Nach der Eskalation um Dietmar Hopp Die neue Messlatte in der Fußball-Bundesliga

Solidarität nach dem Schlusspfiff: Spieler und Funktionäre der TSG Hoffenheim und des FC Bayern. Foto: AFP/Daniel Roland

Als Reaktion auf Schmähungen und Beleidigungen haben die TSG Hoffenheim und der FC Bayern am Samstag ein Zeichen gesetzt – und so einen Maßstab für künftige Fälle abseits von Dietmar Hopp gesetzt, kommentiert unser Autor Dirk Preiß.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Stuttgart - 3:3, 1:0, 0:6, 2:3, 2:0, 3:0 – das sind die bisherigen Ergebnisse der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende. Die können durchaus in Vergessenheit geraten. Denn: Um Fußball an sich ging es an diesem Spieltag bisher ja nur am Rande. Stattdessen: Weitere Schmähungen, Hetzplakate und Beleidigungen in verschiedenen Fankurven. Und ein erstes deutliches Signal.

 

Als im Spiel der TSG Hoffenheim gegen den FC Bayern Anhänger des Rekordmeisters auf Plakaten TSG-Mäzen Dietmar Hopp beleidigten, unterbrach Schiedsrichter Christian Dingert zweimal die Partie. Danach einigten sich die Spieler beider Teams das Match derart zu beenden, indem sie sich die Bälle nur noch freundschaftlich zuspielten. Nach dem Abpfiff übten die Vereine und ihre Verantwortliche auf dem Rasen den Schulterschluss. Mit Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandschef des FC Bayern. Und eben Dietmar Hopp.

Alles in allem: ein überfälliges Zeichen.

Taten statt Worte

Dass es mit Worten statt Taten nicht getan ist, haben die vergangenen Wochen, Monate und Jahre gezeigt. Rassismus, Sexismus, Homophobie, Schmähungen, Drohungen und Hass haben sich zuletzt zunehmend wieder den Weg in die Stadien gebahnt. Der Fußball in Deutschland verwies dabei – und auch noch an diesem Wochenende – gerne auf gesamtgesellschaftliche Probleme, die allein der Sport nicht lösen könne. Das ist nicht grundsätzlich falsch, der Fußball aber bot zu lange eine Plattform, ohne in letzter Konsequenz gegen die immer wiederkehrenden Umtriebe vorzugehen. Die Beleidigungen gegen Dietmar Hopp etwa gibt es schon seit fast zehn Jahren – als sie mit dem Protest gegen eine Kollektivbestrafung, wie sie zuletzt die Fans von Borussia Dortmund erfuhren (Sperre für Auswärtsspiele bei der TSG Hoffenheim) noch längst nicht in Verbindung gebracht werden konnten.

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Dass nun am Beispiel der Schmähungen gegenüber dem Mäzen der TSG ein Exempel statuiert wurde, darf kein Ausnahmefall bleiben. Mindestens so sehr wie der Milliardär aus Hoffenheim benötigen Spieler und Zuschauer, die rassistisch beleidigt, sexistisch oder homophob angegangen werden, Schutz und Solidarität. Wenn das Beispiel von diesem Samstag für all jene künftigen Fälle den Maßstab gesetzt hat, kann der 29. Februar 2020 nicht nur ein fußball-historisches Datum sein, sondern auch ein Wendepunkt.

Ein Umdenken ist notwendig

Dafür aber bedarf es mehr als einen Dreistufenplan, schimpfende Funktionäre vor den Fankurven, Lippenbekenntnisse, Härte in der Aufklärung oder Hinweise auf das Regelwerk von Fifa oder Uefa. Auch in den Blöcken muss ein Umdenken stattfinden. Mit der Attitüde der protestierenden Subkultur sind derartige Grenzüberschreitungen einfach nicht mehr zu rechtfertigen. Die angeblich vorhandene Kraft der Selbstreinigung in den Kurven muss sichtbar werden – so es sie denn tatsächlich gibt.

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