Nach dem Tod von Andi Knauß Traurig und beeindruckend: Witwe übernimmt Erbe des Ausnahmewinzers
Nach dem frühen Tod von Andi Knauß hat seine Witwe Manuela das Strümpfelbacher Weingut übernommen. Dieses Frühjahr füllte sie seinen letzten Jahrgang ab.
Nach dem frühen Tod von Andi Knauß hat seine Witwe Manuela das Strümpfelbacher Weingut übernommen. Dieses Frühjahr füllte sie seinen letzten Jahrgang ab.
Es ist sein Erbe, Héritage 294 heißen die Weine: Der letzte Jahrgang von Andi Knauß ist abgefüllt. „Ein Wein, eine Geschichte, ein Vermächtnis“ postete Manuela Knauß zum Verkaufsstart am 29. April auf den Sozialen Medien. An dem Tag haben ihre Zwillinge Geburtstag. Im Herbst 2023 ist der Winzer aus Strümpfelbach viel zu früh gestorben. „Er war ein außergewöhnlicher Mensch“, sagt sie, „und seine Weine waren es auch.“ Im Weingut Knauß geht es seither ohne ihn weiter: Manuela Knauß hat sich in den Betrieb eingearbeitet. Rechtsanwaltsgehilfin ist sie eigentlich von Beruf, bei der Veranstaltungsplanung und der Werbung unterstützte sie ihren Mann bislang. „Es war nicht einfach“, sagt sie, „manchmal kam ich mir vor, als würde ich wieder auf die Schule gehen.“ Ihre Schwiegereltern Horst und Margit Knauß stehen ihr zur Seite – und für den Keller engagierte sie einen in der Region bekannten Winzer.
„Die Option Aufgeben stand nicht im Raum“, sagt die Witwe. Die Rebfläche hat sie verkleinert, ein paar Kunden verloren. So viel zu reisen und für das Weingut zu werben wie ihr Mann, kann sie allein wegen der Kinder nicht leisten. Seinen Stil zu kopieren, hat Manuela Knauß gar nicht erst versucht. Als Kellermeister engagierte sie Frank Haller. Seit Jahren kennen sie sich, auf der Messe Pro Wein teilten sie sich schon einen Stand, der Winzer ist mit seinem eigenen Betrieb und als Mitarbeiter vom Weingut der Stadt Stuttgart längst zu einer Institution in der regionalen Weinszene geworden. „Unsere Handschrift ist natürlich anders“, sagt sie. Dennoch sei es ihnen gelungen, die Qualität und die meisten Kunden zu halten. Weine mit weniger Alkohol und mehr Restsüße gehören neuerdings zum Sortiment, weil dieser Stil beispielsweise von den skandinavischen Importeuren gefragt werde.
„Ich will meinen Kindern eine Zukunft bieten und Vorbild sein“, sagt Manuela Knauß. Außerdem sei das Weingut auch das Lebenswerk ihrer Schwiegereltern. Sie betreiben nach wie vor ihren Sonna Besen, wo es neben den hauseigenen Tropfen schwäbische und saisonale Gerichte aus der Küche von Margit Knauß gibt. Für die Héritage-Kollektion lagen die Weine zwei Jahre lang in kleinen Eichenfässern. Eine rote Cuvée, drei weiße Burgundersorten und ein Riesling werden unter dem Label verkauft. Der Chardonnay ist ein beeindruckendes Erbe im Stil von großen Chardonnays, voller Eleganz, gepaart mit Kraft und Fülle. Mineralisch ist er, hat einen Touch von Zündholz und eine kräutrige Note. Mit viel Schmelz und Tiefe bleibt er lange in Erinnerung, seine frische Säure lässt den Wein lebendig erscheinen. Ihn zu trinken, macht traurig und gleichzeitig glücklich.
Das Urteil der Weinrunde:
Holger Gayer Dieser Chardonnay zeigt auf die beste Weise, was für ein visionärer Winzer Andi Knauß war. Die Frucht ist noch präsent, die Mineralik sowieso, mit leicht rauchiger Feuerstein-Note – die Balance ist perfekt. Ein grandioser Wein.
Michael Weier Bei diesem Wein schlucke ich zweimal. Die Erinnerung an Andi Knauß geht nahe, der Wein auch. Eine ziemlich geniale Erinnerung an einen so feinen Menschen und einen der talentiertesten Weinmacher.
Chardonnay Heritage 294, 2022, 36 Euro, Weingut Knauß, Strümpfelbach, Telefon 071 51 / 60 63 45. www.weingut-knauss.com