Der Streit an der Spitze von Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) schwelt nicht nur weiter, er könnte sich sogar ausweiten. Denn nachdem ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht ergebnislos verpufft ist, geht der Fall Thomas Walter in die nächste Runde. Der TTBW-Geschäftsführer hat – eine Folge seiner schleichenden Entmachtung – seinen Arbeitgeber auf dreieinhalb ausstehende Monatsgehälter verklagt, am 13. Februar 2025 wird es ab 12 Uhr in Saal 001 des Stuttgarter Arbeitsgerichtes zu einem Kammertermin vor Richterin Karin Jentsch und zwei Schöffen kommen. Dieser Prozess beschäftigt auch die Basis: Es gibt Unruhe im Tischtennis-Land.
Thomas Walter (57) prägte fast ein Vierteljahrhundert lang seinen Sport, erst als Geschäftsführer des damaligen Tischtennis-Verbandes Württemberg-Hohenzollern (TTVWH), dann nach der Fusion 2020 mit Südbaden als TTBW-Geschäftsführer. Mittlerweile ist die Stimmung in der Geschäftsstelle im Fritz-Walter-Weg 19 im Neckarpark jedoch ziemlich frostig.
Degradierung von Thomas Walter
Nach Recherchen unserer Zeitung wurde Walter vom TTBW-Präsidium, das sich einen härteren Führungsstil wünschte, das Vertrauen entzogen. Gabi Wendel, die im März 2023 als gleichberechtigte Geschäftsführerin für Personal und Organisation eingestellt worden war, wurde zehn Monate später zur weisungsbefugten Hauptgeschäftsführerin ernannt. Die neue Hierarchie, seine Degradierung zum Vize-Geschäftsführer für Sportentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit sowie das schlechte Arbeitsklima machten Thomas Walter derart zu schaffen, dass er von 2. April bis 13. Oktober mit unterschiedlichen Diagnosen krankgeschrieben war.
Der Anwalt des TTBW erklärte beim Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Stuttgart am 10. Oktober, dass der Verband Thomas Walter die Erkrankungen und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit nicht abnehme. Es handle sich, sagte Rolf Eißler, um „Gefälligkeits-Atteste“. Deshalb habe TTBW im Juli die Gehaltszahlungen an seinen leitenden Angestellten gestoppt. Weil sich keine Lösung des Konflikts abzeichnete, schlug Arbeitsrichterin Jentsch eine Art Mediation durch eine Güterichterin vor. Thomas Walter stimmte zu, der Verband blieb hart und lehnte ab. Zu den Gründen hat sich Hauptgeschäftsführerin Gabi Wendel auf Nachfrage – trotz zunächst angekündigter Gesprächsbereitschaft – nicht geäußert. Fakt ist: Seit 14. Oktober arbeitet Thomas Walter wieder, und im Februar werden beide Parteien erneut vor dem Arbeitsgericht in Stuttgart aufschlagen. Dann könnten auch die Ärzte, die Thomas Walter die Atteste ausgestellt haben, als Zeugen gehört werden.
Harte Kritik an Hauptgeschäftsführerin Gabi Wendel
Zugleich ist die Zukunft von Walter nicht nur ein Fall für die Justiz. Am deutlichsten für ihn Partei ergriffen hat Thomas Kreidler. „Thomas Walter ist Tischtennis in Baden-Württemberg. Tischtennis in Baden-Württemberg ist Thomas Walter. Er lebt diesen Sport“, schrieb der Vorsitzende des Bezirks Ludwigsburg in einer Mail, die unserer Redaktion vorliegt, an die 20 anderen Bezirkschefs im Land – und attackierte Gabi Wendel. Er warf der Geschäftsführerin nicht nur „unkollegiales und respektloses Verhalten“ gegenüber Thomas Walter vor, sondern zog auch deren Kompetenz in Zweifel: „Als Geschäftsführerin eines Sportverbandes sollte man sich in diesem Sport auskennen. Gabi Wendel war bei ihrer Einstellung die Sportart Tischtennis vollkommen fremd. Bis heute fremdelt sie noch bei vielen (Fach)-Themen. Das bringt Unruhe in die Geschäftsstelle.“ Zudem würden die gerichtliche Auseinandersetzung und der Umgangston dem „Ansehen unseres Sports“ schaden. Auch zu diesen Punkten nahm Gabi Wendel keine Stellung.
Um die Ungereimtheiten an der Verbandsspitze zu klären, wollte Kreidler einen außerordentlichen Landesverbandstag erzwingen. Dafür wäre die Zustimmung eines Viertels der 965 Vereine nötig gewesen. Mit diesem Ansinnen scheiterte der Vorsitzende des Bezirks Ludwigsburg allerdings. „Die Resonanz war sehr enttäuschend“, sagte Kreidler, „mir und vielen anderen ist Thomas Walter als Mensch sehr wichtig. Ich bin traurig, dass meine Initiative nicht erfolgreich war.“ Dies habe allerdings weniger mit dem konkreten Fall als mit grundsätzlichen Bedenken zu tun gehabt: Ein außerordentlicher Verbandstag im Januar oder Februar 2025 hätte Kosten von mehreren tausend Euro verursacht, was angesichts der Tatsache, dass im Sommer 2025 ein ordentlicher Verbandstag ansteht, aus Sicht vieler Funktionäre nicht zu rechtfertigen gewesen wäre.
Veränderungen im Präsidium stehen an
Laut Kreidler ist allerdings die Hälfte der Bezirksvorsitzenden „der deutlichen Meinung, dass in der nächsten Gremiensitzung Ende Januar Tacheles gesprochen werden muss und das Präsidium Rede und Antwort stehen soll“. Zudem hätten viele Bezirkschefs ihm gegenüber deutlich gemacht, dass „personelle Änderungen im Präsidium zwingend notwendig“ seien. Diese wird es auf jeden Fall geben. Beim Jugend-Verbandstag am 1. November in Stuttgart haben nach Informationen unserer Zeitung der stellvertretende Vorsitzende Horst Haferkamp, der seit dem Tod von Präsident Frank Tartsch im Februar 2024 das Präsidium führt, Jacqueline Pirk (Finanzen) und Jürgen Häcker (Jugend) angekündigt, nicht mehr zu kandidieren.
Auch deshalb ist jetzt schon klar: Die Unruhe im Tischtennis-Land Baden-Württemberg wird so schnell nicht vorbei sein.