Nach dem Sieg gegen Portugal bei der EM 2021 Das Liebescomeback – wenn das Team so weiter macht

Das deutsche Team darf wieder jubeln – nach dem 4:2-Erfolg bei der EM 2021 gegen Portugal. Foto: dpa/Federico Gambarini

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat beim 4:2 gegen Portugal für Begeisterung gesorgt. Ist also alles wieder gut? Nur, wenn das Team genau so weitermacht, kommentiert unser EM-Reporter Marco Seliger.

Sport: Marco Seliger (sem)

München - Blicken wir mal kurz auf die Stimmung in diesem Land am Samstagmittag um kurz vor fünf. Was also dachten und sagten die meisten Fans und Experten, als im Stadion in München und im Fernsehen in der ARD die deutsche Aufstellung verkündet wurde? Das alles ging eine knappe Stunde vor dem Anpfiff des Spiels der DFB-Elf gegen Portugal in diese Richtung: Schon wieder Dreierkette hinten? Blödsinn! Joshua Kimmich schon wieder auf rechts außen? Mannomann, total verschenkt! Und Toni Kroos und Ilkay Gündogan schon wieder nebeneinander auf der Doppelsechs? Was macht denn dieser Jogi Löw denn da schon wieder? Hat der den Schuss immer noch nicht gehört?

 

Der Bundestrainer also hatte Personal und Taktik gegen Portugal so belassen wie beim EM-Auftakt gegen Frankreich – und gewann am Ende alles. Man müsse Feinheiten ändern, offensiver spielen, höher stehen, mutiger agieren, dann käme man zu Torchancen, das hatte Löw vorher gesagt. Genau so geschah es – und siehe da: Es wurde ein rauschendes Fußballfest gegen die Portugiesen. Nach langer, langer Zeit wieder trug das DFB-Team mal wieder Freude aus einem Stadion hinaus ins Land. Und nach langer, langer Zeit, hatte Joachim Löw mit seiner Ausrichtung in einem Spiel mal wieder alles richtig gemacht.

Der Samstag als Beispiel für kommende Aufgaben

Das hatten der Truppe und ihrem Trainer nicht mehr viele Menschen zugetraut. Zu uninspiriert, kleinmütig und schwach hatte sich die Mannschaft in den vergangenen Monaten und Jahren präsentiert – angeleitet von einem Fußballlehrer, der offenbar weder bei seinen Spielern noch beim Fußballvolke Emotionen wecken konnte (zumindest keine positiven). Wäre das Ding gegen Portugal schiefgegangen, der öffentliche Verriss Löws hätte ähnliche Dimensionen erreicht wie beim WM-Desaster 2018. Jetzt sangen die Fans in München plötzlich nach 60 Minuten „Oh wie ist das schön“ – und fügten den in diesem Falle entscheidenden Zusatz bei diesem alten Stadionhit an: „So was hat man lange nicht geseh’n!“

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Es gibt nun also wieder erste kleine Liebeleien nach dem Bruch dieser einst so festen Beziehung zwischen deutschem Fußballvolk und deutschem Fußball-Nationalteam. 90 Minuten der Hingabe gegen Portugal reichen dabei allerdings noch lange nicht aus, um das in den vergangenen Jahren verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen. Der leidenschaftliche Auftritt vom Samstagabend aber war nun zumindest ein kleiner Anfang für eine neue Annäherung –und führt vielleicht sogar zum Liebescomeback auf dem weiteren Weg in diesem EM-Turnier. Allerdings nur, wenn das deutsche Team da weitermacht, wo es am Samstagabend aufgehört hat.

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