Nach der Insolvenz von KNV Buchhändler fürchten sich vor Imageschaden

Von Eileen Breuer 

Ein Stuttgarter Buchgroßhändler ist insolvent. Wie wirkt sich das auf den Handel vor Ort aus? Wir haben uns in Buchhandlungen auf der Filderebene umgehört, welche Sorgen die Inhaber umtreiben.

Die Kunden müssen in Zukunft nicht auf ihren Lesestoff verzichten. Foto: dpa
Die Kunden müssen in Zukunft nicht auf ihren Lesestoff verzichten. Foto: dpa

Filder - Wer in den Buchladen geht, um nach einem neuen Roman zu suchen, wird nichts von den wirtschaftlichen Problemen des Stuttgarter Buchgroßhändlers Koch, Neff & Volckmar (KNV) mitbekommen. In den Regalen vom Vaihinger Laden „Buch + Musik“ reiht sich ein Buch an das andere, Lücken sind keine zu sehen. Und wenn etwas nicht vorrätig ist, dann bestellt es die Geschäftsführerin Martina Mühleisen.

Doch unter der Oberfläche brodelt es. Denn KNV, mit Unternehmenssitz in Stuttgart-Vaihingen, stellte erst vor Kurzem einen Insolvenzantrag. Der Buchgroßhändler beliefert nach eigenen Angaben 5600 Buchhandlungen mit Büchern, CDs, Hörbüchern oder DVDs, davon befinden sich 4200 in Deutschland. Die Insolvenz habe kurzfristig Auswirkungen auf die Lieferungen gehabt, sagt Mühleisen. Doch das sei nicht weiter schlimm gewesen. Denn der Geschäftsbetrieb solle nun vorerst uneingeschränkt weitergeführt werden. „Jetzt können wir erst mal in Ruhe weiterarbeiten“, sagt Mühleisen. Hinzu komme, dass sie nur bedingt auf den Großhändler KNV angewiesen sei: „Inzwischen ist KNV nur noch ein Ergänzungs- und kein Hauptlieferant mehr.“ Dies sei nicht immer so gewesen. Früher habe Mühleisen fast ihre gesamte Ware von dem nun insolventen Großhändler bezogen. Doch als der nach Erfurt umgezogen sei, hätten sich die Probleme gehäuft: Die Bücher seien zu spät ausgeliefert worden – und das in einem Geschäft, das von der Schnelllebigkeit des Onlinehandels bedroht werde.

Sehen Sie außerdem im Video: KNV-Pleite und andere Sorgen – vor welchen Herausforderungen steht der Buchhandel derzeit?

Schneller und günstiger als Onlinehändler

Normalerweise, sagt Mühleisen, garantiere KNV den Buchhandlungen den Über-Nacht-Service. Nicht mehr vorrätige Bücher seien in der Regel bis zum nächsten Tag da. Und somit erfolge die Lieferung teils schneller und günstiger, als es Onlinehändler wie Amazon gewährleisten könnten, doch die Lieferengpässe während des Umzugs von KNV bedrohten dieses Alleinstellungsmerkmal des Buchhandels. Deswegen stiegen einige Buchhandlungen auf andere Großhändler um, welche die Bücher rechtzeitig liefern könnten.

So auch Uwe Ebert: Er betreibt die gleichnamigen Buchhandlungen in Möhringen und Echterdingen. „Während des Umzugs hat einiges nicht richtig funktioniert“, sagt Ebert. Länger als eineinhalb Jahre seien beispielsweise Probleme bei der Lieferung aufgetreten. Dementsprechend habe man die Zusammenarbeit mit anderen Großhändlern ausgebaut. Deshalb seien viele Buchhandlungen von der Insolvenz des Familienunternehmens kaum betroffen. Wenn der Marktführer KNV nun wirklich pleite gehen sollte, könne Ebert auf andere Bezugsquellen zurückgreifen. „Der Kunde würde das nicht merken. Für den hat das keine Auswirkungen.“

Teils sind Rechnungen noch nicht beglichen

Es seien Verlage, sagt Martina Mühleisen aus Vaihingen, die wegen eines möglichen Aus bangen: „Manche haben ihre Logistik an KNV ausgelagert. Wenn die Verlagsauslieferung nicht funktionieren würde, wäre das ein herber Schlag.“ Außerdem kaufe KNV bei den Verlagen als Barsortimenter Bücher ein. Da seien teilweise Rechnungen noch nicht beglichen. Martina Mühleisen stellt sich deshalb vor allem die Frage, ob weitere Insolvenzen von Verlagen folgen: „Die kleinen haben weniger Speck auf den Rippen, um die Verluste wegzustecken.“

Obwohl die Bücher weiterhin die Regale füllen, befürchtet Martina Mühleisen einen Schaden für den Buchhandel. Sie hat Angst, dass das Image leidet. „Manchmal fühle ich mich im Buchladen wie in einem Museum: Die Kunden kommen rein, schauen sich um, und sagen: Schön, dass es sie überhaupt noch gibt.“ Dadurch, dass viele den stationären Buchhandel als einen sterbenden Ast sehen, würden sie diesen meiden: „Wer geht schon gerne in ein notleidendes Geschäft einkaufen?“ Mühleisen hat Angst, dass die Kunden dann erst recht auf Onlinehändler zurückgreifen. Dabei könnten Leseratten sich ja nach wie vor mit neuem Lesestoff in den Buchhandlungen eindecken.

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