Nach dem Großeinsatz in Bietigheim-Bissingen Warum ein Haus zweimal in der gleichen Nacht brennen kann

Von Julian Illi 

300 000 Euro Schaden und ein unbewohnbares Haus: Die Folgen des Großbrandes in der Neujahrsnacht in Bietigheim-Bissingen sind erheblich. Nun ermittelt die Polizei, wie das Feuer ausbrechen konnte – denn wenige Stunden vorher war die Feuerwehr schon einmal vor Ort.

Voller Einsatz: Die Feuerwehr war an Neujahr in Bietigheim gefordert. Foto: 7aktuell
Voller Einsatz: Die Feuerwehr war an Neujahr in Bietigheim gefordert. Foto: 7aktuell

Bietigheim-Bissingen - So richtig kann sich Frank Wallesch das Geschehen auch am Tag danach nicht erklären: ein Haus, das in ein und derselben Nacht gleich zweimal brennt – obwohl die Feuerwehr beim ersten Alarm schnell vor Ort war und das Feuer rasch unter Kontrolle hatte? „Die Gründe muss wohl ein Gutachter rausfinden“, sagte der Kommandant der Bietigheim-Bissinger Feuerwehr. Was er mit Sicherheit sagen kann: „Die Kameraden haben nach dem ersten Einsatz alles kontrolliert.“

Gegen 1.30 Uhr waren sie am Neujahrsmorgen in die Etzelstraße gerufen worden, weil Feuerwerk, das unvorsichtige Anwohner in einer Mülltonne entsorgt hatten, den Anbau eines Wohnhauses in Flammen gesetzt hatte. Recht zügig war der Brand gelöscht. Doch fünf Stunden später musste die Wehr erneut in der Etzelstraße ran, dieses Mal stand das komplette Dach des Wohnhauses in Flammen. Das Gebäude wurde bei dem zweiten Brand schwer beschädigt und ist zum Teil nicht mehr bewohnbar, der Schaden liegt laut der Polizei bei 300 000 Euro. Verletzt wurde niemand.

Feuerwehr sieht keine Versäumnisse

Es könne sein, dass Glutnester, die unentdeckt blieben, den zweiten Brand ausgelöst hätten, sagt Wallesch. Er betont aber, dass die Wehrleute das Haus nach dem Löschen mehrfach mit Wärmebildkameras auf genau solche Stellen abgesucht und keine Hitze mehr entdeckt hätten. Sogar die Verkleidung des Daches sei teilweise aufgesägt worden, um wirklich sicher zu gehen, dass alles gelöscht ist. „Wir haben alles getan, was vorgesehen ist.“

Da das Haus aus dem Jahr 1948 stammt, entspreche die Dämmung nicht den heutigen Standards, gibt der Kommandant zu bedenken. Möglicherweise habe es dort noch geglimmt. „Die Ursache kann aber auch eine andere sein.“ Eine Brandwache, die nach dem ersten Löschen am Einsatzort blieb, stellte die Feuerwehr nicht. Nach dem zweiten Einsatz blieb dann ein Fahrzeug vor Ort, um auszuschließen, dass das Feuer erneut ausbrechen kann.

Polizei: Glutnester als wahrscheinliche Ursache

„Wir gehen davon aus, dass ein unentdecktes Glutnest den zweiten Brand ausgelöst hat“, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Die Ermittlungen seien zwar noch im Gange, eine andere Möglichkeit käme derzeit aber nicht in Betracht. Sollte sich der Verdacht erhärten, müssen die Feuerwehrleute gleichwohl keine Strafe befürchten. „Da gibt es keine Vorwürfe.“