyth-See verendet, nachdem der Sauerstoffgehalt in dem Gewässer stark abgesunken war.

Johannes Schlichter, Sprecher der CDU-Bezirksbeiratsfraktion im Mühlhäuser Rathaus, hielt der Stadtverwaltung am Montag „unverantwortliches Verhalten“ vor. „Wie konnte die Stadt sehenden Auges das Umkippen des Sees einfach zulassen und alle Forderungen aus Mühlhausen jahrelang ignorieren?“ Der See sei das vierte Jahr in Folge gekippt. Die Stadt könne jetzt nicht länger kneifen und sich darauf beschränken, „Experten am Ufer aufmarschieren zu lassen, die dann unverrichteter Dinge wieder abziehen“. Scharfe Kritik richtete Schlichter an die Adresse von Umweltbürgermeister Peter Pätzold (Grüne), der auf Lösungen in einer ferneren Zukunft verweise. Die Bürger seien zutiefst verärgert. Das drücke sich auch in Unterschriftensammlungen aus.

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