Nach dem Nein zur Fusion Die Deutsche Bank hat noch keinen Plan B

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Vorstandschef Sewing will sich auf die Erfüllung seiner 2018 verkündeten Ziele konzentrieren. Er verspricht, die Umsetzung der Pläne zu „beschleunigen“ – wie das gehen soll, bleibt aber offen.

Die Hoffnung auf steigende Erträge hat Sewing für dieses Jahr aufgegeben. Foto: dpa
Die Hoffnung auf steigende Erträge hat Sewing für dieses Jahr aufgegeben. Foto: dpa

Frankfurt - Die Deutsche Bank hat die Hoffnung auf eine Steigerung ihrer Umsätze im laufenden Jahr aufgegeben. „Wir erwarten, dass unsere Erträge im Jahr 2019 im Wesentlichen unverändert zum Vorjahr bleiben werden“, teilte das Institut am Freitag mit – einen Tag nach Abbruch der Fusionsgespräche mit der Commerzbank. Entgegen den Erwartungen vieler Beobachter gab die Deutsche Bank auch keine neue Strategie bekannt. Der Aktienkurs rutschte weiter ab.

Zwar steigerte die Bank ihren Quartalsgewinn gegenüber dem Vorjahr um 67 Prozent auf 201 Millionen Euro. Doch mit ihrem Ausblick verstärkte sie offenkundig die Zukunftssorgen der Anleger. Konzernchef Christian Sewing betonte in einer Telefonkonferenz mit Analysten: „Wir versuchen jetzt alles, um die Umsetzung unserer bisherigen Pläne zu beschleunigen.“ So wolle man „daran arbeiten, die Ertragsschwäche durch weitere Kostensenkungen auszugleichen“. An welcher Stelle gespart werden soll, sagte der Bankchef aber nicht.

Probleme im Investmentbanking

Zu Sewings wichtigsten Zielen gehört eine Steigerung der Eigenkapitalrendite nach Steuern, die er noch in diesem Jahr auf mehr als vier Prozent hieven will. Im ersten Quartal lag sie bei 1,3 Prozent. Gedrückt wurde die Rendite vor allem durch das schlechte Ergebnis der Investmentbankingsparte: In ihrer einstigen Parade-Disziplin machte die Deutsche Bank das zweite Quartal in Folge Verlust. Das Kapitalmarktgeschäft litt unter den Marktturbulenzen rund um den Jahreswechsel, als viele Anleger eine Rezession fürchteten.

Deutlich besser als im Investmentbanking fielen die Ergebnisse im Privat- und Firmenkundengeschäft der Bank wie auch in der Vermögensverwaltung aus. Die Fondstochter DWS erwirtschaftete rund die Hälfte des gesamten Konzerngewinns.

Während sich die Deutsche Bank nach Sewings Worten jetzt auf ihr „eigenständiges Programm“ konzentrieren will, ist er für einen Zusammenschluss der DWS mit einem Konkurrenten offen: „Wir wollen uns an der Konsolidierung beteiligen, die wir in der Vermögensverwaltungsbranche erwarten“, sagte der Bankchef. Vor Kurzem hatte die französische Fondsgesellschaft Amundi Interesse an der DWS angedeutet. Zudem gibt es Gerüchte, die Deutsche Bank selbst wolle ihre Tochter mit der Fondssparte der Schweizer UBS verbandeln. Sewing machte aber deutlich, dass er die DWS nicht komplett verkaufen will: „Die DWS bleibt Teil unserer Strategie.“

Sewing verteidigt die Verhandlungen mit der Commerzbank

Mit Blick auf die Commerzbank bekräftigte der Deutsche-Bank-Chef, eine Fusion hätte – gemessen an den damit verbundenen Risiken – keinen hinreichenden Mehrwert gebracht. Zur Begründung verwies er unter anderem darauf, dass es im Firmenkundengeschäft der beiden Banken viele „Überschneidungen“ gebe. Der Kundenzuwachs wäre also zumindest in diesem Segment überschaubar gewesen.

Zugleich verwahrte sich Sewing gegen den Vorwurf, die Verhandlungen wären von vornherein überflüssig gewesen. „Wenn man die Chance auf einen Zusammenschluss mit dem zweitgrößten Wettbewerber hat, muss man sich das natürlich genau anschauen“, sagte der Konzernchef. Zuvor hatte ein anderer Deutsche-Bank-Manager im Gespräch mit Journalisten betont, die Initiative für die Gespräche sei von der Commerzbank ausgegangen.

Größter Einzelaktionär der Commerzbank ist der Bund, der in der Finanzkrise bei dem Institut eingestiegen war und noch einen Anteil von rund 15 Prozent hält. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) gilt als Treiber der Fusion. Seit seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr führten Scholz und seine Staatssekretäre zahlreiche Gespräche mit Spitzenvertretern beider Banken.

Auf Kritik stieß das Wirken des Ministeriums auch wegen der Vergangenheit von Finanzstaatssekretär Jörg Kukies. Der einstige Juso-Funktionär war bis 2018 einer der beiden Deutschland-Chefs der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Diese soll die Commerzbank in den Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank beraten haben. Das Bundesfinanzministerium wies am Freitag den Verdacht zurück, Kukies könnte im Auftrag seines Ex-Arbeitgebers gehandelt haben: „Es bestehen keine Abmachungen hinsichtlich einer Rückkehr von Herrn Dr. Kukies zu seinem früheren Arbeitgeber“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Frank Schäffler.