Nach der Landtagswahl Jeder fünfte in Steinenbronn wählt AfD

Die Grünen-Hochburgen sind Weissach, Waldenbuch und Herrenberg. Paul Nemeth (CDU) punktet im Schönbuch. Florian Wahl (SPD) erzielt seine besten Ergebnisse in Böblingen und Sindelfingen.

Die Wähler haben entschieden: Nur  Paul Nemeth (CDU) erhielt im Wahlkreis 5 ein Zweitmandat. Foto: factum/Granville
Die Wähler haben entschieden: Nur Paul Nemeth (CDU) erhielt im Wahlkreis 5 ein Zweitmandat. Foto: factum/Granville

Kreis Böblingen - Weissach heißt die Hochburg der Grünen im Kreis Böblingen - und ist gleichzeitig die Kommune mit dem zweitschlechtesten Ergebnis für die AfD. Mehr als jeder dritte Bürger – 35,3 Prozent – machten ihr Kreuzchen beim Grünen Bernd Murschel, 12,7 Prozent stimmten für die AfD, die in Steinenbronn die meisten Stimmen holte. Jeder fünfte Bürger votierte für sie. In Rutesheim wählten nur 12,5 Prozent für die Rechtspopulisten, auch dort schnitt die Ökopartei mit 32,5 Prozent überdurchschnittlich gut ab.

Weitere Hochburgen der Grünen waren Leonberg, wo Murschel zuhause ist, sowie Renningen und Herrenberg (32 Prozent). Im Wahlkreis Böblingen-Sindelfingen waren die Grünen besonders stark in Waldenbuch (32,2 Prozent). Unter dem Landesdurchschnitt dagegen lag das Ergebnis der Grünen in Mötzingen (23,4 Prozent) und Jettingen (24,8 Prozent). In den Großen Kreisstädten schnitten sie in Böblingen mit 25,7 Prozent am schlechtesten ab.

„Als ich mit dem Wahlkampf begann, haben alle gesagt, dass es für die Grünen aussichtslos ist, ein Direktmandat zu holen“, sagt die Wahlgewinnerin Thekla Walker, die in Böblingen mit 25,7 Prozent die wenigsten Stimmen erhielt. Aber dann seien viele zu ihr gekommen, „die mir eröffneten, dass sie personell und inhaltlich mit der CDU unzufrieden seien und deshalb mich wählen wollen“, erklärt die 46 Jahre alte Landesvorsitzende aus Stuttgart. Darunter seien auch viele Frauen gewesen. Viele hätten zum Beispiel die Kritik der CDU an der Gemeinschaftsschule nicht nachvollziehen können. So sei ihr zwar hauchdünner, aber sensationeller Wahlsieg gegenüber Paul Nemeth zustande gekommen.

CDU punktet in kleineren Kommunen

Der CDU-Abgeordnete ist jedoch noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Zwar verlor Nemeth das sicher geglaubte Direktmandat der CDU im bisher schwarzen Wahlkreis, schaffte aber dann doch den erneuten Sprung ins Parlament über das Zweitmandat. In seiner Heimatstadt Böblingen konnte der frühere Stadtrat nicht punkten. Sein Ergebnis liegt dort mit 26,1 Prozent unter dem Kreisdurchschnitt. Die Hochburgen der Konservativen lagen in kleineren Kommunen: die Altdorfer, Gärtringer, Schönaicher, Jettinger, Nufringer und Deckenpfronner votierten mit 31 oder 32 Prozent für die CDU. Selbstzweifel kommen bei Nemeth nicht auf. Stolz verweist er darauf, dass er 0,6 Prozent über dem Landesergebnis der CDU liegt. Und verteilt einige Seitenhiebe an die Grünen. „Wir müssen den Wählern klar machen, dass die Grünen nicht gut sind für den Automobilstandort Böblingen. Und dass sie eine Abgeordnete haben, die in Stuttgart lebt.“

Dagegen war Böblingen, die Heimatstadt des Noch-SPD-Abgeordneten Florian Wahl, der dort auch im Gemeinderat sitzt, die Hochburg der Sozialdemokraten im gesamten Kreis Böblingen. 15,8 Prozent der Stimmen fuhr Wahl dort ein, in der Nachbarstadt Sindelfingen votierten 15 Prozent der Wähler für ihn. „Ginge es nur nach diesen beiden Städten, dann hätte ich das Zweitmandat geschafft“, sagt Wahl. Er ist stolz darauf, dass sein Ergebnis im Kreis Böblingen 1,7 Prozent besser ist als das seiner Partei im Land. „Wahlexperten sagen, dass der persönliche Einfluss eines Kandidaten am Wahlergebnis ein bis 1,5 Prozent ausmacht. Das habe ich voll ausgeschöpft.“

FDP legt überall zu

Wichtig sei für ihn, erklärt Wahl, „dass die Leute sagen: Der hat es ernst gemeint, alles getan, was möglich ist.“ Am Dienstagabend werde man im Kreisvorstand der SPD die Wahl analysieren. Wahl hofft auf eine Ampel-Koalition. „Für eine Koalition mit der CDU müssen die Mitglieder befragt werden. Ich halte es für ausgeschlossen, dass diese dem zustimmen.“ Nach dem anstrengenden Wahlkampf will er nun Urlaub machen. Dann visiert er das Referendariat an einem Gymnasium an – als Englisch- und Gemeinschaftskundelehrer.

Der Alltag für den FDP-Kandidaten Andreas Knapp, Direktor am Landesrechnungshof, wird sich hingegen nicht ändern. „Für ein Zweitmandat haben mir wohl 1200 Stimmen gefehlt“, meint der Sindelfinger Stadt- und Kreisrat. Gegenüber der Wahl vor fünf Jahren hat die FDP ihr Ergebnis überall im Kreis verbessert. Am meisten Stimmen holte Knapp in Grafenau und Magstadt– jeweils mehr als zehn Prozent. Den Sprung ins Parlament schaffte auch Markus Widenmeyer (AfD) nicht, obwohl er das Landesergebnis um 1,4 Prozent übertraf. „Ich bin nicht traurig“, sagt er, „ich wollte keine politische Karriere starten.“