Nach den Schreckschüssen Wie gefährlich ist es am Böblinger Bahnhof?

Am Böblinger Bahnhof ist bis in die Abendstunden viel los. Foto: Eibner-Pressefoto/Dimi Drofitsch

Am Dienstag hat ein 41-Jähriger am Böblinger Bahnhof mit einer Schreckschusswaffe geschossen und eine Person bedroht. Was sagen Polizei und Ordnungsamt dazu, dass es hier immer wieder Gewalt gibt?

Böblingen: Julia Theermann (the)

Ein Unbekannter schießt am Dienstagnachmittag am Böblinger Bahnhof mehrmals mit einer Schreckschusspistole auf den Boden. Die Bundespolizei vermutet einen Zusammenhang mit einem Streit zwischen mindestens vier bis fünf Personen gegen 14.10 Uhr am Bahnsteig 1.

 

Im Nachgang wird mit einer Personenbeschreibung nach einem Verdächtigen gefahndet und nach Zeugen der Schießerei gesucht – mit Erfolg. Noch am Abend, gegen 20.40 Uhr, wird an einem Treppenaufgang im Bahnhof ein 41-Jähriger festgenommen. Er soll nicht nur geschossen, sondern auch mindestens eine Person mit seiner Schreckschusswaffe bedroht haben.

Mehrere Fälle von Gewalt im Januar

Bei der Festnahme hatte der Mann nicht nur mehr als 2,6 Promille im Blut, sondern auch noch die Waffe im Hosenbund stecken. Wie die Bundespolizei mitteilt, ist der Mann bereits polizeibekannt und muss nun mit einem Verfahren wegen Bedrohung und Verstoßes gegen das Waffengesetz rechnen.

Es ist nicht der erste Fall von Gewalt am Böblinger Bahnhof. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Besonders bedrückendend sind einige Höhepunkte im Januar, als kurz nach dem Jahreswechsel ein 14-Jähriger vor dem Bahnhof von zehn Jugendlichen attackiert und am Kopf verletzt wurde. Nicht einmal eine Woche später wurden zwei 16-Jährige am Böblinger Bahnhof mit Messern und Schlagstöcken angegriffen, und einer der Jugendlichen wurde leicht verletzt.

Messerattacke kurz vor Weihnachten

Doch ein Fall kurz vor Weihnachten wirkt noch krasser: Am 22. Dezember wurde ein 31-Jähriger schwer verletzt. Auf ihn war ein 42-Jähriger losgegangen, der ihm mehrere Stiche mit einem Messer in den Oberkörper versetzte. Der Täter ließ sich widerstandslos festnehmen. In allen Fällen ging das Polizeipräsidium Ludwigsburg von privaten Vorgeschichten aus, die sich zufällig am Bahnhof entladen hätten. Unbeteiligte seien bei keinem der Fälle involviert gewesen.

Aus der polizeilichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr geht hervor, dass es im Kreis Böblingen 2022 ein Plus um 45,6 Prozent auf 166 Fälle von Aggressionsdelikten im ÖPNV gab – darunter fallen auch Taten an Bahnhöfen. Doch ist es nicht ein neues Level, wenn jemand eine Schusswaffe zieht? Das für Böblingen zuständige Polizeipräsidium Ludwigsburg sieht das nicht so. „Aus polizeilicher Sicht ergibt sich daraus kein Brennpunkt“, sagt eine Sprecherin.

Polizei und Ordnungsamt setzen auf Präsenz

Es sei nun einmal so, dass der Bahnhof sowie der Busbahnhof bis in die späten Abendstunden stark belebt seien. Zudem gebe es Leute, die sich dort gerne träfen und aufhielten. „Es mag nun im Einzelfall das subjektive Sicherheitsgefühl beeinflussen, wenn sich zum Beispiel mehrere Personengruppen dort aufhalten, sich lautstark unterhalten, vielleicht Musik hören und Alkohol trinken“, räumt sie ein. Am Bahnhof und die Umgebung sei darum mehrmals täglich Polizei unterwegs.

Auch die Stadt Böblingen beobachtet die Entwicklungen am Bahnhof aufmerksam. Gisa Gaietto, Leiterin des Bürger- und Ordnungsamts, verweist sie auf die kommunale Kriminalprävention, im Rahmen derer ihr Amt mit Polizei, Jugendarbeit, der Präventionsstelle im Landratsamt, und mit Unternehmen kooperiert. „Störungen und Straftaten werden zusammen mit der Polizei konsequent verfolgt und geahndet“, betont sie.

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