Stuttgart/Dortmund - Die Fakten sprachen gegen Lucien Favre. Der Trainer hat die vergangenen drei Heimspiele mit Borussia Dortmund, das nur noch Fünfter ist in der Liga, verloren. In den vergangenen beiden Spielzeiten war im DFB-Pokal und in der Champions League im Achtelfinale Schluss. Favre blieb titellos beim BVB, vom unwichtigen Supercup abgesehen.
Nach dem 1:5 gegen den VfB Stuttgart ist der Schweizer, der oft Zweifel an den Zielen äußerte, nun Geschichte in Dortmund. Dabei hätten die Clubbosse mit Favre, dessen Vertrag im Sommer auslief, gerne bis Saisonende weitergemacht und sich so Zeit bei der Nachfolgersuche verschafft.
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Trotz der Trennung und des jüngsten Negativtrends kann man jedoch nicht sagen, dass Favre bei der Borussia komplett gescheitert sei. Denn mit 2,08 Punkten im Schnitt liegt er knapp hinter Thomas Tuchel (2,09) mit der besten Ausbeute aller BVB-Trainer in der Historie. Favre entwickelte die Mannschaft spielerisch weiter, so ähnlich, wie das vorher auch Tuchel in seinen zwei BVB-Jahren tat. Aber der kühle Analyst eroberte nicht die Herzen in diesem pulsierenden Club. Nicht im Vorstand. Nicht bei den Fans.
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An Tuchel und Favre lässt sich das Hauptproblem beim BVB seit dem Sommer 2015 festmachen. Da ging ein gewisser Jürgen Klopp, und seither wurden die Clubbosse um Hans-Joachim Watzke (im Falle von Tuchel) oder das emotional aufgeladene Umfeld (bei Favre) nie warm mit den Nachfolgern des in Dortmund noch heute verehrten Menschenfängers Klopp. Oder anders: Jeder Coach wurde mit dem Stadtheiligen verglichen. Und verlor diesen Vergleich am Ende – ob berechtigt oder nicht – krachend. Jetzt beginnt die Trainersuche beim BVB von Neuem. Fakt ist: Der nächste Schuss der Verantwortlichen sollte sitzen. Ansonsten geraten auch sie bald mächtig unter Druck.