Das Amtsgericht Ludwigsburg hat über den Ditzinger Oldtimer-Betrieb Kienle ein allgemeines Verfügungsverbot verhängt und damit dessen Chef Klaus Kienle faktisch entmachtet. Die Entscheidung erfolge „zur Verhinderung nachteiliger Veränderungen in der Vermögenslage der Schuldnerin“, erklärte das für den Insolvenzantrag des Unternehmens zuständige Gericht. Die Befugnis, das Vermögen der Schuldnerin – also des Oldtimer-Unternehmens – zu verwalten und darüber zu verfügen, gehe auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über.
Das Gericht machte den vorläufigen Insolvenzverwalter Philipp Grub damit zu einem sogenannten starken Insolvenzverwalter und stattet ihn mit weitgehenden Rechten aus, noch bevor das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet ist. Offenbar sieht das Gericht das Risiko, dass ein Weiterbetrieb des Unternehmens unter Kienles Regie mit nachteiligen Folgen für das Vermögen des Unternehmens verbunden sein könnte, das zur Bedienung der Gläubiger zur Verfügung steht. Nach dem Gesetz hat der Insolvenzverwalter überdies zu prüfen, ob das Vermögen des Schuldners die Kosten des Verfahrens decken wird; nur dann kann das Insolvenzverfahren eröffnet werden.
Es geht um den Erhalt des Vermögens
Mehrere Reformen des Insolvenzrechts hatten zum Ziel, die Weiterführung von Unternehmen zu erleichtern und auch die bisherige Geschäftsleitung einzubeziehen. Der Gesetzgeber verspricht sich von der Weiterführung neben dem Erhalt der Arbeitsplätze auch eine Verbesserung der Situation der Gläubiger, falls durch Gewinne zusätzliches Geld in die Kassen kommt. Im besten Fall können dadurch die Gläubiger vor Verlusten bewahrt werden, die ihnen bei einer Auflösung des Unternehmens entstanden wären. Zugleich gilt es aber, das Risiko einer weiteren Verschlechterung der Lage zu verhindern, durch die die Gläubiger noch mehr Geld verlieren würden. Dass das Gericht erklärt, die faktische Entmachtung Kienles erfolge „zur Verhinderung nachteiliger Veränderungen in der Vermögenslage der Schuldnerin“, deutet auf eine kritische Sichtweite der Perspektiven unter Kienle hin.
Gegen Kienle wird seit dem Frühjahr wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt; Ende Oktober meldete das Unternehmen Insolvenz an. Der vorläufige Insolvenzverwalter Philipp Grub hält die Betrugsermittlungen für den Grund der wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens. Die Geschäftsberichte vergangener Jahre zeigen, dass der Oldtimer-Händler schon vor Jahren wirtschaftliche Probleme hatte, die nicht mit den aktuellen Betrugsermittlungen zusammenhängen. Im Frühjahr erwog Mercedes eine Übernahme; Gespräche führten jedoch nicht zu einem Abschluss.