Nach dem Großbrand in Remseck Anwohner sorgen sich um ihre Gesundheit

Die Ermittlungen zum Großbrand in Aldingen am Freitag laufen an. Der Geschäftsführer des Autoverwertungs-Betriebs möchte weitermachen, die anliegenden Gewerbetreibenden fühlen sich indes von der Stadt im Stich gelassen. Und sie haben Angst.

Die Halle des Autoverwerters ist abgebrannt. Der Betrieb läuft zur Verärgerung der Anwohner dennoch weiter. Foto: factum/Granville 13 Bilder
Die Halle des Autoverwerters ist abgebrannt. Der Betrieb läuft zur Verärgerung der Anwohner dennoch weiter. Foto: factum/Granville

Remseck/Neckar - Schwarze Wände, Asbest-Splitter auf der Straße und eine Asche-Schicht auf abgestellten Autos: knapp eine Woche nach dem Aufsehen erregenden Brand in einem Remsecker Gewerbegebiet im Ortsteil Aldingen am Freitag sind die Spuren der Feuersbrunst immer noch zu sehen. Vieles ist dabei noch unklar, beispielsweise die Ursache für den verheerenden Brand in einer Fahrzeughalle, den knapp 200 Feuerwehrleute mehrere Stunden lang bekämpfen mussten, ehe er eingedämmt werden konnte.

Zumindest einsturzgefährdet soll die Halle, in der Schrottautos in kleine Würfel gepresst wurden, nicht sein. Das habe die Begutachtung durch einen Statiker ergeben. An diesem Freitag sollen dann die Brand- und Kriminalermittler zum ersten Mal anrücken, heißt es bei der Polizei. Brandstiftung soll es überdies keine gewesen sein, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn, „wenn, dann eine fahrlässige“. Bei einer Autoverschrottung ist naturgemäß auch viel Öl und Treibstoff im Spiel. Die Rauchwolke des Brandes war kilometerweit sichtbar.

Anwohner haben Angst um ihre Gesundheit

Anliegende Gewerbetreibende haben in Anbetracht des Ausmaßes des Brandes Angst um ihre Gesundheit: „Das ist eine Umweltkatastrophe für uns, und die Stadt tut so, als sei nichts passiert“, sagt Philipp Stickel. Er führt mit seinem Bruder eine Werbeagentur und hat sein Büro und seine Wohnung nahe der abgebrannten Halle. Nach dem Brand habe er in seinem Garten Asche liegen gehabt. Sein Gemüse, Tomaten und Zucchini, rührt er seitdem nicht mehr an: „Das muss ich alles wegschmeißen.“ Sein Nachbar, der Schreinermeister Denis Zezelj, berichtet Ähnliches: „Ich hatte Asbest auf meinem Gartentisch.“ Man wisse nicht, was da alles in der Halle verbrannt sei: Autobatterien, Reifen, Öl, Eternitplatten vom Dach. „Die Stadt sagt, das sei alles harmlos, dabei sind die nach dem Brand auf Straßen und Grundstücken verbliebenen Stäube noch gar nicht gemessen worden“, sagt Stickels Vater Harald.

Die auf Automobilthemen spezialisierte freie Journalistin Anna Matuschek hat eine Werkstatt gegenüber der abgebrannten Halle. Sie berichtet von Kopfschmerzen durch den Gestank von Verbranntem. Sie alle sind überzeugt, dass der Brand nicht nur gesundheits-, sondern auch geschäftsschädigend für sie sein kann. Hinzu komme die Angst, dass es jederzeit wieder passieren könnte, denn nach wie vor würden Autos an- und abtransportiert. Von der Stadt fühlt man sich allein gelassen. „Die Stadt behandelt das wie einen Scheunenbrand“, sagt Harald Stickel.

Der Betreiber will den Betrieb wieder aufbauen

Von offizieller Seite heißt es, Schadstoffmessungen der Feuerwehr hätten ergeben, dass keine Gefahr für Anwohner bestehe. Dennoch wurden sie am Freitag aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Anfrage bei der dafür zuständigen Immissionsschutzbehörde beim Landratsamt blieb bislang unbeantwortet.

„Wir tun alles im Rahmen unserer Zuständigkeiten“, sagt der Erste Bürgermeister Remsecks, Karl-Heinz Balzer. Man stehe im Kontakt mit den zuständigen Behörden beim Landratsamt. Weil eine Mauer einsturzgefährdet schien, habe die Stadt die Straße gesperrt. Als Entwarnung durch den Statiker kam, habe man die Straße wieder öffnen können. Die Löscharbeiten der Feuerwehr haben „hervorragend geklappt“, es sei „kein Tropfen Löschwasser in den Neckar geflossen“. Zudem sei kein anliegendes Gebäude „entscheidend gefährdet“ worden. Wegen eventueller Schäden müssten die Anwohner sich jedoch an den Eigentümer des Betriebs beziehungsweise an seine Versicherung wenden.

Der weiß auf Nachfrage nichts von Beschwerden benachbarter Gewerbetreibender: „Das ist aber auch nicht unsere Aufgabe, das zu klären“, sagt Kemal Ketenci, der Geschäftsführer von „AV Aldingen Autoverwertung Stuttgart“. Man möchte den Betrieb wieder aufbauen, „und zwar noch sicherer und moderner“. Zum Ausmaß des Schadens könne er aktuell noch nichts sagen. Der Betrieb sei derzeit stillgelegt, man verhandele aber gerade mit den Behörden, ob der vordere Teil des Geländes weiter benutzt werden könne. Am Freitagvormittag jedenfalls war der Autokran schon wieder in Betrieb und es wurden gepresste sowie verbrannte Autos abtransportiert. Das bringt die Anwohner noch mehr auf. Laut Polizei ist das aber in Ordnung: Nur die abgebrannte Halle ist wegen der Ermittlungen gesperrt. Auf der Freifläche davor dürfe gearbeitet werden.