Nach der knappen Aidlinger Bürgermeisterwahl Miteinander nach vorne schauen
Aidlingens neue Bürgermeisterin muss viele Probleme lösen. Eine gespaltene Gemeinde sollte keines davon sein, meint unser Redakteur Eddie Langner.
Aidlingens neue Bürgermeisterin muss viele Probleme lösen. Eine gespaltene Gemeinde sollte keines davon sein, meint unser Redakteur Eddie Langner.
Landrat Roland Bernhard brachte es am Wahlabend auf den Punkt: Marc Weidel gebührt für seinen Wahlkampf ganz großer Respekt. Noch vor drei Monaten hätten wohl nur wenige dem 23-jährigen Aidlinger zugetraut, dass ihm am Ende nur etwas mehr als 200 Stimmen fehlen würden, um in seiner Heimatgemeinde zum Bürgermeister gewählt zu werden.
Der Kandidat legte Herzblut und eine ausgesprochene Ortsverbundenheit in die Waagschale. Am Ende sollte Helena Österles Verwaltungserfahrung aber schwerer wiegen – wenn auch nur minimal.
Wie schnell er sich tatsächlich in die Verwaltungsaufgaben eingearbeitet und wie gut er sich als Bürgermeister gemacht hätte, wird Marc Weidel jetzt nicht mehr zeigen können. Seine Anhänger sind darüber verständlicherweise tief enttäuscht. Allerdings sollten sie sich jetzt vielleicht ein Beispiel an ihrem Kandidaten nehmen. Der ist zurecht stolz auf das, was er im Ort bewegt hat, zeigt sich in der ebenso knappen wie bitteren Niederlage aber als fairer Verlierer.
Wenn seine Unterstützer es mit ihren teilweise grenzwertigen Äußerungen auf Facebook ernst meinen, dann geht es ihnen doch in Wahrheit und zuvorderst um ihre Heimatgemeinde. Nachdem die Wahl nun gelaufen ist, wäre es daher nur fair, miteinander nach vorne zu schauen und der Gewinnerin eine Chance zu geben.
Schließlich gibt es in Aidlingen wirklich genug andere Probleme zu lösen – von hohen Abwassergebühren und Ärztehaus über Digitalisierung, Schulen und Kindergärten bis hin zur Frage, wie genau es nach sechs ausstehenden Jahresabschlüssen tatsächlich um die Finanzen steht. Eine in Teilen gespaltene Gemeinde zu kitten, weil ein paar Menschen das Wahlergebnis nicht gefällt, sollte da nicht auch noch dazugehören.