Nach der Bürgermeisterwahl in Gerlingen Mehr Trainingsflächen wären erste Wahl

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Der größte Verein fordert ein Sportkonzept vom designierten Bürgermeister Dirk Oestringer. Sein Ergebnis von 67,7 Prozent ist nicht erwartet worden. Viele Stadträte wünschen sich, dass die unterlegene Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel im Rathaus bleibt.

Die Fußballer des FC Gerlingen (blaues Trikot) kämpfen in verschiedenen Ligen um Punkte. Foto: Andreas Gorr
Die Fußballer des FC Gerlingen (blaues Trikot) kämpfen in verschiedenen Ligen um Punkte. Foto: Andreas Gorr

Gerlingen - Dass er gewinnt, war mir klar.“ „Das Ergebnis in dieser Dimension hat mich erschreckt.“ „Ich habe auf den zweiten Wahlgang getippt.“ So wie den Gerlinger Stadträten Peter Zydel (FDP), Rolf Schneider (Grüne) und Barbara Günther (SPD) geht es vielen Menschen in den Tagen nach der Bürgermeisterwahl. Auf Oestringers Sieg (67,7 Prozent) hatten viele getippt. Dass sich Martina Koch-Haßdenteufel mit nur 28,3 Prozent so deutlich geschlagen geben musste – das hat die allermeisten aber doch überrascht. Gemeinderäte appellieren jetzt an die Erste Beigeordnete, im Rathaus zu bleiben. Sie solle ihre gute Arbeit im Finanz- und Sozialbereich zum Wohl der Stadt fortführen.

Während Koch-Haßdenteufel Unterstützung erfährt, werden an den am Sonntag gewählten Dirk Oestringer bereits die ersten Forderungen gestellt. So sagt Sabine Wahl, die Vorsitzende der Kultur- und Sportgemeinde Gerlingen (KSG), rasch und deutlich: „Wir erwarten vom neuen Bürgermeister ein Sportkonzept.“ Alle Vereine in der Stadt müssten zusammensitzen „und sagen, was sie gern hätten oder brauchen“. Ein solches Programm der Stadt gebe es noch nicht. „Es ist kein Konzept, Hallen zu bauen.“ Wie berichtet, wird mit dem Bau der neuen Breitwiesenhalle im Januar begonnen. Daneben gibt es einen neuen Rasenplatz. Mit der Halle stelle man zwar einige Vereinssportler zufrieden, so Wahl. Der Mangel an Trainingsflächen werde dadurch aber nicht komplett beseitigt.

Oestringer soll sich kümmern

„Wir wünschen uns vom neuen Bürgermeister, dass er sich darum kümmert“, macht Wahl unmissverständlich deutlich, „auch wenn er sich um 1000 andere Sachen kümmern sollte. Er ist nicht nur von den Sportvereinen gewählt.“ Die Vereine in Gerlingen beklagen seit Jahren, dass es zu wenig Hallen und Sportflächen gibt, um alle Trainingswünsche zu erfüllen. Die Stadthalle steht generell wegen anderer Veranstaltungen dem Sport nur eingeschränkt zur Verfügung. Wegen eines Wasserschadens ist sie seit einigen Wochen gesperrt. Und wenn sie saniert sei, so Wahl, „deckt sie den Bedarf nicht“. Oestringer müsse mit den Vereinen reden, sagt Wahl, „die neue Breitwiesenhalle muss ein Anfang sein“. Man dürfe nicht vergessen, dass die Turnhalle der Realschule nicht mehr nutzbar sei. Auch der FC Gerlingen, so Wahl, habe mit seinen Fußballern Probleme – da helfe die KSG mit ihrem Platz auf der Schillerhöhe.

Auch eine andere Gruppe hat Wünsche an den neuen Rathauschef. Heike Bischoff vom Marketingverein „Mein Gerlingen“ erhofft sich von Dirk Oestringer, „dass er die aktive Mitgliedschaft von Georg Brenner übernimmt“. Man wünsche sich dieselbe Unterstützung, sei aber „auch offen für neue Ideen“. Bischoff hat nicht damit gerechnet, dass sich zwischen Oestringer und Koch-Haßdenteufel ein „so großer Unterschied“ in der Wählergunst ergibt.

Unterstützung für Koch-Haßdenteufel

Gemeinderäte unterstützen die Erste Beigeordnete und wünschen sich, dass sie trotz ihrer Niederlage an Bord bleibt. Rolf Schneider (Grüne): „Sie wird für Dinge verantwortlich gemacht, für die sie nicht verantwortlich ist. Man hat ihr angekreidet, dass sie sich in ihrem Wahlkampf in den Mittelpunkt gestellt hat.“ Beide Vorwürfe verstehe er nicht. Auch Peter Zydel (FDP) unterstützt die Unterlegene: „Sie und Herr Oestringer wären ein gutes Team. Er braucht Unterstützung von erfahrenen Leuten.“ Die SPD-Stadträtin Barbara Günther ist derselben Meinung wie der Ortsvereinsvorsitzende Frank Moll. Der sagt: „Ich hoffe, dass sie weiter mit voller Kraft für die Stadt arbeitet.“ Vertreter der CDU und Freien Wähler hatten sich am Sonntag ebenso geäußert.

Koch-Haßdenteufel teilte auf Anfrage unserer Zeitung nur mit, sie sei diese Woche nicht mehr im Rathaus. Am Wahlabend hatte sie gesagt „es ist alles offen, ich bin noch für sechs Jahre gewählt“.